Allgemeinverfügung

Coronavirus im Kreis Soest: Werl zieht Notbremse, Entspannung in Soest und Welver

In Werl gilt ab Freitag Maskenpflicht in der Fußgängerzone.
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In Werl gilt ab Freitag Maskenpflicht in der Fußgängerzone.

So unterschiedlich sich das Coronavirus momentan im Kreis Soest ausbreitet, so einschneidend sind die Folgen dort, wo die Fallzahlen extrem steigen: in Werl.

Werl/Soest/Welver - Die Stadt Werl, die sich seit Tagen zum Brennpunkt der Corona-Pandemie im Kreis Soest entwickelt, musste auch am Mittwoch wieder neun neue Corona-Fälle verbuchen.

Sie weist jetzt (Stand 14. Oktober) eine Sieben-Tage-Inzidenz von 139,8 auf. Die Stadt zieht die Notbremse und regelt in enger Absprache mit dem Krisenstab und dem Gesundheitsamt des Kreises Soest per Allgemeinverfügung, was in Werl jetzt noch erlaubt ist und was nicht. Die Verfügung tritt am Tag nach Bekanntgabe, spätestens also am Freitag, in Kraft.

Coronavirus: Maskenpflicht in der Innenstadt

Eine der wichtigsten Veränderungen: Es gilt ab Freitag (16. Oktober) eine allgemeine Maskenpflicht in der Fußgängerzone und auf dem Wochenmarkt. Betroffen sind Walburgisstraße und Steinerstraße, insbesondere die Fußgängerzone bis einschließlich Steinertorplatz/Marktplatz. In diesem Zusammenhang ordnet die Stadt außerdem an, dass nur noch fünf Personen öffentlich zusammenkommen dürfen, um Kontakte zu beschränken.

Bei Sportveranstaltungen in geschlossenen Räumen sind keine Zuschauer zugelassen. Bei Sportveranstaltungen unter freiem Himmel und Kulturveranstaltungen sind maximal 150 Besucher erlaubt. Es besteht außerhalb von Sitzplätzen Maskenpflicht. Die Sitzplätze müssen einen Abstand von mindestens anderthalb Metern aufweisen. Die Stadt appelliert, die Regelungen ab sofort zu beachten.

Zusätzlich will das Werler Ordnungsamt die Kontrolle zur Einhaltung der vom Kreisgesundheitsamt angeordneten Quarantänemaßnahmen verstärken und dazu zusätzliches Personal einsetzen.

Coronavirus: Keine neuen Fälle in Soest und Welver

Entspannung hingegen in Soest und Welver. Beide Kommunen lagen mit dem Wert für die Sieben-Tage-Inzidenz, der angibt, wie viele Personen pro 100.000 Einwohner sich in den vergangenen sieben Tagen infiziert haben, zwischenzeitlich über dem Schwellenwert von 35. In Soest, wo es auch gestern keinen neuen Corona-Fall gab, liegt dieser Wert jetzt nur noch bei 14,7, in Welver bei 25,4. Kreisweit liegt diese Inzidenz nun bei 28,2 (Stand 14. Oktober).

Mit den Fallzahlen steigt der Aufwand im Gesundheitsamt. „Mehr als 200 Köpfe sind derzeit eingesetzt“, sagt Dr. Andrea Gernun, Leiterin des Gesundheitsamtes. Das Ende der Fahnenstange sei das aber noch nicht, weiteres Personal werde noch dazukommen. Besonders arbeitsintensiv sei unter anderem die Recherche der Kontaktpersonen. Die geht los, sobald jemand als infiziert gemeldet wurde und ist unerlässlich, um mögliche Infektionswege zu unterbrechen.

Coronavirus: Ansteckung im häuslichen Umfeld

Dabei hätten die vielen jüngst in Werl aufgetretenen Fälle eines deutlich gezeigt. „Im häuslichen Umfeld ist die Übertragung des Virus kaum vermeidbar“. In Werl nämlich resultieren fast alle aktuellen Fälle aus Ansteckungen im familiären Bereich. Allerdings ergänzt Kreis-Sprecher Wilhelm Müschenborn, hätten diese Familiengruppen weder einen Kontakt untereinander noch gebe es eine Beziehung zu der aus dem Ruder gelaufenen Hochzeit, die vor Wochen in Hamm, Dortmund und auch in Werl gefeiert wurde. Die Folgen dieses Ereignisses, das in der Nachbarstadt Hamm die Fallzahlen hatte explodieren lassen, seien an Werl anscheinend einigermaßen spurlos vorübergegangen.

Die aktuell Infizierten Personen eingerechnet befinden sich jetzt 552 Personen im Kreis Soest in Quarantäne, die meisten in Werl (173) gefolgt von Soest (67) und Welver (59) (Stand 14. Oktober).

Sie alle, sofern sie nicht stationär behandelt werden, bekommen täglich einen Anruf vom Gesundheitsamt, die sogenannte „Symptomabfrage“, bei der sich die Mitarbeiter nach eventuellen Beschwerden und Körpertemperatur erkundigen. Eine Quarantäne-Anordnung bedeutet übrigens keineswegs, dass auch direkt ein Corona-Test durchgeführt werden muss.

Coronavirus: Momentan mehr junge Infizierte

Bleibt der Betroffene beschwerdefrei, muss auch kein Test gemacht werden. Erst wenn sich einschlägige Symptome einstellen, die auf eine Infektion mit dem Coronavirus hindeuten, sollte der Betroffene telefonisch einen Termin mit dem Hausarzt abmachen.

Das momentane Infektionsgeschehen im Kreis Soest spielt sich hauptsächlich in der Altersgruppe der unter 50-Jährigen ab. Das geht aus den Zahlen hervor, die der Kreis Soest auf Nachfrage unserer Redaktion herausgegeben hat.

Demnach sind von Donnerstag, 8. Oktober (an diesem Tag gab es seit Beginn der Pandemie 640 bestätigte Fälle im Kreis Soest) bis Dienstag, 13. Oktober, 44 neue Fälle im Kreis Soest hinzugekommen. Allein die Hälfte davon verteilt sich auf die Altersgruppen 40 bis 49 Jahre (12 neue Fälle) und die Gruppe 20 bis 29 Jahre (10 neue Fälle).

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