Schausteller leiden unter der Krise

Coronavirus im Kreis Soest: Schausteller leiden unter der Krise

Die Werler Schausteller-Familie um Joline Bichelmaier, Lisa und Natalie Petter (von links), hier in ihrem Stand bei der Drive-in-Kirmes in Werl.
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Die Werler Schausteller-Familie um Joline Bichelmaier, Lisa und Natalie Petter (von links), hier in ihrem Stand bei der Drive-in-Kirmes in Werl am 27. September auf dem Parkplatz an der Stadthalle.

Nach dem erneuten Lockdown werden die Weihnachtsmärkte reihenweise abgesagt. Für viele Schausteller war es der letzte Strohhalm, um in diesem Jahr noch Einnahmen zu haben. Doch nach den Anordnungen starb das letzte Fünkchen Hoffnung für das Jahr 2020.

Werl - In eine ungewisse Zukunft blickt die Werler Schausteller-Familie Petter. Die Corona-Pandemie hat die Familie, die in siebter Generation als Schausteller auf Jahrmärkten unterwegs ist, in eine tiefe Krise gestürzt. Alle geplanten Veranstaltungen sind abgesagt worden. Die Weihnachtsmärkte weckten eine bisschen Zuversicht.

Am Dienstag erreichte Natalie Petter der nächste Schock. Der Ausrichter der Kirmes „Gertrüdchen“ in Neuenrade hat die Veranstaltung, die im März 2021 geplant war, bereits jetzt schon abgesagt. „Da ist mir der Boden unter den Füßen weggebrochen, als ich das mitbekommen habe. Ich weiß nicht, wie es weitergehen soll“, berichtet sie.

An diesem Wochenende wären die Petters auf dem „Martini Markt“ in Salzkotten gewesen. Nach diesem Jahrmarkt ist die Kirmessaison beendet und die Werler Schausteller bereiten sich auf die Weihnachtsmarktsaison vor. „Zwei Wochen bauen wir unsere Buden um und dekorieren diese weihnachtlich“, teilt sie mit.

Standort auf der Soester Kirmes aufgegeben

Mit einem Imbissstand, der Langos (belegtes ungarisches Fladenbrot) im Angebot hat, sind die Petters auf dem Weihnachtsmarkt in Unna schon viele Jahre Stammbeschicker. Auf der Soester Allerheiligenkirmes sind die Petters seit ein paar Jahren nicht mehr vertreten. „Wir hatten dort einen Platz am Rande, da lief es für uns nicht so gut. Da haben wir den Standort aufgegeben“, sagt die Werlerin.

Die Petters haben vier Kirmesbuden. Neben einem Imbiss- und Crêpes-Mobil besitzen sie auch noch Wurfbuden. Vier Wagen sind auf dem Hof untergebracht. Dort leben drei Generationen. Margret und Hermann Petter sind die Senioren der Familie. Sie haben einen „Double Jump“, zwei Dosen- und Pfeilwerfbuden.

Für die Eltern von Natalie Petter war das ganze Jahr nichts zu tun. „Die angebotenen Freizeitparks waren zu teuer und deswegen haben sie da nicht mitgemacht“, berichtet die Tochter. Mit dem legendären „Hopser“ sind sie normalerweise bundesweit unterwegs.

Natalie Petter sowie ihr Mann Sven Madaus und die Kinder Laureen und Lisa-Marie sind mehr in Nordrhein-Westfalen vertreten. Einmal im Jahr geht es über die Landesgrenze hinaus. Dann stehen sie mit ihren Buden in Rheinland-Pfalz. Normalerweise beginnt für sie über Ostern die Kirmessaison in Iserlohn am Seilersee. Ab dieser Zeit geht es bis in den November auf Städtetour und die Petters leben im Wohnwagen. „Früher, als meine Kinder noch klein waren, habe ich versucht, immer zuhause zu sein, damit wir nicht die Schule wechseln mussten“, erzählt sie.

Die Kinder, die Geräusche, die Musik, das Licht oder auch der Duft der Mandelbuden – ich bin damit groß geworden und ich vermisse das so sehr.

Natalie Petter, Schaustellerin aus Werl

Natalie Petter fehlt das Treiben auf der Kirmes. „Die Kinder, die Geräusche, die Musik, das Licht oder auch der Duft der Mandelbuden – ich bin damit groß geworden und ich vermisse das so sehr“, sehnt sie sich wieder nach einem normalen Leben. „Zuhause einfach so rumzuhängen ist nichts für mich. Da bekomme ich Depressionen“, sagt sie. Normalität ist für Natalie Petter auch der Auf- und Abbau der Kirmes.

Dabei kann sie ruhig im Wohnwagen einschlafen, das ist ihre Welt und da ist sie zuhause. Dankbar sind die Petters, dass sie mit ihrem Imbissstand ein paar Tage in der Woche am Rewe-Markt stehen dürfen. „Die Drive-in-Kirmes haben wir mitgemacht, aber das ist auch wieder vorbei. Wir sind froh, dass wir hier ein paar Einnahmen haben“, betont sich die Werler Schaustellerfamilie. Die Petters hoffen nur, dass im kommenden Jahr die Normalität zurückkehrt und sie auf dem Rummelplatz ihre Stände aufbauen können.

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