Impfaktion hinter Gittern

500 JVA-Insassen wollen Impfstoff von Johnson & Johnson

Coronaschutz hinter Gittern: 650 Dosen von Johnson&Johnson wurden in der JVA Werl zum Verimpfen vorbereitet.
+
Coronaschutz hinter Gittern: 650 Dosen von Johnson&Johnson wurden in der JVA Werl zum Verimpfen vorbereitet.

Viren dringen in tierische, pflanzliche oder menschliche Zellen ein und machen krank. Aber das Corona-Virus hat auch den Weg in die Zellen der Justizvollzugsanstalt gefunden – und 40 Insassen krank gemacht. Nun startet eine große Impfaktion hinter Gittern. In der JVA Werl wird seit Mittwoch umfangreich geimpft. Aber nicht alle Häftlinge wollen sich impfen lassen: 66 sagten „Nein“ bei einer Umfrage.

Werl - Aufgrund des jüngsten Corona-Ausbruchs wurden der JVA Werl aus einem Überschuss ca. 650 Impfdosen der Firma Johnson & Johnson zur Impfung der Insassen zur Verfügung gestellt, sagt JVA-Sprecherin Verone Voigt.

Die Befragung der Insassen am Wochenende führte zu folgendem Ergebnis:

  • 496 Insassen möchten sich in dieser Woche mit Johnson & Johnson impfen lassen. Dieser Impfstoff wird nur einmal verabreicht.
  • 118 Insassen möchten auf den Impfstoff von Biontech warten. Das Land NRW hatte vor kurzem angekündigt, dass es dazu eine Impfaktion für Insassen und Bedienstete in den Justizvollzugsanstalten in NRW geben soll. Offen ist aber, wann das geht. Im Erlass Mitte Juni wurde mitgeteilt, dass „zeitnah“ ein Impfangebot unterbreitet werde. Darauf wird nun gewartet.
  • 66 Insassen möchten sich aktuell nicht impfen lassen. Da keine Impfpflicht besteht, gibt es dagegen keine Handhabe.

.

Rund 140 Insassen hatten sich nach der Umfrage zunächst nicht gemeldet. Auf sie geht die Anstalt nun nochmal gesondert zu, um die Impfwilligkeit abzufragen. Schließlich stehen 150 Dosen mehr zur Verfügung, als es (zunächst) Impfwillige gab. Und natürlich solle und werde „kein Impfstoff verfallen“, versichert Verona Voigt. Bereits am Mittwoch gab es Nachmeldungen von Insassen, die sich impfen lassen wollen. Außerdem gebe es stets neue Zugänge in die Anstalt, denen man dann auch ein Impfangebot unterbreiten kann, so die JVA-Sprecherin.

Biontech als Alternative

Da für den Impfstoff der Firma Johnson&Johnson eine Anwendungseinschränkung besteht und die Impfung unter 60 Jahren „nur unter individueller Risikoakzeptanz erfolgen darf, wurde den Insassen angeboten, sich alternativ zu einem späteren Zeitpunkt mit dem BiontechImpfstoff impfen zu lassen“, sag die JVA-Sprecherin.

Die laufende Impfung erfolge durch den Krankenpflegedienst mit Unterstützung durch externe Ärzte und medizinisches Personal. Vier Impfteams stehen in der JVA zur Verfügung. Der Start war am Mittwoch, am Donnerstag wird die Aktion fortgesetzt.

Die Lage in der JVA

Die Infektionslage hinter den Anstaltsmauern hat sich unterdessen weiter entspannt. Nur noch einer der 40 Infizierten befinde sich noch in Quarantäne; zudem befindet sich ein Insasse noch im Justizvollzugskrankenhaus Fröndenberg; ursprünglich waren zwei Insassen dorthin verlegt worden, weil die Symptome das rechtfertigten. Mit dem Ende des Corona-Ausbruchs werde das Haus 2, das übergangsweise zur Quarantänestation umfunktioniert wurde, gereinigt. Danach könne es wieder als Pädagogisches Zentrum der JVA Werl genutzt werden.

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare

Unsere Kommentarfunktion wird über den Anbieter DISQUS gesteuert.

Hinweise zum Kommentieren: Auf soester-anzeiger.de können Sie Ihre Meinung zu einem Artikel äußern. Im Interesse aller Nutzer behält sich die Redaktion vor, Beiträge zu prüfen und gegebenenfalls abzulehnen. Halten Sie sich beim Kommentieren bitte an unsere Richtlinien: Bleiben Sie fair und sachlich - keine Beleidigungen, keine rassistischen, rufschädigenden und gegen die guten Sitten verstoßenden Beiträge. Kommentare, die gegen diese Regeln verstoßen, werden von der Redaktion kommentarlos gelöscht. Bitte halten Sie sich bei Ihren Beiträgen an das Thema des Artikels. Lesen Sie hier unsere kompletten Nutzungsbedingungen.


Bitte beachten Sie: Die Kommentarfunktion unter einem Artikel wird automatisch nach drei Tagen geschlossen.

Netiquette
Hinweis: Kommentieren Sie fair und sachlich! Rassistische, pornografische, menschenverachtende, beleidigende oder gegen die guten Sitten verstoßende Äußerungen sind verboten und werden gelöscht.

Kommentare