Kreis Soest

Coronavirus: Handwerker im Kreis backen kleinere Brötchen

Bäckerei Humpert in Werl
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Bäckerei Humpert: Georg Humpert vor dem geschlossen Sitzplatzbereich in der Bäckerei in der Bahnhofsstraße.

„Coffee-to-go“ bekommt in diesen Tagen eine besondere Bedeutung. Bei den Bäckereien sind die Sitzplatzbereiche geschlossen. Kaffee gibt es nur noch zum Mitnehmen.

Kreis Soest - Auch der Kuchen wird in diesen Tagen auf einem Pappteller serviert. „Für uns zählt in diesen Zeiten als erstes die Sicherheit unserer Mitarbeiter“, versicherte Heiko Klapp. Deswegen hat er schon in der vergangenen Woche das Café in seinem Laden geschlossen.

„Wir haben Angst vor einer kompletten Schließung und deswegen müssen wir bestimmte Vorsichtsmaßnahmen treffen“, erklärt der Geschäftsmann. Die Bäckerei empfiehlt, bargeldlos zu zahlen – und das hat Erfolg. Es zahlen jetzt deutlich mehr Kunden mit der EC-Karte.

Coronavirus: Bäckereien

Die Hygienewände auf den Ladentheken sind ein weiterer Sicherheitsaspekt für die Verkäuferinnen. Allerdings haben sich noch nicht alle Kunden auf die neue Situation eingestellt. „Hin und wieder müssen wir mit Kunden schon mal diskutieren, dass wir unseren Café-Bereich geschlossen haben“ berichtet Mitarbeiterin Susanne Gläser. „Viele kommen fast täglich zum Frühstück, und plötzlich fehlt denen der gewohnte Ablauf“, fügte sie hinzu.

Wie Heiko Klapp weiter betont, ist es auch nicht mehr erlaubt, dass die mitgenommenen Produkte im Laden verzehrt werden. „Das wird noch versucht, aber wir müssen die Kunden in diesem Fall hinaus schicken“, äußert er sich. Der Umsatz bei den fünf Filialen von Inhaber Heiko Klapp ist im zweistelligen Prozentbereich zurückgegangen. Zu Beginn der eingeführten Einschränkungen wegen der Corona-Pandemie lief es noch gut. Doch inzwischen bleiben die Kunden weg. Das Enser Unternehmen hat 60 Mitarbeiter. Heiko Klapp denkt über Kurzarbeit nach. „Ich will die Kurzarbeit so lange wie möglich hinausziehen, aber im April könnte der Fall eintreffen“, glaubt er.

Einbrüche verzeichnet auch die Bäckerei Humpert. Morgens kommen die Kunden noch und kaufen Brot und Brötchen, allerdings ist es auch hier weniger geworden. „Diese Produkte laufen in unseren Filialen noch am besten“, stellt Georg Humpert fest. Allerdings decken sich die Kunden mit Toast oder Aufbackbrötchen aus den Supermärkten ein und das Geschäft bricht den Bäckereien weg. Große Umsatzeinbußen haben die Humperts bei den „Süßen Produkten“.

Das Geschäft zum Mitnehmen läuft dagegen nach wie vor, und dieser Kundenstamm ist der Bäckerei Humpert treu geblieben. Um den Betriebsablauf weiter zu gewährleisten haben die Humperts ein Schichtsystem in der Backstube eigeführt. Am Vorabend kommen die ersten Bäcker und bereiten das Brot zu. Mit einem Zeitabstand beginnt in der Nacht die zweite Produktion. „Falls innerhalb der Backstube ein Fall von Corona auftreten sollte, ist immer eine Schicht gesichert“, erklärt Georg Humpert. Die Produkte aus der Werler Backstube gehen an sechs Standorte der Bäckerei, und die Werler Familie Humpert beliefert zwölf Kliniken. „Unsere Lieferfähigkeit muss bestehen bleiben“, versichern die Brüder Willi und Georg Humpert.

Das Werler Traditionsunternehmen hat 106 Mitarbeiter. Absagen bei den Torten flatterten reihenweise ins Haus. Geplante Hochzeiten und die Kommunion sowie Konfirmation wurden abgesagt. Da die Geschäfte am Nachmittag nicht mehr gut besucht sind, denkt Humpert über frühere Schließungen der einzelnen Filialen nach.

Dass sie demnächst die Kundschaft auch wieder in ihrem Laden haben, das hoffen Monika und Heiner Hünnies. Die Familienbäckerei mit angeschlossenem Bistro in der Steinerstraße wird die Betriebsferien – sonst in den Sommerferien eingeplant – vorverlegen und vom 1. April bis 3. Mai schließen. „Da wir voll hinter den zwingend notwendigen Maßnahmen stehen, haben wir uns dazu entschlossen“ ,sagt Heiner Hünnies. Ein weiterer Grund ist aber auch, dass in der noch geöffneten Bäckerei die Laufkundschaft wegbleibt. Berliner & Co. bleiben liegen. Hünnies kann zwar noch auf seine Stammklientel zählen, die aber kauft beispielsweise Brot dann für die ganze Woche ein. „Sechs auf einmal“. Und das kann der Bäckermeister kaum mehr planen. Monika und Heiner Hünnies aber bleiben optimistisch.

Coronavirus: Elektro Wächter

„Wir haben gerade leider zwei Mitarbeiter in Kurzarbeit“, erzählt Jens Fey von Elektro Wächter in Werl. Dabei sehe es aktuell gar nicht so schlecht aus für seinen Betrieb. „Große Einbrüche haben wir nicht“, so Fey. „Die Backofen-Technik boomt sogar. Da sind drei Mitarbeiter die ganze Zeit im Einsatz.“ Diese seien allerdings besondere Fachkräfte, die sich genau darauf spezialisiert hätten. Zwei Großkunden aus anderen Bereichen sind Fey jedoch abgesprungen, den Ausfall eines dritten konnte er noch gerade so verhindern. „Dafür haben wir ein spezielles Schichtsystem entwickelt, mit dem wir alle Corona-Vorgaben erfüllen können“, freut das Fey. „Hoffentlich können wir da dauerhaft weitermachen.“ Aufträge von Privatkunden bleiben dem Elektriker schließlich beinahe komplett aus. „Die Leute rufen nur noch bei dringenden Fällen an. Etwa wenn etwas mit der Waschmaschine ist“, erzählt der Geschäftsführer. Kleinere Reparaturen würden allerdings nicht mehr gewünscht. „Deshalb konnten wir die Kurzarbeit leider nicht verhindern“, bedauert Fey. „Es gibt einfach nicht mehr zu tun.“ Wie sehr das Handwerk mit anderen Branchen verwoben ist, zeigt ein Beispiel von Elektriker Jens Fey auf. Dessen Betrieb hat nämlich auch einige Aufträge in der Industrie. „Einer unseren Kunde gehört zur Auto-Industrie“, erzählt Fey. Und in der hätten ja schon einige Konzerne die Fertigung auf Eis gelegt. „Noch können wir da weitermachen“, sagt Fey, nur um den für diese Phase so typischen Satz anzufügen: „Doch wie es da weitergeht, weiß noch niemand.“

Coronavirus: Malermeister Hömberg

Ein Problem, das Dirk Hömberg, Malermeister aus Ense-Lüttringen, ebenfalls genauestens kennt. Die Privatkunden in seinen Auftragsbüchern haben seit der Verschärfung der Corona-Situation reihenweise abgesagt, neue kommen kaum noch rein. „In den Ferien können wir immerhin etwas in den Schulgebäuden machen“, berichtet Hömberg. „Doch was kommt danach?“ Und weil das niemand weiß, heißt es erst mal: durchhalten. Egal wie. Auch wenn es zurzeit frustrierend ist. „Im Moment sind die Ausgaben höher als das, was reinkommt“, verdeutlicht Hömberg die kritische Lage. „Zwei oder drei Monate können wir das kompensieren, weil wir in den vergangenen Jahren gut gewirtschaftet haben.“ Ein Notgroschen, den sich der Malerbetrieb aufgebaut hat, der nun aber wohl in Windeseile aufgebraucht werden wird. Dazu kommt eine heikle Marktsituation. „Ich hoffe, dass unsere Materialkette nicht zusammenbricht“, sagt Hömberg mit Blick auf die Versorgungslage in seiner Branche. Aus Belgien seien beispielsweise schon gar keine Tapeten mehr zu bekommen und auch in Sachen Farbe fühlt sich der Malermeister alles andere als sicher. „Manche Rohstoffe dafür kommen aus China“, erklärt er. „Zwar sagen die großen Hersteller, die nächsten Monate wären gesichert, doch wer weiß das schon.“ Daher hofft Dirk Hömberg nun auf staatliche Hilfen, rund 15 000 Euro bräuchte er, um die Krise besser überstehen zu können. „Das wäre wirklich gut“, wünscht er sich daher eine schnelle und unbürokratische Lösung.

Coronavirus: Bedachungen Liepe

Handwerksbranchen, die nicht in Gebäuden arbeiten, haben in der Corona-Krise einen echten Vorteil. So die Dachdecker. „Einzelne Kunden sagen uns zwar, dass sie uns nicht dahaben wollen“, verrät Jürgen Bertram von Bedachungen Liepe in Soest. „Doch eigentlich läuft alles problemlos.“ Schließlich werkeln seine Mitarbeiter ja auf dem Haus der Privatkunden und eben nicht darin. So laufen die erteilten Aufträge unbeeindruckt vom Virus weiter, auch neue Arbeit kommt stetig herein. „Allerdings weiß niemand, ob das auch bei längerer Dauer der Kontaktsperre so bleibt“, sagt Bertram. „Wer in dieser Phase nämlich seinen Job verliert, hat wohl andere Sorgen als sein Dach.“ Ein Szenario, das sich niemand wünscht.

Coronavirus: Expert Humpert

Jörg Heindrichs, Inhaber des Elektrofachmarkts „Expert Humpert“ geht es wie so vielen in diesen Tagen. „Es fühlt sich alles noch ein wenig irreal an.“ Seit dem 23. März ist das Geschäft am Kälbermarkt wegen der Corona-Auflagen geschlossen. Die große Stärke des lokalen Einzelhandels – das persönliche Gespräch mit dem Kunden im Geschäft – wurde Heindrichs, seinem Partner Andreas Wenner und den drei Mitarbeitern ein Stück weit genommen. Doch Aufgeben kommt für Heindrichs nicht in Frage. Die Fahne vor der Tür, die Plakate im Schaufenster und die Werbung im Internet soll zeigen: „Wir sind immer noch da. Telefonisch bieten wir weiter Beratung und Verkauf an“, sagt Heindrichs. Und auch im Internet können die Kunden bestellen. „Wir dürfen ja weiterhin liefern.“ Und wenn die Waschmaschine oder der Fernseher kaputt ist, komme natürlich weiter ein Techniker raus. Schließlich gehe es hierbei um das Sicherstellen der Grundversorgung. Heindrichs und Wenner haben das Geschäft vor 20 Jahren übernommen. Nun hoffen sie, dass die Krise möglichst schnell vorübergeht und sie den runden Geburtstag mit ihren Kunden feiern können. - pm/ak/dom/toni

Alle Informationen rund um das Coronavirus im Kreis Soest gibt es hier.

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