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Weitere Coronafälle in JVA: Nun folgt Massentest - Sorge um Lockerungen

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Von: Gerald Bus

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Hinter den Mauern der JVA Werl wird es ab Dienstag 1400 Corona-Tests geben.
Hinter den Mauern der JVA Werl wird es ab Dienstag 1400 Corona-Tests geben. © Skudlarek

Neben zwölf mittlerweile bestätigten Coronafällen von Häftlingen der JVA Werl gibt es einen weiteren positiven Schnelltest eines Häftlings und auch eine positiv auf das Virus getestete Bedienstete – wobei noch unklar ist, ob es einen Zusammenhang mit den Fällen unter den Häftlingen gibt. Offen ist die Frage, was der JVA-Ausbruch für den Kreis Soest und anstehende Lockerungen bedeuten kann.

Werl - Das bestätigt die JVA Werl am Montagnachmittag. Ein Häftling musste ins Justizvollzugskrankenhaus Fröndenberg verlegt werden.

Corona-Ausbruch in der JVA Werl: 1400 Tests ab Dienstag

Nun soll es beginnend ab Dienstag eine groß angelegte Abstrichaktion hinter den Anstaltsmauern geben. Rund 1 400 Tests von Insassen und Vollzugsbediensteten wird es dann unter Federführung des Kreisgesundheitsamts in Kooperation mit der Anstaltsärztin und örtlichen Hilfsorganisationen geben. Der Schwerpunkt soll am Mittwoch sein, sagt Kreis-Sprecher Wilhelm Müschenborn auf Anfrage unserer Zeitung.

Wann erste Ergebnisse vorliegen, ist noch unklar. Klar ist, dass es logistisch nicht einfach sein wird, die Aktion durchzuführen. Die Bediensteten, die im entsprechenden Zeitraum bei der Arbeit waren, werden im Besuchsbereich der Anstalt getestet; bei den Häftlingen und Sicherungsverwahrten werden die Abstriche in den Zellen und Vollzugsräumen abgenommen.

Corona-Ausbruch in der JVA Werl: Häftling war in Münster

Die Landesjustizvollzugsdirektion nimmt unterdessen Stellung zu Mutmaßungen, wie das Coronavirus den Weg in die Anstalt fand. Es sei „zutreffend“, sagt Nils Radtke (stellvertretender Pressesprecher Landesjustizvollzugsdirektion), „dass ein später positiv auf das Corona-Virus getesteter Gefangener der JVA Werl sich in der Zeit vom 17. bis 19. Mai in der JVA Münster befunden hat“. Zu dem Zeitpunkt sei noch kein Corona-Fall in der JVA Münster bekannt gewesen; auch Münster hat mittlerweile mit Coronafällen zu kämpfen. „Hinweise auf eine Infektion in der JVA Werl gab es erstmalig am 28. Mai“, sagt Radtke. Ob besagter Häftling für den Infektionsausbruch in der JVA Werl ursächlich ist, sei „daher derzeit zumindest unklar“. Am Freitag hatte unsere Zeitung den Virus-Ausbruch öffentlich gemacht. Am Sonntag war die Zahl der Infektionen bereits gestiegen.

Die Vollzugsbehörde werde fortlaufend über die in Abstimmung mit dem Gesundheitsamt getroffenen Maßnahmen informiert. „Es ist angeordnet worden, dass die JVA Werl bis auf Weiteres nicht von Gefangenentransporten angefahren werden darf“, sagt Radtke. „Damit soll ausgeschlossen werden, dass Gefangene der JVA Werl zugeführt bzw. von der JVA Werl aus in andere Anstalten verlegt werden.“

Corona-Ausbruch in der JVA Werl: Landesjustizvollzugsdirektion hat keine Erklärung

Warum das Virus in gleich mehreren Abteilungen ausgebrochen ist, kann die Vollzugsdirektion nicht erklären. „Die Eindämmung der Pandemie in den Justizvollzugsanstalten ist aufgrund der räumlichen Gegebenheiten und dem Zusammentreffen von vielen Menschen auf engem Raum eine fortwährend große Herausforderung“, sagt Radtke, „Warum das Infektionsgeschehen trotz dieser vielfältigen Schutzmaßnahmen stattfinden konnte, ist derzeit unbekannt.“

Offen ist auch, ob das Ausbruchsgeschehen in der JVA Folgen für Lockerungsmaßnahmen im ganzen Kreis Soest haben kann. Der Inzidenzwert für den Kreis steigt auch aufgrund der JVA-Fälle, bei niedrigen Werten schlagen die bisher 13 bestätigten Fälle deutlich zu Buche. Womöglich, so der Kreis, werde zu prüfen sein, ob die JVA als geschlossene Einrichtung ausgeklammert werden kann, wenn Lockerungsmaßnahmen gefährdet sind.

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