Entscheidung fiel am Mittwoch

Zweiter Lockdown: Das denken die Gastronomen

Wiener Hof Werl
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Wiener Hof Werl

Ein zweiter Corona-Lockdown kommt im November, mit all seinen Folgen. Doch wie kommen die Pläne der Regierung bei den Betroffenen an? Wir haben bei den Gastronomen nachgefragt.

Werl – Gespannt verfolgte am Mittwoch ganz Deutschland, welches Ergebnis das Treffen der 16 Ministerpräsidenten mit Bundeskanzlerin Angela Merkel hervorbringen würde. Viele befürchteten dabei den Beschluss, einen zweiten Corona-bedingten Lockdown zu verhängen, der – wie schon im März – die Schließungen zahlreicher Geschäfte und Gastronomiebetriebe zur Folge hätte. Und ihre Befürchtungen bewahrheiteten sich.

So wollen Bund und Länder zur Eindämmung der Corona-Pandemie Gastronomiebetriebe vom 2. November für den restlichen Monat schließen. Davon ausgenommen sind die Lieferung und Abholung von Speisen für den Verzehr zu Hause, Kantinen dürfen weiterhin geöffnet bleiben.

„Das komplett falsche Signal“

Vor allem die Wirte schauten daher mit einem unguten Gefühl nach Berlin, immerhin könnte die Entscheidung für sie arge finanzielle Folgen haben.

So auch die Werler Gastronomen. „Ich halte von Schließungen gar nichts“, macht Halid Mehinovic, Betreiber des Wiener Hofs, klar. „Das Verbot von Feiern ist in Ordnung, aber das normale Geschäft sollte weiterlaufen dürfen.“ Er findet die nun bestätigte Schließungsanweisung daher „ganz, ganz ärgerlich“. Und steht damit nicht alleine da, auch Volker Damm, Inhaber des Fischlokals in Westönnen, empfindet Schließungsweisungen als überzogen. „Es ist das komplett falsche Signal. Man sollte die Gastronomen lieber dabei unterstützen, ihre Schutzmaßnahmen zu verbessern.“

Er und seine Frau, die das Fischlokal gemeinsam betreiben, hatten zuletzt eigentlich geplant, eine Luftfilteranlage anzuschaffen, doch das lassen sie angesichts des drohenden Lockdowns nun lieber bleiben. „Es weiß ja keiner, was in der nächsten Zeit kommt. Da sind Investitionen nicht angebracht“, erklärt Damm. „Wir müssen das Geld ja auch irgendwie zusammenhalten.“

Mit einer mobilen Fischbude wollen sich die Betreiber des Westönner Fischlokals während des Lockdowns über Wasser halten. 

Lage hatte sich gerade erst entspannt

Mehinovic hat sich solch eine Anlage im Wiener Hof bereits zugelegt und weiß, dass das ganz schön ins Geld geht. „Billig war das nicht“, sagt er. Zumal er die Investition während der Zwangsschließung nicht mehr ausgleichen kann.

Dabei hat die Gastronomie gerade erst angefangen, sich zumindest wieder einigermaßen von den Folgen des ersten Lockdowns zu erholen. „Im Juli hatten wir wieder eine gute Frequenz hier“, berichtet Mehinovic. „Es war fast genauso wie im Vorjahr.“ Solch einen Vergleich kann Damm zwar nicht anstellen, immerhin öffnete das Fischlokal in Westönnen erst im August, doch trotzdem „ist es seither echt ordentlich angelaufen“.

Erst in den letzten Wochen ebbte der Gästefluss spürbar ab. „Das hatte etwas mit den steigenden Fallzahlen in Werl zu tun“, hat Mehinovic beobachtet. „Die Leute haben sich wieder mehr Sorgen gemacht.“

Erfahrungen aus dem ersten Lockdown nutzen

Nun müssen sich die Gastronomen aber wieder mit einem erneuten Lockdown auseinandersetzen. „Wenigstens haben wir damit ja nun etwas Erfahrung“, versucht Damm, das Ganze positiv zu betrachten. „Wir wissen jetzt, wie man am besten Kosten einsparen kann.“

Damit aber trotz der Schließung weiterhin zumindest ein bisschen Geld reinkommt, setzen die beiden Werler Restaurants auf unterschiedliche Wege. Die Damms haben sich eine mobile Fischbude zugelegt, mit der sie ihr Geschäft anderweitig aufrechterhalten wollen. „Das hat uns schon beim ersten Mal den Hals gerettet“, haben sie damit bereits gute Erfahrungen gemacht. „Es fängt zwar nicht alle Verluste auf, federt sie aber immerhin ab.“ Im Wiener Hof wird der Betrieb auf Außer-Haus-Verkauf umgestellt.

Existenzbedrohend sei ein erneuter Lockdown nicht, sagen die beiden Betreiber. Auf Dauer kann sich das aber schnell ändern, weiß Damm: „Irgendwann geht schließlich Jedem die Puste aus.“

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