Trotz hoher Corona-Fallzahlen

Darum hat die Stadt Werl ihre Gedanken an eine Sperrstunde verworfen

Corona: Hinweise Maskenpflicht am Eingang der Fußgängerzone in Werl
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Maskenpflicht in der Fußgängerzone ja, Sperrstunde nein: Sie wird in Werl nicht umgesetzt.

Die Stadt Werl hat angesichts hoher Fallzahlen über eine in Werl geltende Sperrstunde nachgedacht.  

Werl – Beim Bund-Länder-Gipfel wurde eine Sperrstunde für die Gastronomie beschlossen, die in Corona-Hotspots bei einer Sieben-Tage-Inzidenz von mindestens 50 Neuinfektionen pro 100.000 Einwohner gelten soll. In betroffenen Städten sollen Bars, Kneipen und Clubs um 23 Uhr geschlossen werden. Doch warum wird eine solche Sperrstunde in Werl nicht umgesetzt?

Die Antwort, die Stadt-Sprecher Ulrich Canisius auf diese Frage liefert, ist denkbar simpel: „Wir haben zunächst über eine in Werl geltende Sperrstunde nachgedacht. Wir haben den Gedanken aber verworfen, weil es hier einfach keine ausgeprägte Kneipenszene und keine Partymeile gibt. Das unterscheidet Werl von Großstädten, die derzeit als Hotspots gelten und in denen eine Sperrstunde umgesetzt wird.“

Keine Sperrstunde in Werl: Stadt will es den Gastronomen nicht noch schwerer machen

Die derzeitige Situation der Gastronomen, die sich nach dem Lockdown an verschiedene Vorschriften halten müssen, um den Betrieb am laufen zu halten, habe bei der Entscheidungsfindung auch eine Rolle gespielt. Die Stadt will es ihnen, soweit wie sie es in der eigenen Hand hat, nicht noch schwerer machen. Ulrich Canisius bestätigt in diesem Zusammenhang, dass die Stadt bei der Formulierung ihrer Allgemeinverfügung gegen die Ausbreitung des Coronavirus natürlich „über den Zaun geschaut“ hat.

So wurde analysiert, welche Maßnahmen beispielsweise im Kreis Unna, oder in Hamm, die ebenfalls als Corona-Hotspots gelten, getroffen wurden. Das „Über-den-Zaun-Schauen“ habe bei der eigenen Entscheidungsfindung allerdings nur bedingt geholfen. „Man muss die Maßnahmen den lokalen Gegebenheiten anpassen und abwägen, wen trifft es wie. Das ist das Schwierige. Wichtig ist, nicht in Aktionismus zu verfallen und die Vorschriften nicht undurchsichtig werden zu lassen.“

Der Anzeiger hat sich im Gasthaus Diers und im Restaurant „Markt20“ in der Innenstadt umgehört, was für Auswirkungen eine Sperrstunde dort mit sich gebracht hätte. Die Einschätzung der Gastronomen bestätigt die Entscheidung der Stadt: „Unser Kerngeschäft ist das Essen. Das ist bis zum Eintritt einer möglichen Sperrstunde gelaufen. Da gibt es durchaus Kollegen in Dortmund, die sowas härter treffen würde“, erklärt Peter Pauthner vom Gasthaus Diers.

Anette Rüsing vom „Markt20“ fügt an: „Selbst am Wochenende ist es in der letzten Zeit immer recht früh leer. Deshalb würde eine Sperrstunde auch uns nicht groß treffen.“ Pauthner glaubt jedoch, dass die Werler Gastronomie den Anstieg der Zahlen dennoch spüren wird: „Es wird wohl dauern, bis die Zahlen wieder sinken. Die Fußgängerzone ist ja wie leergefegt. Mindestens in den nächsten zwei Wochen wird es wohl relativ ruhig werden.“

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