Prozess vor dem Soester Amtsgericht

Untreue im BVB-Fanclub: Urteil ist gefallen

Im Untreueverfahren gegen ein ehemaliges Mitglied des Werler BVB-Fanclubs „Zum Brunnen“ vor dem Soester Amtsgericht wird es noch am Donnerstag ein Urteil geben. 
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Im Untreueverfahren gegen ein ehemaliges Mitglied des Werler BVB-Fanclubs „Zum Brunnen“ vor dem Soester Amtsgericht ist am Donnerstag das Urteil gefallen. 

[Update 19.30 Uhr] Im Untreue-Verfahren gegen ein Ex-Mitglied des Werler BVB-Fanclubs „Zum Brunnen“ vor dem Soester Amtsgericht ist das Urteil gefällt. Der Angeklagte wurde wegen Untreue in 35 Fällen zu einer Freiheitsstrafe von einem Jahr und acht Monaten auf Bewährung verurteilt, außerdem zur Einziehung von 15.598 Euro.

Werl/Soest - Sprich: Er muss den als erwiesen geltenden Schaden an den Fanclub zurückzahlen.

Ursprünglich war der Werler wegen zum Teil gewerbsmäßiger Untreue in 44 Fällen angeklagt; in einigen Fällen wurde er freigesprochen, weil Taten nicht mit Sicherheit belegt werden konnten. Gericht und Staatsanwaltschaft gingen aber auch mit dem Fanclub ins Gericht, der die Taten durch fehlende Kontrollen mit zu verantworten habe.

Wir sind davon überzeugt, dass Sie vorsätzlich gehandelt haben, zumindest bedingt.

Der Richter zum Angeklagten

„Wir sind davon überzeugt, dass Sie vorsätzlich gehandelt haben, zumindest bedingt“, sagte der Richter in der Urteilsbegründung am Ende des dritten Prozesstages. Das Schöffengericht könne sich vorstellen, dass der Angeklagte „in gewisser Weise hineingeschliddert ist“; dennoch habe er die Taten zwischen 2016 und 2018 „mit Methode“ begangen und Geld, das ihm für Karten zur Verfügung gestellt worden ist, für sich behalten.

Dauerkarten „deutlich über Preis“ weiterverkauft

Dabei habe er die ihm anvertraute Position ausgenutzt und zum Teil auch Dauerkarten „deutlich über Preis“ weiterverkauft – auch das zum Schaden des Fanclubs, da die Erwerber davon ausgegangen seien, dass die Mehrkosten dem „Brunnen“ zugute kommen. Es sei erwiesen, dass er Gelder nicht an den Verein weiter geleitet habe; den mehrfachen Beteuerungen des Angeklagten, er habe das Geld spieltagsweise in die Kasse bar eingezahlt, könne man keinen Glauben schenken. Für eine Weiterleitung gebe es keine Anhaltspunkte, sagte der Richter. „Und es wäre auch im System nicht logisch, sich ein zinsloses Darlehen einzuräumen.“

Letztlich habe die Version des Angeklagten kein Zeuge bestätigen können, „und das hätte doch jemand mitbekommen müssen.“ Eher halte das Gericht es für schlüssig, dass beim Überblick über die Kasse am Spieltag der Betrag gestimmt habe. Würden die Angaben des Angeklagten stimmen, „hätte ein Überschuss in der Kasse sein müssen“. Das mittlerweile ausgeschlossenen Mitglied habe gegen seine Pflicht verstoßen, das Vermögen des Vereins zu betreuen. Kontrolllisten, von denen immer die Rede war, gebe es nicht.

Wir haben auch den Eindruck gewonnen, dass zumindest damals die Vereinsstrukturen die Tatausführungen nicht nur ermöglicht, sondern sogar erleichtert haben.

Der Richter

Dass es schwer gewesen sei für das Gericht, die Strukturen im Fanclub zu durchschauen, merkte der Richter an. Man habe „nicht alles erfassen können.“ Ohne Zweifel sei der Angeklagte für den Verein engagiert gewesen, sei nicht vorbestraft und habe sich später nichts zuschulden kommen lassen. Auch habe er Rückzahlungen geleistet. Vor allem aber habe das Gericht „auch den Eindruck gewonnen, dass zumindest damals die Vereinsstrukturen die Tatausführungen nicht nur ermöglicht, sondern sogar erleichtert haben“.

Staatsanwältin spricht von „Schutzbehauptungen“

Zuvor hatte die Staatsanwältin in ihrem Plädoyer die Schuld des Angeklagten als erwiesen in 38 Fällen angesehen und eine Freiheitsstrafe von zwei Jahren auf Bewährung gefordert. Zudem solle er den Schaden von 14 618 Euro zurückzahlen müssen. Seine Angaben seien „Schutzbehauptungen“, der Untreue-Vorwurf erwiesen.

Es bedurfte keinerlei krimineller Energie für die Taten

Die Staatsanwältin

Die Staatsanwältin betonte allerdings eine „gewisse Mitschuld“ des Fanclubs, der es dem Angeklagten ohne ordentliche Buchführung sehr leicht gemacht habe. „Es bedurfte keinerlei krimineller Energie für die Taten.“ Der Angeklagte habe schalten und walten können, wie er wollte. Allerdings habe er „das Vertrauen in ihn erheblich missbraucht, systematisch über Jahre hinweg“.

Verteidigerin räumt Fehlverhalten ein

Die Verteidigerin räumte ein, dass es ein Fehlverhalten gegeben habe, der Untreuetatbestand erfüllt sei. Allerdings habe der Werler nicht vorsätzlich gehandelt.

Er ist da mit einer gewissen Naivität reingegangen.

Die Verteidigerin

„Er ist da mit einer gewissen Naivität reingegangen.“ Auch habe er sich nicht von Anfang an bereichern wollen; seine Angaben seien „glaubhaft“. Dem Fanclub müsse man vorwerfen, dass er „lasch“ agierte, sich nie Listen zeigen ließ; keiner könne die Zahlungen nachvollziehen. „All das hätte doch früher auffallen müssen.“ Ihr Mandant habe nach „bestem Wissen und Gewissen“ gehandelt und den BVB-Fanclub nicht schädigen wollen. Aber man könne Rückzahlungen eben auch nicht belegen.

Hinzu komme, dass im Club „jeder so seine Kasse zuhause hatte“. Es sei nicht einzusehen, dass ihr Mandant alles alleine ausbaden solle. „Da macht man es sich zu einfach.“ Die tatsächliche Schadenssumme sei gar nicht nachweisbar. Die Juristin räumte ein, dass man um eine Freiheitsstrafe nicht herumkomme, allerdings seien 18 Monate auf Bewährung ausreichend.

Ich hätte mir niemals Geld auf mein Konto zahlen lassen sollen.

Der Angeklagte

Der Angeklagte blieb bei seiner Darstellung. Aber: „Ich hätte mir niemals Geld auf mein Konto zahlen lassen sollen.“ Man habe im Vertrauen aufeinander „alles in einen Pott“ geworfen. Einen gab er dem Fanclub noch mit: Er könne was zur Vereinsheimrenovierung sagen „und zu anderen Sachen auch – aber ich will dem Verein ja nicht schaden.“ Letztlich habe er „Fehler gemacht, definitiv. Ich bereue das“. Seine Anwältin ließ offen, ob sie Rechtsmittel einlegen wird.

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