Wohnungen durchsucht

Schleuserkriminalität: Polizei sichert Beweise in Werl

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Symbolbild.

WERL - Bei einem Schlag gegen internationale Schleuserkriminalität hat die Bundespolizei unter anderem in Werl und Hamm Wohnungen durchsucht. In Werl wurde umfangreiches Beweismaterial gesichert, die die Täterschaft eines Werlers als Schleuserhelfer sicher belegen.

Das bestätigte Christian Altenhofen, Pressesprecher der Bundespolizeidirektion Flughafen Frankfurt/Main. In Hamm, Werl, Leverkusen und Wuppertal sowie in Emmeloord (Niederlande) erfolgten am Donnerstag in den frühen Morgenstunden zeitgleich Wohnungsdurchsuchungen. 82 Beamte der Bundespolizei und der niederländischen Polizei waren an der Suche nach Beweismitteln beteiligt.

Hintergrund sind Schleusertätigkeiten eines Hauptverdächtigen aus den Niederlanden, der am Donnerstag nicht angetroffen wurde. Er hat sich offenbar ins Ausland abgesetzt und soll nun mit internationalem Haftbefehl gesucht werden. Die anderen Männer gelten als Schleuserhelfer und Geldkuriere, so auch der Mann in Werl.

Er ist türkischer Mitbürger und hat sich bei der Polizeiaktion „kooperativ verhalten“ und die Beamten bereitwillig hereingelassen, sagt Altenhofen. Man habe umfangreiches Beweismaterial gesichtet und sichergestellt, darunter Kontoauszüge, sehr viele Schriftstücke und Routenhinweise. „An der Täterschaft als Schleuserhelfer und Geldverwalter besteht kein Zweifel“, so der Sprecher der Bundespolitei. „Die Beweislast ist erdrückend.“

Dennoch wurde der Mann nicht festgenommen, weil keine Haftgründe vorlägen. Man sehe weder eine Verdunklungs-, noch eine Fluchtgefahr bei dem Schleuserhelfer. Zudem habe er einen festen Wohnsitz. Es handele sich bei der Gruppe nicht um eine „Bande“ im eigentlichen Sinn, so der Sprecher der Bundespolizei. Eher habe der Niederländer sich ein umfangreiches Netzwerk aufgebaut und dann seine Helfer in Bewegung gesetzt.

Die Schleuserorganisation soll in den vergangenen Jahren mindestens 42 türkische, syrische und irakische Staatsangehörige nach Europa eingeschleust haben. Zwischen 5000 und 10.000 Euro sollen die Geschleusten jeweils gezahlt haben. Man gehe davon aus, dass die Täter damit rund 420.000 Euro verdient haben. Aufmerksam wurden die Ermittler durch einen Vorfall am 7. Mai 2013 bei der Ausreisekontrolle am Flughafen Frankfurt. Hier ging der 67-jährige türkische Hauptbeschuldigte ins Netz, als er versuchte, mit einem falschen spanischen Reisepass auszureisen. Die Ermittler fanden sechs weitere gefälschte Pässe unterschiedlicher Nationen, „mit denen er mutmaßlich Kurden nach Europa schleusen wollte“. Der mutmaßliche Haupttäter ist der Bundespolizei unter „mindestens acht verschiedenen Identitäten bekannt“.

Bei den Durchsuchungen fanden die Ermittler neben gefälschten irakischen Identitätskarten auch Lichtbilder, offensichtlich zur Fälschung von Pässen und ein mobiles Navigationsgerät, auf dem die Ermittler die Route einer Schleusung auf dem Landweg auslesen konnten. - bus

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