Bürgermeister-Kandidat für Fröndenberg

Günter Freck hält Steuersenkung in Werl für verfrüht

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Hält „die aufkeimende Diskussion über eine Grundsteuerabsenkung für verfrüht“: Günter Freck.

Ein Werler will Bürgermeister von Fröndenberg werden. Heinz-Günter Freck wird von CDU und FDP ins Rennen geschickt. Er ist seit 2011 Beigeordneter und Kämmerer in Fröndenberg, war zuvor lange für die Finanzen im Werler Rathaus zuständig.

Werl/Fröndenberg – Freck möchte Fröndenbergs Bürgermeister Friedrich-Wilhelm Rebbe (SPD) 2020 beerben. Anzeiger-Redakteur Gerald Bus stellte dem Werler dazu Fragen. 

Als Werler kandidieren Sie um das Bürgermeisteramt in Fröndenberg auf Ticket der CDU. Warum kam diese Bewerbung nicht für Werl in Frage? Hier sucht die CDU schließlich auch noch.
Ob die Werler CDU sucht, kann ich nicht sagen. Ich bin schon seit einigen Jahren so fest in Fröndenberg verwurzelt, dass sich die Frage für mich zu keiner Zeit gestellt hat. 

Hat es Kontakte im Vorfeld zur Werler CDU gegeben?
Nein! 

Sie haben lange auch in der Werler Verwaltung gearbeitet. Wo liegen die Unterschiede zwischen den Kommunen?
In der eigentlichen Sacharbeit kann ich keinen Unterschied erkennen. Was mir allerdings auffällt, ist, dass die Fröndenberger Bürger aktiver das kommunalpolitische Geschehen verfolgen und auch während der Rats- und Ausschusssitzungen präsenter sind. Das habe ich in dieser Ausprägung in Werl so nicht erlebt.

In Werl waren Sie für die Finanzen zuständig. Mittlerweile hat sich die Kassenlage gebessert und es gibt wieder mehr Gestaltungsspielraum. Ärgert es Sie, dass sie in Zeiten leerer Kassen agieren mussten?
Nein, keineswegs. Ich beobachte schon noch sehr genau die Entwicklung der Werler Finanzen und freue mich, dass die Stadt die Impulse des Stärkungspakts so konsequent genutzt hat. Die Verantwortlichen haben meines Erachtens alles richtig gemacht, als sie frühzeitig die schwierige Entscheidung zur Grundsteueranhebung getroffen haben. Aber bei aller Wertschätzung: Werl ist finanziell noch nicht über dem Berg und wird noch einige Zeit brauchen, um sich weiter zu entschulden. Deshalb halte ich die immer wieder aufkeimende Diskussion über eine Grundsteuerabsenkung für verfrüht.

Welche Chancen rechnen Sie sich für Ihre Kandidatur aus?
Ich gehe mit dem Selbstbewusstsein in die Wahl, in den letzten acht Jahren gute Arbeit für Fröndenberg und die Menschen gemacht und gemeinsam mit dem derzeitigen Bürgermeister viele wichtige Impulse für die Stadt gesetzt zu haben. Aber letztlich entscheiden die Bürger am 13. September 2020. Klar ist, dass ich natürlich lieber die Wahl gewinne. 

Werden Sie im Falle des Wahlsieges Werl verlassen?
Nein. Das ist soweit auch mit CDU und FDP – beide unterstützen meine Kandidatur – vorbesprochen. Ich bin der Meinung, dass die Befähigung für das Bürgermeisteramt nicht von der vermeintlich richtigen Postleitzahl abhängen kann. Ich identifiziere mich voll und ganz mit Fröndenberg und meiner Aufgabe, ohne dort zu wohnen. Das geht vielen Arbeitnehmern täglich genauso. Übrigens hat dies bei meiner einstimmigen Wiederwahl zum Beigeordneten niemanden interessiert. 

Ist eine Rückkehr auf absehbare Zeit denkbar oder wird Fröndenberg zur Lebensaufgabe?
Nein. Ich habe 30 schöne Berufsjahre hier in Werl verbracht. Mit dem Wechsel nach Fröndenberg ist ein neuer Berufsabschnitt eingetreten. Fröndenberg ist zu einer Herzensangelegenheit für mich geworden. Ich habe dort eine enorme Wertschätzung für meine Arbeit erfahren. 

Mit der Sicht des mittlerweile außenstehenden Verwaltungsfachmanns: Wie bewerten Sie die Entwicklung Werls - und was kann die Stadt von Fröndenberg lernen?
Werl hat in den letzten Jahren eine gute Entwicklung genommen. Die wirtschaftliche Situation der Stadt hat sich dank der Unterstützung aus dem Stärkungspakt und dem konsequenten Entschuldungskurs der Verwaltung gut entwickelt. Die Probleme, die wir heute alle in den Städten verspüren, und damit meine ich besonders die ungute Entwicklung des Einzelhandels und die Leerstände in den Fußgängerzonen, belasten uns doch alle. Wir sind in Fröndenberg etwas eher mit dem „Integrierten Handlungskonzept Innenstadt“ unterwegs gewesen und haben bereits einen Förderbescheid der Bezirksregierung zur Innenstadtsanierung vorliegen. Im nächsten Jahr sollen dann die Bagger rollen. Werl hat sich ja auch auf den Weg gemacht, was ich absolut richtig finde. Wenn ich nun wirklich eine „Fröndenberger Stärke“ hervorheben soll, dann kann ich nur auf das außerordentlich hohe bürgerschaftliche Engagement in der Stadt hinweisen. Ich kann das auch nur beispielhaft darstellen. So werden in Fröndenberg unter anderem das Kettenschmiedemuseum, das Freibad in Dellwig und wesentliche Teile des Kulturprogramms ehrenamtlich geführt. Das ist großartig und außergewöhnlich.

Andersherum betrachtet: Was aus Werl würde Fröndenberg gut tun?
Fröndenberg könnte mehr Gewerbeflächen für Handwerk, Handel und Mittelstand gebrauchen. Durch unsere Lage an der Ruhr haben wir wenig Möglichkeiten, Gewerbeflächen auszuweisen. Da würde ich gerne einige Parzellen aus dem hiesigen Flächenpool übernehmen.

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