Mangel an Bauplätzen

Junge Dorfbewohner wollen gerne bleiben, finden aber keine Bauplätze

Offen gehalten wurde vor vielen Jahrzehnten die Option, das Dorf Budberg nach Süden zu erweitern. David Dröppelmann mit seiner Partnerin Lisa Franke (rechts) und Daniel Franke zeigen mit dem Bandmaß die auf acht Meter Breite angelegte Trasse der Tiggestraße, die letztlich aber nie so breit ausgebaut wurde.
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Offen gehalten wurde vor vielen Jahrzehnten die Option, das Dorf Budberg nach Süden zu erweitern. David Dröppelmann mit seiner Partnerin Lisa Franke (rechts) und Daniel Franke zeigen mit dem Bandmaß die auf acht Meter Breite angelegte Trasse der Tiggestraße, die letztlich aber nie so breit ausgebaut wurde.

David Dröppelmann ist 29. Ein Alter, in dem das Thema Familien- und Zukunftsplanung für ihn und seine Partnerin konkreter wird. Dröppelmann sieht seine Zukunft in Budberg. Das geht auch vielen anderen jungen Budbergern so, wie er inzwischen erfahren hat. Das Problem: Für diese Zukunftsträume gibt es im Dorf schlicht keinen Platz.

Budberg – David Dröppelmann und seine Freundin Lisa Franke wohnen zurzeit in Budberg in einer Mietwohnung. Nun möchten sie sich ihren Wunsch vom Eigenheim verwirklichen. Aber sie finden kein Bauland. Dröppelmann, der aus Büderich stammt, könnte sich noch mit einem Haus im Nachbardorf anfreunden, seine Partnerin sei aber sehr in Budberg verwurzelt. Das gehe auch den jungen Budbergern so, die sich inzwischen bei ihm gemeldet haben, weil sie den selben Wunsch haben. „Sie wollen nicht weg. Sie haben hier Familie und Freunde.“ Ein gutes Dutzend Bauwilliger hätten sich bereits an ihn gewandt, berichtet Dröppelmann, darunter auch ehemalige Budberger, die wieder in ihr Dorf zurückkehren möchten. Für Interessenten hat er inzwischen eine eigene E-Mail-Adresse eingerichtet: baueninbudberg@web.de.

Bereits im Dezember hatte Ortsvorsteher Klemens Becker Dröppelmanns Anliegen im Planungsausschuss angesprochen. Stadtplaner Ludger Pöpsel sagte damals, dass die Stadt grundsätzlich die Innenentwicklung einer Außenentwicklung vorziehe. Schwerpunkte für das Ausweisen neuen Wohnraums seien neben der Kernstadt die größeren Ortsteile Büderich und Westönnen. Punktuell sei aber auch in den kleineren Dörfern eine Entwicklung möglich. In Budberg gebe es zum Beispiel acht Baulücken, von denen zumindest bei einigen eine Bebauung möglich sei. Doch dem widerspricht Dröppelmann. „Keine dieser Baulücken steht kurzfristig zum Verkauf.“ In der Regel würden die Besitzer die Grundstücke für ihre eigenen Kinder vorhalten. Doch die jungen Paare, die sich fürs Bauen in Budberg interessieren, stünden nun mal jetzt vor dieser Grundsatz-Entscheidung, wo sie sich auf Dauer mit ihren Familien niederlassen wollen.

In Mawicke seien vor einiger Zeit neue Bauplätze ausgewiesen worden. „Warum soll das nicht auch in Budberg gehen?“, fragt Dröppelmann. Leicht gemacht werde es jungen Paaren ohnehin nicht. Auf das Baugebiet Schlesienstraße in Büderich habe er sich gar nicht erst beworben, sagt Dröppelmann. „Unverheiratet und ohne Kinder hätten wir da bei den Vergabekriterien kaum eine Chance gehabt.“

Ortsvorsteher freut sich über Engagement

Ortsvorsteher Klemens Becker freut sich über das Engagement der jungen Dorfbewohner und kann ihren Wunsch gut nachvollziehen. Er erinnert aber an den politischen Beschluss, den auch der CDU-Ratsherr einst mitgetragen hat und auf den sich der Stadtplaner bezogen hatte. Ein großes Baugebiet wie einst an der Ostvöhde werde es deshalb in Budberg so schnell nicht mehr geben. Becker sprach sich aber dafür aus, durch kleinere Abrundungen der Bebauung jungen Familien eine Chance zu geben. Das müsse auch trotz dieses Beschlusses künftig weiter möglich sein.

Ähnlich sieht das der Stadtplaner. Kleinere Abrundungen wie zuletzt am Ölkamp (siehe Infokasten) seien auch in Zukunft denkbar. Vorausgesetzt, Eigentümer stellen die entsprechenden Flächen zur Verfügung. Für eine Abrundung bedürfe es aber auch „Ecken“, die „abzurunden sind“. Das Landschaftsschutzgebiet südlich des Budberger Bachs gehöre da nicht dazu. „Das ist mit seinem Gehölzstreifen eigentlich ein Siedlungsrand wie wir ihn uns wünschen“, sagt Pöpsel. Hier hätten sich die ursprünglichen Entwicklungsziele in den vergangenen Jahrzehnten deutlich verändert. Wenn, dann seien neue Bauplätze eher im Westen und Norden von Budberg vorstellbar.

Größeres Baugebiet nicht möglich

Ein großes Baugebiet, wie es zuletzt Mitte der 1990er-Jahre an der Ostvöhde entstand, werde es in Budberg so schnell nicht mehr geben, sagt Pöpsel. Das würde allein schon an der fehlenden landesplanerischen Zustimmung scheitern. Werl müsste zunächst an anderer Stelle Allgemeine Siedlungsbereiche aus dem Regionalplan streichen lassen. So halte die Stadt sich zum Beispiel größere Flächen im Werler Süden („Werl-Süd III und IV“) als Baulandreserve vor. Reserven nicht nutzen, aber gleichzeitig große Flächen zu Bauland umwidmen – das werde nicht akzeptiert, so Pöpsel.

Die Konzentration auf die größeren Ortsteile habe außerdem ihren Sinn darin, dass die Stadt die dortige Infrastruktur, etwa Schulen und Kindergärten, langfristig erhalten möchte.

Architekt appelliert an die Stadt und erinnert an früheren Plan

Unterstützung erhält David Dröppelmann auch von Architekt Karl-Heinz Wimmeler. Der wohnt nur einen Steinwurf von Dröppelmann und seiner Partnerin entfernt und hat das vorerst letzte kleine Baugebiet in Budberg südlich des Ölkamps entwickelt. Sechs Häuser sind dort in den zurückliegenden zehn Jahren entstanden. „Als Großvater von sechs hier geborenen Enkelkindern“ will er die Aussagen der Stadtverwaltung „zur Zukunft unseres Dorfes nicht akzeptieren“. „Gemeinsam mit der Stadt Werl müssen wir nach Lösungen suchen, wenn es auch schwierig wird“, schreibt er in einem Brief an die Stadtverwaltung, den er gleich auch an den Regierungspräsidenten adressiert hat.

Der Entwicklung von Budberg seien Grenzen gesetzt, räumt Wimmeler ein. Er verweist auf Autobahn beziehungsweise die B63 und die zwei Bauernhöfe ohne Baulandausweisung im Norden. Im Westen führe eine große Stromtrasse vorbei, im Süden grenze der Ort an ein Landschaftsschutzgebiet. Dabei sei eine Erweiterung Richtung Süden von der Stadt vor einigen Jahrzehnten durchaus angedacht gewesen. „Bei der Bebauung des Resthofes Junker in der Ortsmitte vor vielen Jahren gab es vom Planungsamt der Stadt die Auflage, als Zufahrt für die zukünftige Erweiterung des Ortes, die Tiggestraße, von 3,50 Meter auf circa 8 Meter Breite auszubauen. Die Fläche für die Verbreiterung der Straße, jetzt im Eigentum der Stadt Werl, liegt seitdem ungenutzt.“

Gibt es noch Chancen?

Wimmeler fragt: „Wird unser Dorf Budberg nun für alle Zeiten in die bestehenden bisherigen Grenzen verwiesen? Oder gibt es an den Ortsrändern oder durch eine Verlagerung des Landschaftsschutzgebietes noch Chancen für die jungen Budberger, sich hier anzusiedeln?“ Auf das Freiwerden beziehungsweise den Verkauf von Bestandsgebäuden könnten Bauwillige nicht warten. Davon würden zu wenige angeboten.

„Selbst der mit 250 Einwohnern kleine Ort Oberense bekommt nun ein neues Baugebiet mit sechs Grundstücken“, schreibt Wimmeler. „In Echthausen wird in Kürze ein Baugebiet mit 71 Grundstücken erschlossen. Weitere Baugebiete mit hunderten von Grundstücken entstehen in unserer nahen Umgebung im Altkreis Soest– und alle sind schnellstens vergeben. Warum ist es für Budberg nicht möglich, ein oder zwei neue Baubereiche zu schaffen? Im Interesse der vielen Bauwilligen aus Budberg bittet Wimmeler Bürgermeister Torben Höbrink, „den jungen Menschen den Verbleib in ihrer Heimat zu ermöglichen“.

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