Metallindustrie hat schwer zu kämpfen

22 Betriebe in der Region setzen auf Kurzarbeit

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Die Metallindustrie in Werl, Wickede und Ense hat schwer zu kämpfen.

Werl/Wickede/Ense – 22 Firmen in Werl, Wickede und Ense setzen auf das Instrument Kurzarbeit, um Auftragsrückgänge zu überbrücken und nicht Arbeitnehmer entlassen zu müssen.

Darunter sind auch einige größere Betriebe, bestätigt Jürgen Sumpmann, Geschäftsstellenleiter des Arbeitsagentur-Bezirks Werl, zu dem Wickede und Ense gehören. 

Von Kurzarbeit betroffen sei in erster Linie die Metallindustrie, speziell der Bereich Automotive. Denn die deutsche Wirtschaft hat mit Exportrückgängen in den britischen, aber auch den US-Markt zu kämpfen. Das schlägt auf die heimische Wirtschaft durch, auch und gerade auf die Zulieferbetriebe für die Autoindustrie. Die gesamte Branche steht vor gewaltigen Veränderungen auch durch den Technologiewandel. 

"Oft nur Vorsichtsmaßnahme"

Mehrere hundert Mitarbeiter in den 22 Betrieben sind betroffen; allerdings heißt eine Anmeldung zu Kurzarbeit nicht zwangsläufig, dass sie auch umgesetzt wird. „Oft ist das nur eine Vorsichtsmaßnahme“, sagt Sumpmann. Vor allem aber bedeutet es eins: Die Firmen wollen nicht entlassen, sondern Aufgangsrückgänge abfedern. Durch die Zahlung von Kurzarbeitergeld entlastet die Arbeitsagentur die Firmen bei der Lohnzahlung. Unternehmen bezahlen Arbeitnehmern, die durch Auftragsrückgänge nicht mehr voll beschäftigt werden können, nur die geleisteten Stunden. Die ausgefallenen Stunden übernimmt die Arbeitsagentur. 

Nur für einige Monate

Kurzarbeit kann aber nur für einige Monate zur Überbrückung angemeldet werden. Firmen können das machen, sobald es zehn Prozent Rückgang in der Beschäftigung gibt. 

Die Lage am heimischen Arbeitsmarkt hat sich verschlechtert. Dabei spielte auch der Niedergang von Kettler eine große Rolle.

Erste Anzeichen, dass es wirtschaftlich nicht mehr so rosig aussieht, sind aber auch das Zurückfahren von Zeitarbeit. Dennoch bezeichnet Jürgen Sumpmann den heimischen Arbeitsmarkt noch immer „auf jeden Fall“ als robust genug; eine vergleichbar schwere Krise wie 2009 „sehe ich überhaupt nicht“, sagt der Fachmann. Natürlich könne man das zwar auch nicht ausschließen, aber dazu bedürfe es einer gravierenden globalen Problematik. 

Dass sich die Lage am Arbeitsmarkt im Bezirk Werl „insgesamt verschlechtert“ hat, sei gleichwohl nicht wegzudiskutieren. Dabei spielte auch der Niedergang von Kettler eine große Rolle. „Kettler ist auf uns eingeprasselt“, sagt Jürgen Sumpmann. Aber auch darüber hinaus gibt es Probleme am heimischen Arbeitsmarkt. So ist der Fachkräftemangel gerade in den Bereichen Pflege/Ges-undheit und auch im Handwerk greifbar, am stärksten in den Sparten Heizung/Sanitär und Elektro. „Wir merken das, wenn Stellen über einen längeren Zeitraum nicht besetzt werden können.“ 

Umschulungen machen auch bei Älteren Sinn

Durch Qualifizierungen und Umschulungen versucht die Arbeitsagentur, Menschen fit zu machen für die Jobs; aber das bringe keine Soforterfolge. Natürlich mache es aber auch Sinn, ältere Arbeitnehmer noch umzuschulen. „Viele denken, das hat keinen Zweck“, sagt der Geschäftsstellenleiter. „Aber dem würde ich widersprechen.“ Manchmal ist Überzeugungsarbeit nötig. 

Im Handwerk- und Pflegebereich droht aber auch durch die demografische Entwicklung eine Verschärfung des Fachkräftemangels, liegt hier das Durchschnittsalter doch jenseits der 50 Jahre. Es stehe also viele Abgänge bevor. Ein Zeichen der Verschlechterung am Arbeitsmarkt ist auch der Rückgang offener Stellen, vor allem zusammenhängend mit sinkender Nachfrage aus dem Industrie- und Zeitarbeitsbereich. Schwerpunktmäßig schlage das bei den Helferstellen, sprich Jobs für ungelernte Kräfte, durch.

So steht es um die Ex-Kettler-Mitarbeiter

Mit genauen Zahlen, wie viele ehemalige Beschäftigte von Kettler einen neuen Job gefunden haben, tut sich dei Arbeitsagentur schwer. Denn nicht alle sind bei der heimischen Agentur gemeldet, es gab auch Arbeitnehmer zum Beispiel aus Unna oder Hamm. Zudem hat sich nicht jeder, der den Job bei Kettler verlor, arbeitslos gemeldet, wenn er schon einen Anschluss-Job gefunden hatte. Außerdem wird noch ausproduziert, noch bis Ende März laufen Arbeiten in den Werken, wenn auch mit weiter reduzierter Mannschaft. 

Und auch Krankmeldungen erschweren eine konkrete Aussage. Man gehe aber davon aus, dass sich mittlerweile rund 25 Prozent und damit über 100 ehemals bei Kettler beschäftigte Arbeitnehmer wieder aus der Arbeitslosigkeit abgemeldet haben, sagt Jürgen Sumpmann.

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