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Besuche in der JVA: „Auch Inhaftierte brauchen Menschen, die an sie glauben“

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Auch im Werler Gefängnis gelten Corona-Regeln.
Besuche im Werler Gefängnis sind normal - aber nicht ehrenamtliche. © Robert Szkudlarek/Digitalbild

Gefangene besuchen, Hungrige speisen, Nackte bekleiden – diese guten Taten gehören zu den „7 Werken der Barmherzigkeit“, denen sich die ehrenamtlich tätigen Caritas-Konferenzen im Erzbistum Paderborn besonders verpflichtet fühlen. Was das konkret bedeutet, zeigen die Caritas-Konferenzen in der Fastenzeit auf ihrer Internetseite www.ckd-paderborn.de.Etwa am Beispiel von Ulrich Dargen, der seit acht Jahren regelmäßig Gefangene besucht.

Werl/Paderborn – „Auch Inhaftierte brauchen Menschen, die an sie glauben und ihnen zur Seite stehen“, ist er überzeugt. „Sonst haben sie einfach keine Chance.“ Nach der Entlassung würden sie sonst ganz schnell wieder in die falschen Kreise geraten. „Dann wiederholt sich die Geschichte.“

Zu seinem ehrenamtlichen Einsatz in der Justizvollzugsanstalt (JVA) Werl kam Ulrich Dargen, als er 2013 einen Aufruf des Caritasverbandes Soest las, Menschen im Gefängnis zu besuchen. „Das hat mich direkt angesprochen.“ Nach einer mehrere Abende dauernden Schulung wurde ihm ein Gefangener zugewiesen, den er von nun an regelmäßig besuchte. Mittlerweile hat er schon einige Häftlinge betreut, bis diese jeweils verlegt oder entlassen wurden.

Bevor er „seinen“ Gefangenen besuchen kann, muss ein Termin ausgemacht werden. 45 Minuten vorher ist Ulrich Dargen am Eingang der JVA, wartet zunächst in einem Besucherraum, bis er von den Beamten aufgerufen und abgetastet wird. Erst in einem zweiten Raum kann er ein Mitbringsel einkaufen, eine Flasche Cola oder einen Riegel Schokolade. Dann führt ihn ein JVA-Beamter in ein Besuchszimmer, in dem er alleine mit seinem Inhaftierten sprechen kann.

Der Gefangene, für den er aktuell zuständig ist, wird in zwei Jahren entlassen. Schon heute spricht Ulrich Dargen regelmäßig mit ihm über seine Zukunft in Freiheit. Dann möchte er ihn weiter unterstützen und ihm helfen, eine Wohnung und einen Job zu finden. „Es ist fast wie eine Freundschaft geworden“, erzählt Ulrich Dargen. Im Gefängnis könne eine Freundschaft Halt und Hoffnung geben – vor allem, wenn, wie im Fall „seines“ Gefangenen, niemand sonst zu Besuch komme. Zum Geburtstag und zu Weihnachten schicken sich die beiden gegenseitig Karten, sie unterhalten sich über die Familie, über ihre Sorgen und die Zukunft. Aber auch die kriminelle Vergangenheit ist bei allen Inhaftierten ein großes Thema. „Am Anfang ist es das dominierende Thema“, sagt Ulrich Dargen. Unter den Gefangenen mache es schon einen Unterschied, ob jemand wegen Betrugs oder wegen pädophiler Taten einsitze.

Alle drei Monate treffen sich die ehrenamtlichen Betreuer von Gefangenen mit Beamten aus der Justizvollzugsanstalt, eine Gemeinschaft, die Ulrich Dargen schätzt. Dann werden die Betreuer über Neuerungen im Gefängnis informiert oder bekommen einen neuen Trakt gezeigt. Vor allem aber können sie sich austauschen und über Probleme oder Bedenken sprechen. Seine Besuche im Gefängnis erlebt Ulrich Dargen auch selbst als große Bereicherung. Denn: „Bisher hat sich noch jeder über meinen Besuch gefreut.“

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