Werler (28) vor Gericht

Obszöne Beschimpfungen an Werler Kiosk: Teures „Augenblickversagen“

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Werl - Nein, das war nicht nett, was der 28-jährige Werler da dem Mitarbeiter eines Werler Kiosks an den Kopf geworfen haben soll. Im tatsächlichen Wortlaut lassen sich die Beleidigungen an dieser Stelle nicht wiedergeben.

Diese hatte er am 4. Dezember deftig formuliert, was ihn gestern vors Werler Strafgericht brachte. Dort traf er wieder auf den Gescholtenen. Der trat als Zeuge und Nebenkläger auf, denn er fühlte sich seiner Ehre so gekränkt, dass er meinte, diese könne nur durch Zahlung eines Schmerzensgelds in Höhe von 700 Euro wieder hergestellt werden.

Dem erteilte die Richterin eine klare Absage, denn im Falle von Beleidigungen muss es schon noch deutlich heftiger zugehen. Außerdem muss die Beleidigung in einem großen öffentlichen Raum stattfinden.

Streit um Schnaps-Preis

Letztere Voraussetzung sah der Mitarbeiter mit dem Tatort – einem Kiosk – erfüllt. Er will das Geld daher auf zivilrechtlichem Weg einklagen, außerdem pocht er auf die Zahlung von 100 Euro, mit denen laut ausgehängter Hausordnung Verstöße gegen selbige geahndet werden.

Was war geschehen? Letztlich drehte sich alles um 2 Euro. Der Angeklagte habe ein Flasche Schnaps kaufen wollen und sich über den Preis aufgeregt. Der Mitarbeiter habe festgestellt, sie sei ja „so billig wie im Rewe“ und den Preis daraufhin um 2 Euro erhöht, bis der Kunde wenig später ein zweites Mal aufkreuzte.

Stammkunde beschimpft Kiosk-Angestellten

Der Angestellte erklärte dies als Irrtum: „Er hatte statt des normales Korns eine Flasche Doppelkorn in der Hand, der kostet in der Tat 2 Euro mehr.“ Darüber soll sich der Kunde, „der bis dahin Stammkunde war und sich immer respektabel verhalten hat“, derart aufgeregt haben, dass er aus der Rolle gefallen sei und ihn sowie einen weiteren Kunden obszön beschimpft habe.

Der Kunde bestätigte die tief unter die Gürtellinie zielende Wortwahl. Das Video der Überwachungskamera dagegen glänzte zwar nicht eben durch kinoreifen Dolby-Surround-Sound, aber man konnte offenbar das aggressive Auftreten des Angeklagten gut erkennen.

"Augenblickversagen" wird teuer

Der beteuerte bis zum Schluss, nichts Derartiges geäußert zu haben: „Ich wünschte, ich hätte diese Worte gewählt. Habe ich aber nicht.“ Vielmehr habe der Mann hinter der Theke zuerst ihn beschimpft, ihn „asozial“ genannt, zumal habe der schon in der Vergangenheit dauernd schlüpfrige Anspielungen gemacht und seine Freundin angebaggert.

Das Gericht hatte jedoch keine Zweifel an den Aussagen des Verkäufers sowie des anderen Kunden. Es verdonnerte den Angeklagten, der schon einmal wegen Beleidigung verurteilt worden war, für sein mutmaßliches „Augenblickversagen“ zu 60 Tagesätzen à 30 Euro sowie der Zahlung der Verfahrenkosten.

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