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Belvona: Frust der Mieter wächst

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Von: Dominik Maaß

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Vor dem Hochhaus an der Droste-Hülshoff-Straße stapelt sich der Müll, drinnen sind die Heizungen immer noch außer Betrieb.
Vor dem Hochhaus an der Droste-Hülshoff-Straße stapelt sich der Müll, drinnen sind die Heizungen immer noch außer Betrieb. © Dominik Maaß

Neues Jahr, alte Probleme: So lässt sich die Lage in der Melsterberg-Siedlung zusammenfassen. Zahlreiche Mieter warten weiter darauf, dass Missstände in ihren Wohnungen und den Mehrfamilienhäusern abgestellt werden. Der Frust wächst.

Werl – Die Heizungen im Hochhaus an der Droste-Hülshoff-Straße sind immer noch defekt. 15 Mietparteien sind laut Belvona betroffen. Mitte Dezember versprach die Wohnungsverwaltung eine „zeitnahe“ Reparatur.

Dabei funktioniert die Heizungsanlage laut Mietern schon seit Monaten nicht mehr. Belvona stellte ihnen in Aussicht, die Kosten für Elektroheizungen zu übernehmen. Das war laut den Betroffenen aber auch die einzige Mitteilung, die sie in dieser Angelegenheit bislang erreichte.

Das Vertrauen haben viele längst verloren

Das Vertrauen in Belvona haben viele längst verloren: „Wie soll das weitergehen? Wer bezahlt am Ende die hohe Stromrechnung?“, fragt sich ein Mieter, der sich inzwischen schon die zweite Elektroheizung angeschafft hat. Dadurch, dass er schon so lange nicht vernünftig heizen kann, habe er zudem ein zunehmendes Problem mit Schimmel in seiner Wohnung. Damit steht er nicht alleine da.

Im Erdgeschoss des Hochhauses steht die Tür zu einer unvermieteten Wohnung einfach offen. Auch dort ist Schimmel an den Wänden zu sehen. Im Wendehammer vor dem Hochhaus fallen überquellende Müllcontainer ins Auge. Rund herum sammelt sich immer mehr Sperrmüll an, samt einem Stapel Autoreifen.

Direkt dahinter steht das Haltestellen-Schild des „Belli-Mobil“ auf dem Belvona für seine „Zufriedenheitsgarantie“ und regelmäßige Mietersprechstunden wirbt. Doch die gibt es schon lange nicht mehr. Laut einer Belvona-Sprecherin wurde sie nur selten frequentiert und deshalb eingestellt.

Nicht nur ein Werler Problem

Der Mieterverein Dortmund nennt den Umgang von Belvona mit den Mietern einen „Skandal“. Die Stadt Werl spricht von „eklatanten Mietmängeln“ und hat das Unternehmen inzwischen mit Anordnungsbescheiden dazu aufgefordert, diese abzustellen. Doch über defekte Heizungen, kaputte Fenster, Schimmel, unsachgemäße und nicht abgeschlossene Reparaturen berichten nicht nur Werler, sondern auch Belvona-Mieter aus vielen anderen Kommunen wie Dortmund, Herne und Lemgo. Die NRW-Landesregierung hat angekündigt, die Kommunen bei der Bewältigung der Probleme zu unterstützen.

Was „zeitnah“ bei Belvona bedeutet, erfahren seit Mitte Oktober auch mehrere Bewohner eines anderen Mehrfamilienhauses an der Droste-Hülshoff-Straße. Nach einem Wasserschaden kommt bei ihnen in Küche und Gäste-Toilette kein Wasser mehr aus dem Hahn. Die Mieter versuchten wochenlang vergeblich Belvona zu erreichen.

Seit Mitte Oktober kommt kein Wasser aus dem Hahn

Das Unternehmen reagierte erst auf Anfrage unserer Redaktion, stellte eine Reparatur in Aussicht. Passiert ist bislang nichts. Auf eine persönliche Kontaktaufnahme durch ihre Wohnungsverwaltung warten die Mieter bis heute vergeblich. Einzig wegen der ebenfalls schon lange defekten Wohnungstür habe sich der Hausmeister-Service kurz gemeldet, berichtet eine Mieterin. Doch auch hier steht die Reparatur aus.

Und immer wieder kommen neue Beschwerden hinzu: So berichten mehrere Mieter, dass sie während der Frostperiode im Dezember selbst zum Streusalz greifen mussten, weil der Winterdienst nicht funktionierte. Auch die Flure würden nur unzureichend gereinigt.

Was die Belvona verspricht, sieht in der Realität oft anders aus. Unbekannte haben ihrem Frust auf einer Werbetafel freien Lauf gelassen und dem Unternehmen eine neue E-Mail-Adresse verpasst.
Was die Belvona verspricht, sieht in der Realität oft anders aus. Unbekannte haben ihrem Frust auf einer Werbetafel freien Lauf gelassen und dem Unternehmen eine neue E-Mail-Adresse verpasst. © Dominik Maaß

Wie groß der Frust der Mieter inzwischen geworden ist, lässt sich auf einer Werbetafel in der Siedlung erkennen. Dort haben Unbekannte die Werbebotschaft „Luxus bezahlbar – Belvona – schöner wohnen“ mit einer fiktiven E-Mail-Adresse übersprüht: „Lügen!@belvona.de“.

Einfach umziehen - das ist für viele keine Option

Mehrere Mieter überlegen inzwischen, sich zusammenzuschließen, einen Anwalt zu nehmen und das Unternehmen zu verklagen. Denn Umziehen ist für viele keine Option. Bezahlbarer Wohnraum ist knapp, gerade für größere Familien. Und wer angibt, wo er bislang wohnt, vergrößert seine Chancen bei anderen Vermietern nicht gerade.

Die Versuche, Kontakt zu Belvona aufzunehmen, haben viele inzwischen aufgegeben. Manchen bleibt nur blanker Sarkasmus: „Da haben sie bessere Chancen, wenn sie mit Putin über Frieden verhandeln wollen.“

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