Zwei Seiten einer Abholzung

Baumfällungen am Fußballplatz in der Kritik

Bäume wurden am Preußenplatz in Werl gefällt
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Die Baumfällungen am Preußenplatz in Werl sorgen für Unmut.

„Die Baumfällungen am Preußen-Stadion waren schon seit ein paar Jahren geplant“, so Kathrin Lutter, Leiterin der Bauhöfe des städtischen Kommunalbetriebs (KBW). Die Abholzungen aber sorgen jetzt auch für Kritik.

Werl - „Da haben die ja mächtig abgeholzt“, stellt der Spaziergänger fest. „Ob das nötig war?“ Nicht nur dem Passanten, der mit seinem Hund gerade am Preußen-Sportplatz im Sportpark Höppe vorbeikommt, ist die recht umfangreiche Baumfällaktion aufgefallen.

„Bei einer meiner Radtouren in und um Werl herum habe ich zu meinem Bedauern festgestellt, das Donnerstag am Preußen-Stadion über 30 Bäume gefällt wurden“, meldet sich jetzt auch ein Leser in der Anzeiger-Redaktion. Die Baumstämme hätten, mit seinem „Laienverständnis“ betrachtet, doch noch gesund ausgesehen.

Mitarbeiter des Baubetriebshofs, die er nach dem Grund der umfangreichen Maßnahme fragte, hätten ihm von einem neuen Ballfangzaun berichtet, den der Verein aufbauen möchte. „Da würden die Bäume stören. Die Äste hingen zu weit nach hinten. Da frage ich mich jetzt natürlich, ob es gerechtfertigt ist, für ein neues Fangnetz an einem Fußballplatz über 30 Bäume zu fällen“, kritisiert der Leser.

Patrick Timm meint ja. Der Abteilungsleiter der Fußballer von Preußen TV Werl spricht zum einen von Sicherheitsgründen. Eben manche jener überhängenden Ästen seien im Herbst bereits abgebrochen. „Und damit auch gefährlich für Passanten“, so Timm. Ebenso für Spieler, denn der Torbereich liegt ebenfalls in Zaunnähe. Die Bäume seien etwa 30 Jahre alt gewesen, zum Teil morsch und im Laufe der Zeit mit dem Altzaun fest verwachsen. Dabei hatte der Bewuchs dort eigentlich nicht höher als zwei, drei Meter werden sollen. Die Natur allerdings hat dann im Laufe der Zeit andere Maßstäbe gesetzt.

„Gab es da keine andere Lösung, zum Beispiel das neue Netz (den Zaun) einfach etwas zurücksetzen, sodass die Bäume hätten stehen bleiben können?“, fragte sich der Leser ebenfalls. Patrick Timms Antwort lautet in diesem Fall: Nein. Direkt hinter dem Zaun befinde sich ein Rettungsweg. Der wäre dann einfach zu schmal geworden und damit nicht mehr vorschriftsmäßig. Viel zu aufwendig außerdem, nur die störenden Äste zu beseitigen, „um in zwei Jahren dann erneut Probleme zu haben“. Patrick Timm hofft daher auf Verständnis für die Maßnahme, die aus Lesersicht „ein radikaler Kahlschlag“ ist, der nicht in die heutige Zeit passe angesichts des Klimawandels.

„Ich hoffe, der Verein Preußen TV Werl spendet wenigstens ein paar neue Bäume,“ hofft der Leser. Auch hier lautet die klare Antwort des Abteilungsleiters: „Aber sicher.“ Wie er erläutert, wird in den kommenden Wochen zunächst der rund 40 Meter lange neue Ballfangzaun montiert – „aus vernünftigem Material“, das lange halten soll. Einen wohl fünfstelligen Betrag werden Verein und Stadt dort investieren. Später soll auch das neue Grün gepflanzt werden. „Und solange ist Fußballgucken eben umsonst“, nennt Timm mit einem Augenzwinkern auch einen Vorteil dieser Fällaktion.

Kathrin Lutter vom KBW ergänzt: „Gehölzpflegemaßnahmen erschrecken manchmal, da die optische Veränderung im gewohnten Bild jedem Laien auffällt. Stärkere Maßnahmen, wie die am Preußen-Stadion, führen wir nicht ohne triftigen Grund durch. Das Entfernen an dieser Stelle hatte sogar mehrere Gründe: Neben der Erneuerung des stark abgängigen Ballfangzauns galt es, eine der vielen dunklen Ecken des Sportparks zu erhellen. Des Weiteren ist der vorhandene Grünstreifen für die Bäume langfristig viel zu klein.“

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