10 000 Solarmodule geplant

Autobahn 44 im Werler Süden als "Sonnenallee"

Vor einigen Jahren wurde der Lärmschutzwall an der A 44 in mehreren Bauabschnitten aufgeschüttet, um den Süden vor Lärm der Autobahn zu schützen. Nun soll er mit rund 1 000 Sonnen-Modulen bestückt werden – so wie hier in Niederbayern.

Werl - Wenn schon auf der A 44 der Verkehr ständig stockt, soll zumindest der Strom in Massen fließen: Der Lärmschutzwall an der Autobahn im Werler Süden soll komplett mit Solarmodulen bedeckt werden. Die A 44 wird in diesem Bereich zur „Sonnenallee“.

Zumindest sehen das Pläne vor, über die der Planungsausschuss am kommenden Dienstag (30. April, 18 Uhr im Rathaus) beraten wird. Denn für das Vorhaben müssen der Flächennutzungsplan und der Bebauungsplan geändert werden.

Kommt die Idee zur Umsetzung, dann schluckt der Lärmschutzwall künftig auf einem Kilometer Länge nicht nur den Lärm der Autobahn, sondern an der südlichen, der Autobahn zugewandten Seite, auch das Sonnenlicht. Ausgesucht ist der Abschnitt zwischen Wickeder Straße und Blumenthaler Weg. 

Das will die Stadt 

Die Stadt Werl wolle „einen Beitrag zum erforderlichen Ausbau erneuerbarer Energien leisten“ und daher die planungsrechtlichen Grundlagen zum Bau schaffen. Der Gesetzgeber bevorzuge den Bau solcher Solarmodul-Parks entlang von Autobahnen und Schienenwegen, wenn sie nicht mehr als 110 Meter vom Verkehrsweg entfernt sind. Das passe bei der Planung an der A 44. Und auch der Landesbetrieb Straßen NRW habe signalisiert, dass Photovoltaik an der Werler Autobahn grundsätzlich genehmigungsfähig sei. Der Lärmschutzwall nördlich der A 44 gehört der Stadt. Sie plant Nutzungsverträge mit den Projektbeteiligten. 

Die Natur-Aspekte

 Zwar schließt südlich der A 44 das europäische „Vogelschutzgebiet Hellwegbörde“ an. Die Verwaltung geht nach einer ersten Einschätzung aber nicht davon aus, „dass artenschutzrechtliche Aspekte erheblich berührt werden“. Es gebe bereits eine Machbarkeitsstudie, die die Realisierbarkeit bestätige. Es muss aber noch eine Umweltprüfung folgen. 

Blend-Gutachten 

Zudem gehen die Planer davon aus, dass es keine Blendwirkung durch die Solarmodule auf den Verkehr gibt. Dazu müsse es aber noch ein Gutachten geben. Zur Verhinderung von Lichtreflexionen sollen „blendfreie Solarmodule mit einer besonderen Glasstruktur eingesetzt werden“, kündigen die Beteiligten an. 

Darüber hinaus sind Auswirkungen des Schalls, den die Platten weitergeben können, zu prüfen. Die auf Stahlsstreben befestigten Module seien allerdings nicht auf die Wohnbebauung im Werler Süden ausgerichtet und daher von dort aus auch nicht zu sehen. 

Ideale Hanglage 

Der geneigte Hang der Lärmschutzwälle biete „nahezu ideale Voraussetzungen für eine weitestgehend hangparallele Installation von Photovoltaikmodulen“, sagen die Projektplaner. Der kaum bewachsene Hang müsse allerdings regelmäßig gemäht werden, damit die Solarplatten nicht zuwachsen. Der gesamte Solarpark soll eingezäunt werden, für Tiere aber durchlässig sein. 

10 000 Module 

Markus Burghardt ist Geschäftsführer der Weidbusch GmbH. Man werde rund 10 000 Solarmodule verbauen, kündigte er am Dienstag auf Anfrage an. Wie viel Geld die Projektbeteiligten investieren müssen, steht aber noch nicht fest, zumal die Preise im Solarbereich derzeit nicht stabil sind. Man gehe aber sicher von einer Investition im Jenseits der Millionengrenze aus. 

Grünes Licht für Solar-Energie in Waltringen

Nun hoffe man, dass dem Vorhaben nichts entgegensteht. „Aber wo, wenn nicht an einer solchen Stelle, sollt e man das sonst machen können?“ Schließlich besteht die Autobahn mit allen optischen Einschränkungen bereits. Das Solarfeld könne da nur positiv wirken. Für die Weidbusch GmbH ist Solarenergie nur ein Aufgabenfeld. Unter anderem beschäftigt sich das Unternehmen auch mit Windkraftanlagen.

Die Leistung

Entstehen sollen auf drei Wall-Abschnitten drei voneinander unabhängige Photovoltaik-Anlagen mit jeweils 750 kW Leistung. Am Standort sei mit einer durchschnittlichen jährlichen Einstrahlung zu rechnen, die einen Stromertrag von rund 950 kWh/kWp ermöglicht, rechnen die Betreiber vor. Somit ergebe sich ein vorhergesagter Jahresertrag von rund 2,85 Millionen kW/h an den drei Anlagen. „Das entspricht einem Strombedarf von etwa 810 Zwei-Personenhaushalten“ und einer jährlichen CO2-Einsparung von 1 600 Tonnen.

Alle Beteiligten aus Werl

Zu der Werler Projektgruppe „PV Werl-Süd“ gehören drei Partner: Die Stadtwerke Werl sind an dem Vorhaben ebenso beteiligt wie die Weidbusch GmbH und die Bewing GmbH. Weil alle drei Partner aus Werl sind, verblieben auch die Gewerbesteuereinnahmen aus dem Betrieb der Anlage „vollständig in Werl“, versprechen die Beteiligten. Man hoffe, die Anlage 2020 bauen zu können. „Als zentraler Baustein der bundespolitisch eingeleiteten Energiewende soll der Anteil der erneuerbaren Energien am Stromverbrauch bis zu 60 Prozent im Jahr 2035 steigen. Bis 2050 soll der Anteil bei mindestens 80 Prozent liegen“, so heißt es in der Vorlage zur Begründung des Baus der Photovoltaikanlage.

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