Grüne zweifeln:

Aufregung um geplanten "Bioland"-Betrieb bei Holtum

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Heute noch Acker, bald schon Bioland-Betrieb? Entlang des Futterwegs soll in Richtung Holtum gebaut werden.

Holtum - Es soll „Ackerbau“ im wahrsten Wortsinn sein – und sorgt gerade deswegen für Aufregung: Ein „Bioland“-Betrieb will auf einem Feld bei Holtum einen Verarbeitungsbetrieb errichten.

Die Stadt hält das Vorhaben für zulässig – aber die Politik hat Informationsbedarf angemeldet. Vor allem die Grünen zweifeln. 

Im Werler Rathaus liege eine Bauvoranfrage vor, bestätigte Stadtplaner Ludger Pöpsel gestern auf Anzeiger-Anfrage. Demnach soll auf einem rund 90 000 Quadratmeter großen Areal der Betrieb in mehreren Bauabschnitten errichtet werden – mit Kühlhaus, Abpackhalle, Getreidelager, Maschinenhalle, Abholhalle und Wohnhaus. Die ausgesuchte Fläche liegt angrenzend an das nördlicheste Lager des Möbelhauses Turflon im Bereich Futterweg und Wirtschaftsweg „In der Spaule“.

Stadtplaner: "Verträgliches Vorhaben"

Die Stadt halte das Vorhaben für „verträglich“, betont Ludger Pöpsel. Der Flächennutzungsplan weist das Areal als landwirtschaftliche Fläche aus – und die Verwaltung wertet den Bauherren als landwirtschaftlichen Betrieb. Außerdem grenze das Land unmittelbar an Gewerbeflächen und befinde sich nicht in absolut freier Landschaft. 

Entlang des Futterwegs soll der Betrieb entstehen.

All das habe man die Politik in nicht-öffentlicher Sitzung in einer mündlichen Mitteilung auch wissen lassen – verbunden mit dem Zusatz, dass dann der Wirtschaftsweg, der auf den Prozessionsweg führt, ausgebaut werden muss. „Denn so, wie er derzeit ist, reicht das nicht.“ Dazu bedürfe es eines Erschließungsvertrags mit dem Investor. Die Haupterschließung solle über den Prozessionsweg laufen. 

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Einfach durchwinken wollte die Politik die Planungen aber nicht. Vielmehr meldete sie Informationsbedarf an. Nun soll es eine ausführlichere Mitteilung im Planungsausschuss am 12. Februar geben. Auch gibt es zumindest Bedenken, dass es zu mehr Verkehr in Holtum kommen könne. 

Der Bioland-Betrieb will Gemüse aus eigener Produktion verarbeiten und versandfertig machen. Die Einschätzung der Stadt, dass der Bau zulässig ist, werde von der Landwirtschaftskammer geteilt, sagt Ludger Pöpsel. Auch die werte den Betreiber als „landwirtschaftlichen Betrieb“.

Kritik der Grünen

Die Ratsfraktion der Grünen übt heftige Kritik an den Planungen des Bioland-Betriebs. Das Bauvorhaben werde „fälschlicherweise“ als landwirtschaftlicher Betrieb oder Hofstelle ausgewiesen. Aber: „Das Vorhaben unter dem Begriff Hofstelle zu ermöglichen, verschleiert den industriellen Charakter des Betriebes.“ Der Bioland-Betrieb erscheine eher wie ein Lebensmittelgroßhandel, das verstoße gegen den Landesentwicklungsplan NRW und den Flächennutzungsplan der Stadt Werl. 

Die Verwaltung habe bei der kurzen nicht-öffentlichen Vorstellung „mehr Fragen als Antworten über die Folgen und die rechtliche Korrektheit der Ansiedlung hinterlassen“, so Thomas Schulte in einer Stellungnahme. Es sei „brisant“, dass auf einer landwirtschaftlichen Fläche ein Industriebetrieb/Warenumschlaglager entstehen solle; „das ist nicht zulässig“. Die Folgen für Anwohner, Verkehr, Umwelt seien vollkommen unklar. Es gebe keine Zahlen über Anzahl der täglichen Lkw oder die Entwicklung der Anlage. Das Gebiet werde nur zu 25 Prozent bebaut. „Was, wenn das ganze Grundstück genutzt wird?

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Man sei nicht gegen Industrieansiedlungen, „erst recht nicht wenn sie aus dem ‘Bio’ Bereich kommen.“ Diese Ansiedlung sehen die Grünen allerdings „in ihren Folgen für Bürger und Umwelt kritisch“. Man hoffe auf mehr Klarheit durch den Antrag an den Planungsausschuss, das „Bauvorhaben Biolandbau“ dort als Tagesordnungspunkt zu behandeln. Man wolle Auskunft über Einklang mit dem Flächennutzungs- und dem Landesentwicklungsplan, über Lieferverkehr, Frequenzen und Zeiten, Arbeitsplätze, Emissionsbelastungen, Wegbelastungen sowie die geplante zukünftige Entwicklung des Biolandbetriebes.

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