Arzt unter Verdacht

JVA Werl: Bausch-Nachfolger suspendiert

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Seine Stelle bleibt nach Vorwürfen gegen den auserkorenen Nachfolger zunächst unbesetzt: Joe Bausch, prominenter Knast-Arzt, war im November in Pension gegangen.

Werl - Ein in der JVA Werl mit einer Nebentätigkeit beschäftigter Mediziner ist vom Dienst suspendiert worden. Der Mann sollte eigentlich die Nachfolge von Knastarzt Joe Bausch antreten. Das ist nun aber zunächst hinfällig. Die Staatsanwaltschaft ermittelt.

Es habe einen Versetzungsbewerber gegeben, der die Stelle in Werl habe antreten wollen, dann aber vom Dienst freigestellt worden ist, bestätigt Dr. Marcus Strunk, Sprecher der Landesjustizvollzugsdirektion, auf Anfrage unserer Redaktion. 

Der Bewerber sei in einer anderen Behörde tätig gewesen. Nach Anzeiger-Informationen handelt es sich bei dem Mann um den suspendierten Arzt der Abschiebehaftanstalt Büren. Strunk sagt nur so viel: „Die Situation in Werl hat sich anders entwickelt als vorgesehen.“ Gegen den Bürener Anstaltsarzt gibt es Vorwürfe, dass er das Schmerzmittel „Tramadol“ bestellt und weiter verkauft haben soll. 

In der Justizvollzugsanstalt Werl hatte der Arzt seit 2017 eine Nebentätigkeit als Vertragsarzt. Acht Stunden in der Woche war er hinter den Anstaltsmauern unterstützend beschäftigt. Aber auch diese Nebentätigkeit ist nun von der Bezirksregierung Detmold als Reaktion auf die Vorwürfe ausgesetzt worden. 

JVA überrascht

Die JVA Werl ist von der Entwicklung überrascht worden sagt der stellvertretende Anstaltsleiter Dr. Jörg-Uwe Schäfer. Man könne über den Mediziner „nichts Negatives sagen“. Und es seien auch keine Vorwürfe bekannt, die sich auf den Tätigkeitstandort Werl beziehen. Eigentlich war ein geregelter Übergang der Dienstgeschäfte nach dem Bausch-Abschied geplant gewesen; das ist nun hinfällig. 

Die Stelle wird zunächst vakant bleiben, die Versorgung der rund 1 000 Häftlinge und Sicherungsverwahrten der JVA Werl erfolgt zunächst mit Vertragsärzten auf Honorarbasis. 

Ärztin kommt zum 1. April

Völlig unabhängig von der Bausch-Nachfolge wird aber auch zum 1. April eine Ärztin ihren Dienst in der JVA Werl antreten, als Ersatz für einen weiteren scheidenden JVA-Arzt. 

Die Ärztin kommt aus dem Krankenhausdienst einer Ruhrgebietsstadt und hat Erfahrung mit einer Tätigkeit im öffentlichen Dienst; sie hat bereits einen Arbeitsvertrag unterschrieben. „Die medizinische Versorgung der Patienten der JVA ist also gesichert“, sagt Schäfer.

Insgesamt gibt es in Werl zwei feste Stellen im ärztlichen Dienst. Joe Bausch war im November nach 32 Jahren Dienst als Anstaltsarzt der JVA Werl pensioniert worden.

Im Land NRW gibt es 59 Arzt-Stellen in Justizvollzugsanstalten, einige sind offen. Die Wiederbesetzung gilt als schwierig.

Der Fall

Die Bezirksregierung Detmold hat den Arzt der Abschiebehaftanstalt Büren bereits am 30. November 2018 vom Dienst suspendiert. Grund seien „Unregelmäßigkeiten im Medikamentenbestand“ der Einrichtung, teilte das zuständige NRW-Ministerium für Flüchtlinge mit. Mehrere Medien hatten über den Fall berichtet. Die Staatsanwaltschaft Paderborn erklärte, ihr liege eine Anzeige der Bezirksregierung Detmold vor. Zu deren Inhalt wollte ein Sprecher keine Angaben machen. 

Vorwürfe im Abschiebegefängnis Büren

Die ärztliche Versorgung in der Einrichtung Büren sei durch zwei Honorarärzte sichergestellt worden. Das Abschiebegefängnis Büren bei Paderborn ist das größte dieser Art in Deutschland und hat 140 Plätze für Männer, die ausreisepflichtig sind und bei denen Fluchtgefahr besteht. Nach europarechtlichen Vorgaben dürfen Abschiebehäftlinge nach einem Urteil aus 2014 nicht in gewöhnlichen Gefängnissen untergebracht werden.

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