Archäologen baggern erfolgreich

Spektakulärer Fund in Büderich

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Gesucht – und gefunden: Die Baggersondagen an der Schlesienstraße mussten von einer archäologischen Fachfirma durchgeführt werden.

Büderich - Befürworter und Gegner einer Anbindung des neuen Baugebiets an die K 18n haben sprichwörtlich das Feld beackert und Unterschriften gesammelt. Nun aber wird jener Acker an der Schlesienstraße per Maschine bearbeitet.

Mithilfe eines Baggers hat eine Fachfirma Erdschichten auf dem Areal abgetragen, auf dem bald rund 30 Häuser stehen sollen. Und sie wurden fündig: Es fanden sich Siedlungsspuren aus der römischen Kaiserzeit – „mit eindeutigem Fundmaterial“.

Das bestätigte Dr. Eva Cichy, wissenschaftliche Referentin der Olper LWL-Außenstelle Archäologie für Westfalen, am Mittwoch auf Anfrage. Morgens war sie vor Ort in Büderich, um die Grubenfunde der Fachfirma zu begutachten. Dabei sei man unter anderem auf ein Randstück eines römischen Topfs gestoßen. Zu datieren sei das auf das 3./4. Jahrhundert nach Christus. 

"Spannend und erfreulich"

Da es in den letzten Jahrzehnten keine derartigen Funde in Werl gegeben habe, seien sie „spannend“ und „erfreulich“. Ganz gewiss bewerte man die Ergebnisse nicht unter dem Aspekt „08/15“, auch wenn man schon vermutet hatte, erneut fündig zu werden. 

Unter anderem stießen die Fachleute auf eine große, rechteckige Grube, die damals als „Grubenhaus“ genutzt worden sein könnte. Mit einem Satteldach darauf seien solche Gruben einst genutzt worden, um zum Beispiel darin zu weben. 

Die Archäologen werden nun mit der Stadt darüber beraten, wie zu verfahren ist. Die Reste der Siedlung liegen relativ tief, weil das Gelände wohl durch Erosion umgeformt worden ist. Dass die Archäologen fündig wurden, davon war auszugehen. Südlich der geplanten Wohnbaufläche seien bereits in den 80-er Jahren Reste einer Siedlung der Römischen Kaiserzeit bei Ausschachtungsarbeiten in der Kirchnerstraße festgestellt worden. 

„Vermutete Bodendenkmäler“ 

1999 seien weitere Teilbereiche der Siedlung bei archäologischen Untersuchungen dokumentiert worden. Eine weitere Ausdehnung nach Norden hin wurde aufgrund der Befundlage aber bereits damals vermutet. Auch Siedlungsspuren des Neolithikums, der Eisenzeit, des Mittelalters oder der Neuzeit waren erwartet worden. Somit lägen im Plangebiet „vermutete Bodendenkmäler“. Diese sind genauso zu behandeln wie eingetragene Bodendenkmäler. Daher waren Baggersondagen zur Überprüfung vorgegeben. Diese müssen von einer archäologischen Fachfirma durchgeführt werden.

Über 300 Bürger bezogen zur Verkehrsführung Stellung

Zur mittlerweile beendeten öffentlichen Auslegung der Pläne für das neue Baugebiet an der Schlesienstraße haben weit über 300 Bürger ihre Meinung kundgetan – überwiegend bezüglich der Verkehrsanbindung. Die meisten taten das auf eine von zwei Unterschriftenlisten: 222 Bürger unterschrieben für eine Anbindung des neuen Baugebiets an die Ortsumgehung K 18 n im Norden. Sie stammen vorwiegend von der unteren Schlesienstraße, Kirchnerstraße und „Im Feldrain“. Tenor: Zu starke Verkehrsbelastungen vor der eigenen Haustür durch weitere Häuser im Neubaugebiet seien nicht zumutbar. 

Rund 80 Unterschriften haben dagegen das Ehepaar Wellie und Susanne Mensing gesammelt, die sich gegen jene Anbindung aussprechen. Sie befürchten Durchgangsverkehr vor der Haustür, wenn die Erschließung über den heutigen Wirtschaftsweg „Im Felde“ an die K 18n erfolgt.

 Es habe auch eine handvoll gleich lautender Schreiben von Anwohnern des „Feldrains“ gegeben, die ebenfalls die Anbindung an die Ortsumgehung fordern. Darüber hinaus gab es Einzelschreiben und Anrufe mit unterschiedlichem Tenor, sagt Stadtplaner Ludger Pöpsel. Nicht zuletzt tauchte Kritik auf, dass der nördliche, kurvenreiche Teil der Schlesienstraße zu schmal und völlig unzureichend sei. Dass so viele Bürger sich einbrachtet, gilt auch im Rathaus als außergewöhnlich. „Das ist nur zu begrüßen“, sagt Ludger Pöpsel. Sein Fachbereich wird die Stellungnahmen nun bewerten und abwägen – und dann einen Vorschlag zur Verkehrsführung unterbreiten. Dass nicht allein die Masse von Unterschriften Für oder Wider gegen das Vorhaben sprechen wird, hatte Pöpsel schon früher betont.

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