Gebäude werden abgerissen und Hügel angehäuft

Abriss der ehemaligen Militär-Kaserne im Werler Stadtwald

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Werl - „Das sieht hier aus wie eine alte verlassene russische Kaserne“, sagt Bürgermeister Michael Grossmann – und trifft damit den Nagel auf den Kopf. Seit Oktober sind die Arbeiten im Werler Wald im vollen Gange.

„Betreten verboten!“ Immer wieder versuchen Schaulustige und Hobby-Fotografen, auf das ehemalige Militär-Gelände im Werler Stadtwald zu gelangen. Immer wieder landen die als Trophäen gefeierten Schnappschüsse im Netz. Dabei riskieren die ungebetenen Gäste jedoch ihr Leben.

Denn: Auf dem Gelände des Stadtwalds finden Abrissarbeiten statt, die Gebäude sind stark einsturzgefährdet. Danach folgt eine Wiederaufforstung sowie der Bau eines Landschaftshügels. Darauf soll ein Aussichtsturm entstehen. Das Großprojekt führen die Hammer Firmen Hugo Schneider GmbH und Bernhard Heckmann GmbH & Co KG durch.

Rodungen sind Ende Dezember abgeschlossen

Alle Kasernen und Bäume wurden inzwischen entsprechend bewertet und gekennzeichnet. Die Rodungen rund um die Gebäude werden noch in diesem Jahr beendet. Betroffen von den Fällarbeiten sind hauptsächlich junge Bäume. Der Gebäudeabbruch hat ebenfalls begonnen.

Abrissarbeiten im Werler Stadtwald

Derzeit werden die 65 Militär-Häuser abgerissen. Die Kirchen, das Kino, die Turnhalle, das Kraftwerk und viele mehr werden folgen. Auch die vier Kilometer lange Fernwärmeleitungen werden entfernt. Im Frühjahr sollen alle Einzelgebäude abgerissen sein. Mit dem Abbruch des ehemaligen Militärgeländes endet auch ein Stück Werler Geschichte. 24 Jahre ist es her, dass die Briten die „Victoria Barracks“ verließen. Sie hinterließen ein Gelände, das einer Kleinstadt glich.

Recycling des Bauschutts

Der Bauschutt wird nach Schadstoffen sortiert. Schadstofffreier soll später vor Ort noch verwendet werden, alle anderen Baustoffe werden umweltgerecht entsorgt. Wie Hans-Joachim Olschewski von der Firma Hugo Schneider erklärt, entsteht aus dem brauchbaren Material ein Schüttkegel, der rund 65 000 Tonnen wiegen wird, unter dem Bauwerk.

Der Aussichtsturm soll 35 Meter hoch werden. Von dort aus hat man einen freien Blick über die Region.

Die Aufstandsfläche des Landschaftsbauwerks ist bereits komplett gerodet. Ab März kommenden Jahres wird mit der Aufschüttung begonnen. Der Bodenaushub wird rund 2 Millionen Tonnen betragen. Daraus wird ein Landschaftshügel im Wald modelliert, der 25 Meter hoch und öffentlich zugänglich sein wird.

Blick übers Ruhgebiet, das Münster- und Sauerland 

Der 35 Meter hohe, dreieckige und in sich gedrehte Aussichtsturm aus Holz und Stahl wird darauf aufgesetzt. Die Plattform wird 285 Meter über Normalnull (NN) liegen. In Werl wird es dann kein höheres Gebäude geben. Von dort oben haben Besucher einen freien Blick über das Ruhrgebiet, das Münster- und Sauerland.

Die ökologische Begutachtung ist bereits abgeschlossen: Wurzeln und Totholz werden teilweise aufbewahrt, bieten Kleintieren und zum Beispiel Wildkatzen Unterschlupf, wie Andreas Pradel, Umweltbeauftragter der Stadt Werl, erklärt. Für Eulen und Fledermäuse werden in der Umgebung ausreichend Plätze geschaffen.

Einige Wahrzeichen bleiben erhalten

Auch einige Gebäude sollen erhalten bleiben, zum Beispiel zwei Tankstellen- und ein Wachhäuschen. Auch die Kreuze der Kirchen sollen aufbewahrt werden und an gleicher Stelle, wo die Kirchen standen, angebracht werden. 50 Parkplätze an der heutigen Einfahrt zum Camp-Areal und Straßen sowie einen Waldlehr- und Erinnerungspfad wird es geben.

Ein barrierefreier Weg mit einer Länge von 800 Metern und einer Steigung zwischen vier und sechs Prozent, der auch für Rollstuhlfahrer nutzbar sein wird, soll sich zur Plattform schlängeln. Der Turm wird der Abschluss auf das Mammutprojekt im Wald sein, das insgesamt 14 Millionen Euro kosten wird. Das Projekt ist auf sieben Jahre angelegt.

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