Auf der Suche nach dem doppelseitigen Gold

Redaktion testet, wie schwierig Klopapier, Ravioli und Co. zu kriegen sind

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Klopapier ist derzeit sehr beliebt.

Was normalerweise keine große Sache und im Handumdrehen erledigt ist, entpuppt sich in Zeiten von Coronavirus und „Hamsterkäufen“ sehr wohl als Herausforderung: Toilettenpapier, Vollkornnudeln, Ravioli und Mehl sollen im Einkaufskorb landen.

Werl - Der Anzeiger hat den Selbsttest gemacht, ob und wie einfach das in Werl zurzeit möglich ist. Der erste Versuch wird beim Aldi an der Wulf-Hefe-Spange gewagt. Nach Möglichkeit sollen dort gleich alle vier Produkte im Körbchen landen. Schon am Eingang begrüßt ein Hinweisschild potenzielle „Hamsterkäufer“ – von haltbaren Produkten dürfen nur zwei Exemplare je Sorte eingekauft werden.

Die ersten Schritte im Aldi machen Mut, die Regale sehen zunächst üppig gefüllt aus. Die Überraschung folgt in der Fleischabteilung: Offenbar „hamstern“ die Werler nicht nur Nudeln, Toilettenpapier und Konserven, sondern auch Berge an Hackfleisch. Der Tiefkühltruhe sei Dank. Wer hier im Aldi Klopapier sucht, der wird enttäuscht. Um die Spannung gleich herauszunehmen: Auch in den drei anderen besuchten Supermärkten wird sich kein noch so kleines Röllchen finden lassen. An der Kasse prasseln die immer gleichen Fragen auf die Kassiererin ein. „Wann kommt neues Toilettenpapier?“, heißt es und die junge Dame wiederholt gebetsmühlenartig, dass jeden Morgen eine neue Lieferung käme, die innerhalb kürzester Zeit ausverkauft sei.

Neuer Supermarkt, neues Glück

Wer mit offenen Ohren durch den Laden geht, der hört an jeder Ecke Gespräche, die vom Coronavirus handeln. Darüber sprechen möchte mit dem Anzeiger hier aber keiner. Mit den letzten Nudeln im Gepäck, die nicht Spätzle oder Lasagneplatten heißen, geht es rüber zum Penny-Markt am Parkfriedhof. Neuer Supermarkt, neues Glück: Denn hier wird über den Corona-Virus offen gesprochen, jedenfalls unter der Prämisse, dass man als Zitatgeber nicht namentlich in der Zeitung erwähnt wird. Die Pandemie ist nun mal ein sensibles Thema. Auch im Penny werden Produkte wie Zucker und Mehl rationiert – und das bringt Menschen auf clevere Ideen.

Ein älteres Pärchen hat vier Packungen Mehl und Zucker auf dem Kassenband liegen, bezahlt diese aber separat. Heißt konkret: Der Mann kauft seine erlaubten zwei Packungen und die Frau bezahlt ihre. Am Ende landen schließlich vier Pakete im gemeinsamen Einkaufswagen. Die Kassiererin nimmt es mit Humor. Redselig ist eine junge Mutter vor dem Penny-Markt, die einen derart vollen Einkaufswagen vor sich herschiebt, dass man den Parkplatz automatisch nach dem Auto mit dem größten Kofferraum absucht. Angesprochen auf ihren „Hamsterkauf“ wird aber schnell klar, dass dahinter ein ernst zu nehmender Grund steckt. „In meiner Familie gibt es Risikopatienten und desto mehr ich kaufe, umso weniger oft muss ich in den Supermarkt. Dadurch sinkt wiederum die Ansteckungsgefahr für meine Angehörigen“, sagt die Werlerin, die anonym bleiben will. Was lernt man daraus? Nicht jeder Kunde mit überquellendem Einkaufswagen sollte direkt als stigmatisierter „Hamsterkäufer“ abgestempelt werden.

Weder Klopapier noch Ravioli

Da im Penny weder Klopapier noch Ravioli, sondern nur das benötigte Paket Mehl besorgt werden konnte, heißt die nächste Station Rewe. Auffällig ist hier, wie sehr der teure Reis vergriffen ist, während die Eigenmarke in Hülle und Fülle verfügbar ist. Wenn schon Quarantäne, dann immerhin mit Uncle Bens. Die letzte Chance auf Ravioli und Klopapier gibt es auf dem Land. Genauer gesagt im Edeka in Westönnen, in dem das frische Gemüse und Obst offenbar von den meisten Menschen links liegen gelassen wird und man sich stattdessen auf die Konserven stürzt. Klopapier und Ravioli bleiben auch hier Mangelware, also muss es die gute, alte Linsensuppe richten. In der Not frisst der Teufel eben Fliegen.

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