Entscheidung über Freilassung

Anhörung des Gladbecker Geiselgangsters Degowski

Sitzt in der JVA Werl ein und hofft nun auf Freiheit: der Gladbecker Geiselgangster Dieter Degowski.

WERL ▪ Als unsere Zeitung am 18. Juni berichtete, dass die Freilassung des Gladbecker Geiselgangsters Dieter Degowski geprüft wird, zogen etliche Medien nach. Die Westfalenpost bediente sich des Themas, der Boulevard, das Fernsehen. Alle waren so frei – nur Degowski nicht. Das könnte sich ändern.

Denn nun naht die Entscheidung: Die Strafvollstreckungskammer des Arnsberger Landgerichts hat für den 24. Juli die Anhörung des Gladbecker Geiselgansters terminiert.

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Er hat die Republik in Atem gehalten, als er mit seinem Kumpel Hans-Jürgen Rösner am Morgen des 16. August 1988 die Deutsche Bank in Gladbeck überfiel. Als „Gladbecker Geiseldrama“ gingen die folgenden Tage in die deutsche Kriminalgeschichte ein. Nun hofft Dieter Degowski, prominenter Insasse der Justizvollzugsanstalt Werl, auf Freilassung. Dazu läuft derzeit ein Prüfverfahren. Dabei, so die Pressesprecherin des Landgerichts Arnsberg, Dorina Henkel im Juni, werde überprüft, „ob der Rest der Strafe zur Bewährung ausgesetzt werden kann“. Degowski war zu lebenslanger Haft verurteilt worden. Lebenslang kann aber in juristischem Sinne schon nach 15 Jahren einer Überprüfung unterliegen. Weil das Gericht bei Degowski die „besondere Schwere der Schuld“ festgestellt hatte, war eine Entlassung frühestens nach 24 Jahren möglich. Die sind jetzt abgelaufen. Daher war die aktuelle Überprüfung der Haftfortdauer schon „von Amts wegen“ vorgeschrieben.

Die Strafvollstreckungskammer als Kammer des Landgerichts Arnsberg ist mit dem Verfahren befasst. Die Kammer hat ein Gutachten angefordert, das mittlerweile vorliegt. Über den Inhalt hüllt sich die Sprecherin des Landgerichts in Schweigen. Es wurde der Verteidigung und der Staatsanwaltschaft zugestellt. Die Frist, sich dazu zu äußern, ist abgelaufen.

Beim anstehenden Erörterungstermin, bei dem alle Beteiligten, auch Degowski selbst, sich nochmal äußern können, wird der Beschluss gefasst, ob der Gladbecker Geiselgangster auf freien Fuß gesetzt wird – oder nicht. Die Gutachter hatten auch zu beleuchten, ob von Degowski noch Gefahr ausgeht und wie die Prognose für ihn bei einem Leben in Freiheit wäre. Noch im Sommer soll es auch eine Entscheidung geben.

Beim Gladbecker Geiseldrama starben drei Menschen. Zwei Tage lang war das Gangster-Duo unter Verfolgung ganzer Journalisten-Trosse durch Deutschland geflüchtet, hatte Interviews gegeben, während es Geiseln Waffen an die Köpfe hielt. Die Medien wurden später wegen ihres zum Teil kumpelhaften Verhaltens kritisiert. Eine Polizeiaktion auf der A 3 beendete die Geiselnahme am 18. August 1988 blutig. Beim Schusswechsel der Geiselnehmer mit der Polizei starb die Geisel Silke Bischoff. Der damals 32 Jahre alte Degowski hatte zuvor auf der Flucht einen 15-jährigen Italiener in einem gekaperten Linienbus erschossen, um Rösners verhaftete Freundin freizupressen. Daher wurde Degowski auch wegen Mordes verurteilt. ▪ bus

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