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Lehrermangel trifft vor allem Grund- und Förderschulen

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Von: Dominik Maaß

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Landtag NRW mit Debatte zum Lehrermangel
An Werler Schulen fehlen Lehrer. Das kann letztlich auch zu Unterrichtsausfall führen (Symbolbild) © Caroline Seidel

An den öffentlichen Werler Schulen herrscht Lehrermangel. Der Personalbedarf ist laut aktuellen Daten der Bezirksregierung nur zu 97,67 Prozent gedeckt. Allerdings ist die Situation von Schule zu Schule unterschiedlich. Besonders betroffen sind die Grund- und Förderschulen.

Werl – Werl steht mit der Situation allerdings nicht alleine dar. Kreisweit beträgt die Gesamtquote bei der Personalausstattung 97,56 Prozent, auf der Ebene des Regierungsbezirks 95,07 Prozent.

Über alle Schulen hinweg fehlen laut Bezirksregierung in Werl knapp sieben Stellen, um den errechneten Bedarf zu decken (Stand 1. Dezember). Allerdings ist das nur der Durchschnitt. So hat das Marien-Gymnasium in der Statistik eine Personalausstattungsquote von rund 108 Prozent und fünf Stellen mehr als der errechnete Bedarf. An den Förderschulen sind hingegen sieben Stellen unbesetzt, die Quote liegt nur bei 93,1 Prozent. An den Grundschulen sind 4,3 Stellen unbesetzt, die Personalausstattungsquote liegt bei gut 94 Prozent. Für die Sälzer-Sekundarschule gibt Arnsberg eine Quote von rund 99 Prozent an, es fehlen demnach 0,57 Stellen.

„Um die Personalausstattung weiter zu verbessern, befinden sich in Werl derzeit acht Stellen in Ausschreibung“, teilt Ursula Kissel, Pressesprecherin der Bezirksregierung, mit.

Faktisch fehlen den Schulen oft mehr Lehrer als die Personalausstattungsquote vermuten lässt. Schließlich werden Lehrkräfte in Mutterschutz, Elternzeit oder Beurlaubung nicht herausgerechnet. Gelingt es nicht, aus den eingesparten Besoldungs- und Vergütungsmitteln Vertretungen einzustellen, gelten die Stellen als besetzt, obwohl niemand da ist, der unterrichten kann. Für Werl besteht hier laut Bezirksregierung ein Potenzial von fast zehn Stellen.

Vertretungen für Grundschulen schwer zu finden

Für die Grundschulen steht laut Kissel in allen Kreisen und kreisfreien Städten die schulübergreifende Vertretungsreserve zur Sicherung der Unterrichtsversorgung bereit. Doch offensichtlich reicht auch diese Reserve nicht mehr, um alle personellen Löcher zu stopfen. So berichtet Andrea Humpert, Leiterin der Walburgisgrundschule, dass dieser Vertretungspool eben nicht mehr so üppig gefüllt ist, wie früher. „Wir dürfen die Vertretungen zwar ausschreiben, es ist aber schwerer, passende Kandidaten zu finden.“

Hinzu komme, dass die Kollegien zum Teil sehr jung seien und viele Lehrerinnen, aber auch Lehrer durch Elternzeiten ausfallen. Insgesamt sei das Bild an den Werler Grundschulen gemischt: „Teilweise sind die Schulen noch ganz gut besetzt, teilweise gibt es aber auch echte Not“, sagt Humpert. Mit Blick auf ihre Schule sagt sie: „Wir bekommen es noch irgendwie hin. Bislang mussten wir noch keine Klassen zuhause lassen.“

Ursula Steinhoff von der Westönner Josefschule sagt, ihre Schule sei noch vergleichsweise gut, aber trotzdem „Spitz auf Knopf“ besetzt. „Die vielen krankheitsbedingten und über längere Zeit andauernden Ausfälle konnten wir nicht auffangen, ohne dass die Qualität des Unterrichts darunter gelitten hat. Wir mussten zeitweise die Stundentafel kürzen, um die Kollegen nicht zu überlasten.“ Auch die Schulleitung sei oft eingesprungen.

Es muss sich etwas ändern, sonst leiden auf Dauer Schulentwicklung und Unterrichtsqualität.

Ursula Steinhoff, Leiterin der Josefschule Westönnen

Steinhoff ist wie Humpert bewusst, dass das Land nicht für jede Extremsituation vorbauen kann. Doch die Rektorin sieht unabhängig von der akuten Krankheitswelle auch langfristig Handlungsbedarf. „Es muss sich etwas ändern, sonst leiden auf Dauer Schulentwicklung und Unterrichtsqualität.“ Differenzierung und Inklusion seien unter diesen Bedingungen nicht in gewünschten Maße möglich.

Wünschenswert ist aus Steinhoffs Sicht nicht nur das Erreichen einer 100-prozentige Personalausstattung, sondern eines kleinen Personalpuffers darüber hinaus. „Schule bedeutet ja nicht nur Unterricht, Schule braucht auch Freiräume, um sich zu entwickeln.“ Bei einem Kollegium, das ohnehin schon überlastet ist, sei die Bereitschaft hierzu verständlicher Weise geringer. Auch Steinhoff hat die Erfahrung gemacht, dass es schwer ist, Vertretungen zu bekommen. „Es gibt einfach zu wenige.“ Zumal es keinen Sinn ergebe, einfach irgendjemanden einzustellen. „Wir brauchen qualifiziertes Personal mit Herz und Leidenschaft.“

„Ganz klar, uns fehlen Leute“

Auch Jörg Schultze, Leiter der Hedwig-Dransfeld-Förderschule, bestätigt die grundsätzliche Aussage der Statistik: „Ganz klar, uns fehlen Leute.“ Die Lage sei angespannt. Der Unterricht sei gewährleistet, aber bei Ausfällen müsse die Schule Prioritäten setzen. So fielen zum Beispiel Arbeitsgemeinschaften weg. Um Vertretungen zu ermöglichen, betreibe die Schule viel Werbung und profitiere auch von ihrem guten Ruf in der Region. Aber eingestellt würden nur Fachkollegen, mindestens Masterstudenten.

Sandra Schenkel, Leiterin der Sälzer-Sekundarschule, sagt, ihre Schule sei „auf dem Papier gut ausgestattet“. Aber auch an der Sekundarschule müssten – zum Beispiel bei Elternzeiten – immer wieder Vertretungen organisiert werden. „Wir haben diese Stellen zum Teil mehrfach ausgeschrieben, weil es einfach keine adäquaten Bewerber gibt.“ Insgesamt seien einfach wenige ausgebildete Lehrer auf dem Markt oder zumindest nicht die, mit den Fächern, die die Schule gerade benötige.

Abgesehen von der jüngsten Extremsituation mit zahlreichen Ausfällen sei es der Sekundarschule aber noch immer gelungen, den Unterricht zu 100 Prozent zu gewährleisten, so Schenkel. Allerdings gelingt dies bei Ausfällen auch nur durch einige organisatorische Anstrengungen, zum Beispiel einen Ringtausch von Lehrern.

MG: „Fühlen uns in guter Ausstattung“

Michael Prünte, Leiter des Marien-Gymnasiums, rät beim Blick auf die genauen Zahlen in der Statistik zur Vorsicht. Schließlich handele es sich immer um eine „Momentaufnahme“. Die grundsätzlichen Aussagen seien aber valide: „Wir fühlen uns in guter Ausstattung.“ Das habe besonders in Tagen mit vielen Krankheitsfällen geholfen. Schließlich müsse man in solchen Zeiten auf ein solidarisches Miteinander setzen, bei dem einer die Last des anderen trage. „Das ist uns gut gelungen.“ Großen Wert lege man am MG darauf, die Laufbahnen der Schüler durch Unterrichtsversorgung sicherzustellen. Dafür reiche die allgemein gute Personalquote nicht aus, auch fachspezifisch müsse der jeweilige Unterricht gesichert sein.

Prünte lobt ausdrücklich die gute Zusammenarbeit mit der Bezirksregierung bei der Organisation von Vertretungen. Dass dies zuletzt gut gelungen sei, habe aber auch von der Schulleitung große Anstrengungen verlangt.

In der guten Ausstattung sieht Prünte auch einen Vorgriff auf die bald zusätzliche Funktion des MG als Bündelungsschule. Da es durch die Umstellung von G8 auf G9 im kommenden Schuljahr keinen normalen Eintritt in die Oberstufe gibt, bietet das MG 42 externen Schülern aus Werl und der Umgebung eine eigene kleine, durchlaufende Oberstufe an. Die gute Personalausstattung ermögliche der Schule, auch dieses Unterrichtsangebot nach den Wünschen der Schüler auszurichten.

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