Gericht stellt Verfahren ein

Überforderter Zusteller nimmt Post mit nach Hause

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Ein überforderter Zusteller aus Werl nahm Post mit nach Hause, statt sie auszuliefern.

Werl/Ense - Am Ende der Verhandlung vor dem Werler Amtsgericht blieb vieles im Dunkeln, Licht warf der Prozess allenfalls auf die Zustände in einer Branche, in der es bisweilen chaotisch zugeht.

Angeklagt war ein 24-jähriger Werler, der als Zusteller über einen Zeitraum von eineinhalb Jahren Pakete, Briefe und Kataloge unterschlagen haben soll. Doch ein Großteil der Vorwürfe ließ sich nicht beweisen. Das Verfahren wurde eingestellt – gegen die Auflage, dass der Angeklagte 60 Sozialstunden leisten muss. 

Der inzwischen arbeitslose Werler war in dem genannten Zeitraum bei einem Werler Subunternehmen beschäftigt, das seine Aufträge von einem großen Paketversand bekam. Dem 24-Jährigen wurde vorgeworfen, dass er Post und Pakete nicht ausgeliefert hat. 

WC-Spülkasten nicht zugestellt?

Unter anderem ging es um einen WC-Spülkasten, der nach Warstein geliefert werden sollte, um eine Creme, die jemand bei QVC bestellt hatte und um Bücher, die nach Ense gebracht werden sollten. Des weiteren soll der 24-Jährige Kalender, Werbekataloge und einige Briefe, zum Beispiel Briefe mit Handy-Karten, nicht zugestellt haben. Auch von sieben Blutdruckmessgeräten im Gesamtwert von 140 Euro und von einem Messerset war die Rede. 

Der Angeklagte berichtete davon, dass er bis zu 200 Kunden am Tag habe beliefern sollen, vor allem in Ense. „Es war ziemlich chaotisch.“ Weil er damit überfordert gewesen sei, habe er häufiger Kollegen um Hilfe gebeten, die dann einen Teil seiner Lieferungen übernommen hätten. Ob dabei alles korrekt im Scanner verbucht wurde, ließ sich während der Verhandlung nicht klären.

"Irgendwann hat man keinen Überblick mehr"

„Irgendwann hat man keinen Überblick mehr“, erzählte der junge Mann und räumte ein, dass er Sendungen mit nach Hause genommen hat, wenn es ihm zu viel wurde. „Wenn es mir zu viel wird, gehe ich zu meinem Arbeitgeber“, erwiderte Richterin Patricia Suttrop. 

Angezeigt hatte den Werler die Disponentin des Unternehmens. Immer wieder habe Ware gefehlt, berichtete sie als Zeugin vor Gericht. Bei Kontrollen habe man diverse Pakete aus dem Auto des Werlers geholt, die nicht richtig eingescannt waren. Auf Nachfrage der Richterin sagte die Zeugin: „Ich weiß nicht, ob er es war, die Vermutung lag nur nah.“ Bis zu 50 Fahrer hätten morgens die Pakete in der 2000 Quadratmeter großen Halle abgeholt. 

Polizei durchsuchte die Wohnung

Bei einer Wohnungsdurchsuchung fand die Polizei beim Angeklagten diverse Briefe, Kalender, das besagte Messer-Set. Doch das war alles, was unter’m Strich von den Vorwürfen übrig blieb. Viele Dinge, die in der Wohnung gefunden wurden, ließen sich nicht eindeutig Straftaten zuordnen. Andere Tatvorwürfe blieben völlig ungeklärt. 

Wegen des relativ geringen Werts der unterschlagenen Gegenstände und der Tatsache, dass die Taten schon lange zurücklagen, einigten sich Richterin und Staatsanwältin auf die Einstellung des Verfahrens. Aber eines gab Richterin Suttrop dem Angeklagten noch mit auf den Weg: „Ich möchte nicht, dass sie weiter als Paketzusteller arbeiten.“

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