Millioneninvestition

Aldi und Rewe ziehen hinter den Bahnhof: Neue Straße und Kreuzungsproblem

Aldi und Rewe wollen hinter dem Bahnhof in Werl nebeneinander ihre Waren anbieten.
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Aldi und Rewe wollen hinter dem Bahnhof in Werl nebeneinander ihre Waren anbieten.

Die Weichen sind gestellt kurz neben den Gleisen: Mit dem neuen „Nahversorgungszentrum Nord“ hinter dem Bahnhof soll sich nun die Politik beschäftigen. Ein nötiger Schritt auf dem Weg zum Umzug von Rewe und Aldi. Und auch für die neuen Wege zu den beiden Läden: Die Gesamtbaukosten allein für die Herstellung aller Verkehrsflächen werden auf 1,9 Millionen Euro geschätzt.

Werl - Der Planungsausschuss soll am Mittwoch, 21. April, den Weg freimachen für die frühzeitige Beteiligung der Öffentlichkeit, der Behörden und benachbarten Gemeinden.

Nördlich der Bahnlinie soll gebaut werden. Sowohl Rewe als auch Aldi beabsichtigen ihre heutigen Standorte am Langenwiedenweg und an der Belgischen Straße aufzugeben. Vorgesehen ist eine Gesamtverkaufsfläche von 3 200 Quadratmeter, davon 1 300 für Aldi und 1 900 für den Rewe-Markt. „Die Ausstattung der heutigen Märkte mit breiteren Gängen, viel Tageslicht und einem großzügigeren Raumangebot verbessern die Möglichkeiten der Warenpräsentation sowie das Einkaufserlebnis“, heißt es in der Vorlage für die Politik. Das Bauvorhaben soll auf einer Grundstücksfläche von rund 12 000 Quadratmetern umgesetzt werden. Dafür muss der Flächennutzungsplan geändert werden.

Verschwinden soll auch die Schmuddelecke hinter dem Bahnhof, die heute Mischgebietsfläche ist. Durch Umwandlung in ein „Sonstiges Sondergebiet“ soll ein „städtebaulicher Missstand“ beseitigt werden. Bäume sollen insbesondere am Rand des Nahversorgungszentrums gepflanzt werden.

„Kleinbahn“ als Sackgasse

Die Straße „An der Kleinbahn“ soll künftig vorrangig nur noch von Anwohnern genutzt werden. Die Straße soll künftig nicht mehr durchgängig sein, um den Autoverkehr zu senken. Geplant ist eine Sackgasse mit Wendemöglichkeit.

Das Verkehrskonzept sieht vor, die bislang gesperrte, unausgebaute Straße „An der Bundesbahn“ und die Industriestraße um- und auszubauen. So entsteht eine neue Verbindungsstraße parallel zu den Gleisen, um das Nahversorgungszentrum-Nord zu erreichen. Der Bereich nördlich des Bahnhofs soll im Abschnitt des derzeitigen Schleichwegs „An der Bundesbahn“ eine „wesentlich höhere Attraktivität und Optimierung des Standorts mit positiven Auswirkungen für das Stadtgebiet Werl“ erhalten.

Zur Planung gehört auch der Umbau der nahen Kreuzung am heutigen Rewe-Markt hinter dem Bahnübergang Langenwiedenweg. Sie gilt als unzureichend für das neue Nahversorgungszentrum. Daher soll die Kreuzung „Langenwiedenweg/ Brandisstraße/ An der Bundesbahn“ komplett umgestaltet werden – für über 600 000 Euro. Der Knackpunkt dabei: Hier soll künftig die Bahnunterführung verlaufen; die Planung dafür liegt fest.

Umgestaltung der Kreuzung „zwingend erforderlich“

Die Umgestaltung der Kreuzung gilt als „zwingend erforderlich“ im Zusammenhang mit dem kurzfristig anstehenden Bau des Nahversorgungszentrums-Nord. Um zum neuen Rewe und Aldi zu kommen, müssen Kunden vom Langenwiedenweg kommend unmittelbar hinter den Schranken rechts abbiegen. Die heutige Kreuzungssituation ist ungeeignet, um den Verkehr aufzunehmen. Also musste ein Konzept im Rahmen einer Machbarkeitsstudie her, das erstens die Kreuzung leistungsfähig macht und zweitens allen Verkehrsteilnehmern gerecht wird – auch und gerade Fußgängern, die aktuell wegen fehlender Wege und Übergänge das Nachsehen haben.

So soll die Neugestaltung der Problem-Kreuzung im Werler Norden aussehen. Grün gekennzeichnet: die Fußgängerinseln.

Heraus gekommen ist bei der Planung eines Büros ein Konstrukt, das auf den ersten Blick kompliziert ist. Grundsätzlich sei das Prinzip der abknickenden Vorfahrtsstraße beizubehalten, „da die Räumwege des Bahnübergangs für den Fall der Schließung (der Schranken) vorfahrtsberechtigt sein müssen“, heißt es im Konzept. Zudem muss die heute kaum genutzte, weil gesperrte Straße „An der Bundesbahn“ eingebunden und leistungsstärker werden, weil sie künftig zum Nahversorgungszentrum führt. Das Konzept sieht eine „Entzerrung der Konfliktpunkte zwischen den Verkehrsströmen vor“, indem die Zu- und Ausfahrten in und aus dem Langenwiedenweg voneinander getrennt werden sollen.

Wer aus dem Norden kommt, soll einen „Bypass“ nutzen. Von dort ist das Rechtsabbiegen in die Brandisstraße (bleibt Einbahnstraße) und das Linksabbiegen in den Langenwiedenweg möglich. Linksabbieger können dann über den Bahnübergang Richtung Bahnhof fahren oder sich als erneute Linksabbieger für die Einfahrt in die Straße „An der Bundesbahn“ einordnen.

Der aus der Straße „An der Bundesbahn“ kommende Verkehr kann über einen Bypass Richtung Norden auf den Langenwiedenweg fahren, alternativ geradeaus in die Brandisstraße oder links in den Langenwiedenweg. Der Linksabbieger bleibt gegenüber allen anderen Verkehrsbeziehungen wartepflichtig.

Vier „Inseln“ für Fußgänger

Die Entzerrung der Verkehrsströme eröffne im Knotenpunkt Räume, die von Fußgängern genutzt werden können, so die Planer. Die fußläufige Querung der Fahrbahnen sollen insgesamt vier Inseln sicherstellen. So können alle Straßen gequert werden, ohne in Konflikte mit dem motorisierten Verkehr zu kommen. Der Radverkehr soll über die Fahrbahn geführt werden. Eine Besonderheit gilt für Radler, die aus der Brandisstraße entgegen der Einbahnstraße in den Knotenpunkt einfahren. Sie erhalten einen eigenen Linksabbieger zur Einfahrt links in den Langenwiedenweg, der zugleich zur Einordnung in den Linksabbieger Richtung „An der Bundesbahn“ genutzt werden kann

Kommentar

Viel Geld aufbringen für eine Kreuzung, die es schon bald gar nicht mehr geben soll? Das birgt Zündstoff. Und darf, nein muss die Frage aufwerfen, ob Werl vor diesem Hintergrund die ohnehin komplizierte und teure Bahnunterführung Langenwiedenweg nicht endlich zu den Akten legen sollte. Es wird sich ja zeigen, ob die neue Verbindungsstraße entlang der Gleise bis zur Industriestraße nicht sowieso für Entzerrung sorgt. Der Verkehr wird sich neue Wege suchen. Wofür dann noch die Unterführung? Werl war schon mal soweit, diese Idee nach jahrzehntelanger Quälerei einer nicht hinzubekommenden Realisierung (und Finanzierung!) in die Schublade für die nächste Generation zu legen. Aber kaum ergaben sich neue Förderaussichten, zog die Politik die Lade eifrig wieder auf. Seither geistert dieses Millionenprojekt erneut durch die Köpfe.
Wenn nun an genau jener Stelle 600 000 Euro für den Ausbau des Verkehrsknotenpunkts ausgegeben werden sollen, der mit dem Bau der Unterführung sogleich wieder weichen müsste, ist die Politik in der Pflicht: Wo will sie hin? Hält sie daran fest, dass die Unterführung kurzfristig kommen soll, wäre ein so aufwändiger Kreuzungs-Umbau fragwürdig.

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