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„Abi 2026“: Kurioser Mini-Jahrgang an gleich zwei Gymnasien

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Von: Gerald Bus

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Das Abitur 2026 wird eines unter besonderen Vorzeichen sein: Mit einer kleinen, bunt gemischten Schülerschar.
Das Abitur 2026 wird eines unter besonderen Vorzeichen sein: Mit einer kleinen, bunt gemischten Schülerschar. © dpa

Es ist kein Jahrgang wie alle anderen – und so wird es ihn wohl auch nie wieder geben: Eine der Klasse zehn entsprechende „Einführungsstufe“ (EF) wird in diesem Sommer nur an wenigen Gymnasien des Landes an den Start gehen. Aber in Werl gibt es sie dafür gleich doppelt: Sowohl das Mariengymnasium, als auch das Ursulinengymnasium werden als „Bündelungsschule“ eine solche Stufe anbieten.

Werl - Die Genehmigung der Bezirksregierung für das MG liegt jetzt vor, auch wenn die Mindest-Schülerzahl (42) dort (noch) nicht erreicht worden ist, noch eine 3 vorne steht. „Wir werden starten, diese Stufe wird beginnen“, versichert MG-Oberstufenkoordinator Frithjof Egert auf Anfrage.

So hält es auch das UG, das als Schule in privater Trägerschaft ohne Mindest-Schülerzahl agieren kann und nach dem grünen Licht vom Erzbistum Paderborn als Träger und vom Land schon seit langem die Sicherheit hat, dass die spezielle EF starten kann: 35 Namen stehen derzeit auf der Liste, sagt Konrad Beckmann aus der Schulleitung. „Aber wir hätten es auch mit weniger gemacht.“

Beide Werler Gymnasien bekundeten am Donnerstag ihre Kooperationsbereitschaft mit dem jeweils anderen Gymnasium. „Es wäre schön, das mit dem UG in guter Kooperation zu leisten“, wirbt MG-Schulleiter Michael Prünte. Natürlich werde in Kooperation mehr gelingen, sie sichere die Notwendigkeit, möglichst Vielfalt in den Kursen anzubieten. Das MG bleibe zum „freundlichen Geben“ bereit. Auch Beckmann betonte die Bereitschaft, mit dem MG zusammenzuarbeiten. So könnten größere Kurse entstehen, womöglich ein Naturwissenschaftskurs am MG und einer am UG stattfinden. Dazu gebe es „erklärte Absprachen“ zwischen den Werler Gymnasien.

So plant das MG

Natürlich sei dieser Jahrgang eine „lernpädagogische Herausforderung“, räumt Prünte ein, zumal der gymnasiale Anteil der Schüler verschwindend gering und die Stufe daher „besonders“ sein wird. „Aber wir stellen uns dem gerne und freuen uns, dass die Bezirksregierung uns die Aufgabe zutraut.“ Das MG wolle, dass die Durchlässigkeit des Schulsystems garantiert bleibt.

wir sind immer der Meinung gewesen, dass Schüler, die eine gute Entwicklung genommen haben, die Chance haben müssen, das Abitur zu machen.

Michael Prünte, MG

Das sei gerade in diesem Jahrgang geboten, sagt Prünte. „Und wir sind immer der Meinung gewesen, dass Schüler, die eine gute Entwicklung genommen haben, die Chance haben müssen, das Abitur zu machen.“ Es gelte, Bildungsgerechtigkeit einzulösen.

Wie viele das letztlich in der EF ab Sommer sein werden, ist offen. „Die Zahl ist nicht fix, in beide Richtungen.“ Zuletzt habe es noch Anmeldungen gegeben, das MG sei offen für weitere Schüler. Aber das hänge auch am Ausgang der Zentralprüfungen. Egert versichert: „Schüler, die sich jetzt noch entscheiden, sind am MG willkommen.“ Das gelte auch für die, die sich sicherheitshalber zunächst am Berufskolleg angemeldet haben. Klar ist aber: Ohne Qualifikations-Vermerk geht es nicht. Es bleibe spannend, wie viele Schüler es werden, „bis zum letzten Moment“, sagt Egert.

Das MG habe aber viel dafür getan, die Schüler bei ihren Neigungen abzuholen, um ihren Interessen gerecht zu werden. Man habe alle in Fragen kommenden Schulen im Umkreis besucht, um die Individualität der Schüler zu erkunden. Zudem gab es Versammlungen mit Schülern nach Schulen getrennt. Daraus habe man viele Erkenntnisse mitgenommen. Aber dass am Ende für Schüler auch Kompromisse zumutbar sein müssten, lässt Prünte nicht unerwähnt. Nichts sei halt normal in diesem Mini-Jahrgang. Von der Lehrerzahl her sei die Aufgabe leistbar, auch von den Räumen – wenn auch mal Klassenräume stundenweise zu Kursräumen werden.

So plant das UG

Wie viele Schüler am UG im Sommer in der EF starten, sei noch „Kaffeesatzleserei“, sagt Konrad Beckmann. Erst zum Ende dieses Schuljahres werde die Zahl feststehen; dass es Doppelanmeldungen gibt, ist nicht auszuschließen, aber auch der nötige „Q-Vermerk“, der zum Besuch der gymnasialen Oberstufe berechtigt, muss bei den aktuellen Zehner-Jahrgängen an Real- und Sekundarschulen erst erreicht sein.

Uns ging es vor allem darum, ein Zuhause für unsere Realschüler der Klasse 10 zu schaffen

Konrad Beckmann, UG

„Uns ging es vor allem darum, ein Zuhause für unsere Realschüler der Klasse 10 zu schaffen“. Sie sollten bei den Ursulinen bleiben können, wenn sie in die Oberstufe möchten. Beckmann betont aber: „Wir sind offen für externe Anfragen.“ Die habe es bereits gegeben. „Wir freuen uns über jeden, der in die Oberstufe will.“ Aber klar: Das Gros komme aus der eigenen Realschule. Eine Obergrenze für den Jahrgang gebe es nicht. Das aber noch viele Schüler dazu kommen, sei unrealistisch. Klar ist: Ein kleiner Jahrgang bedeutet kleine Kurse. Aber sowohl von der Zahl der Lehrer, als auch von den Räumen an der Schule her könne das UG den Zusatz-Aufwand leisten.

Sicher könne es sein, dass wegen der geringen Schülerzahl „nicht jede exklusive Kombination von Fächern möglich wird“, sagt Beckmann. Aber das UG habe keine Sorge, die Aufgabe nicht geschultert zu bekommen. „Zumal wir mit kleinen Jahrgängen Erfahrung haben.“

Hintergrund „Bündelungsschulen“: Leerlauf hätte Folgen für Real- und Sekundarschüler

Wegen des Endes des „Turbo-Abis“ (acht Jahre) samt Rückkehr zum Abitur nach neun Jahren am Gymnasium würde die EF in diesem Sommer eigentlich wegfallen, weil es wieder die Klasse 10 am Gymnasium gibt und erst dann die dreijährige Oberstufenzeit beginnt bis Stufe 13. Es gäbe kein Abi 2026. Aber ein Leerlauf hätte Folgen: für die Schüler, die von den Sekundar- und Realschulen kommend ihre Schullaufbahn in der gymnasialen Oberstufe fortsetzen wollen. Dazu müssten sie in die 10. Klassen, hätten noch vier Jahre vor sich. Aber auch die wenigen Schüler, die das Abi nicht schaffen, verlieren durch die Sonderlösung nicht ein ganzes Jahr. Da die Situation beiweitem nicht so viele Schüler betrifft wie in einem Jahrgang üblich, zugleich aber die Durchlässigkeit der Schulsysteme erhalten bleiben sollte, sollen einzelne Gymnasien im Land diese EF anbieten – bewusst als Sammelstelle auch anderer Schulen. Die Bezirksregierung Arnsberg hatte dazu ein Gymnasium in Lippstadt für den Ostkreis und eben das MG in Werl für den Westkreis auserkoren. Für Privatschulen gelten allerdings Ausnahmen: Sie können die spezielle EF ebenfalls einrichten – und das UG griff zu.

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