Mariengymnasium zieht zurück

1Live-"Schulduell" gehackt: Werler Schüler geschockt

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Unser Foto zeigt Teilnehmer des Mariengymnasiums im Februar 2011.

[UPDATE 16.25 Uhr] WERL - Empörung am Werler Mariengymnasium: Beim "1Live Schulduell", an dem die Q2-Stufe mitgemacht hat, um ein Konzert mit Mark Forster zu gewinnen, hat es Manipulationen an den Punkteständen gegeben. Nach einer Schülerversammlung zogen sich die Schüler vom Spiel des Radiosenders zurück.

Von Gerald Bus

1Live bestätigte am Nachmittag in einem Radiobeitrag, dass intensiv "beschissen" worden sei beim App-Spiel. Daher habe man die Qualifikation zum Finale auf diesem Weg "mit sofortiger Wirkung gestoppt". Stattdessen soll es nun kommende Woche ein Telefonquiz geben, an dem alle angemeldeten Schulen, also auch das MG Werl, sich beteiligen können.

1Live: "ziemlich gut" betrogen

Es hätten sich Schüler gemeldet und beschwert, dass auch Nutzer außerhalb der Schule sich unter dem Namen des jeweiligen Teilnehmers am Spiel beteiligt und damit die Disqualifikation provoziert hätten, teilte der Sender mit. Es sei "ziemlich gut" betrogen worden.

Das "Schulduell" gibt es schon lange. Früher war der Sender stets vor Ort an den Schulen, ließ Fragen beantworten, die die Schüler mit Buchstaben lösen mussten. Mittlerweile aber ist das Spiel umgestellt worden, findet auf elektronischem Wege statt. Schulen konnten sich anmelden und dann eine App für ein Spiel auf Handys herunterladen.

Das taten auch die Mariengymnasiasten. Möglichst viele Punkte sollten bei dem Spiel gesammelt werden, um sich für die Finalrunde zu qualifizieren. Stand gestern aber hatten die ersten 15 Teilnehmer alle die Höchstpunktzahl erreicht, so 1Live. Das MG Werl stand auf Platz 6. Auch aus dem Ausland sollen Manipulationen stattgefunden haben.

Nutzernamen mit rechtem Hintergrund

Schüler am MG meldeten der Schulleitung später die auffallenden Unkorrektheiten. Zunächst war unklar, ob nur das MG betroffen ist. Dem entsprechend froh war die Schule, dass der Betrug auch andere Schulen traf, er offenbar von außen und nicht aus Werl gesteuert wurde. Was die 147 Schüler der Q2 des Werler Gymnasiums besonders erboste: Rund 50 mal tauchte bei den Nutzernamen eine Bezeichnung mit nationalsozialistischem Hintergrund auf.

"Unsere Schüler sind entsetzt und empört", sagt die stellvertretende Schulleiterin Astrid Sämer, die eine Stufenversammlung am Mittag einberufen hätte. "Wir sehen uns verunglimpft." Der Name des Gymnasiums sei missbraucht worden - und das auch noch in einer "sensiblen Zeit", kurz nach dem Jahrestag der Auschwitz-Befreiung.

Dabei sei auch die Frage zu stellen, warum der Kölner Radiosender ein solches Spiel und damit auch die Teilnehmer - laut 1Live rund 60.000 im Sektor - nicht besser schütze. Dass sich jeder unter dem Namen einer angemeldeten Schule beteiligen könne, könne nicht richtig sein. Für die Schüler sie es "überhaupt kein Thema" gewesen, sich sofort von dem Spiel zurückzuziehen.

"Unsere Schüler distanzieren sich mit aller Deutlichkeit von diesen Vorfällen", sagt Astrid Sämer. Derlei Gedankengut habe keinen Platz am MG. "Das ist fernab von allem, wie wir miteinander umgehen."

Hintergrund:

Jahr für Jahr versuchen die Abschlussschüler zahlreicher weiterführender Schulen in Nordrhein-Westfalen, ein Konzert zu gewinnen. Ein bekannter Star auf dem eigenen Schulhof - ein Traum für die Schüler. Inzwischen zum zwölften Mal veranstaltet der Hörfunksender des Westdeutschen Rundfunks "1Live" das "Schulduell". Dieses Mal ging es darum, in einem Online-Spiel möglichst viele Punkte für die eigene Schule zu sammeln.

Für die fünf Finalisten ist ein Schulbesuch durch einen Radio-Moderator geplant, bei dem das Wissen der Lehrer getestet werden soll. Dem Gewinner winkt ein Konzert mit dem deutschen Sänger Mark Forster.

Seit vielen Jahren nehmen aus Werl regelmäßig die Abschlussklassen der beiden Realschulen und der beiden Gymnasien teil. Vor der Einführung des Online-Spiels hatte der Sender das Prinzip bereits einmal verändert. Bis 2012 gab es auf dem Schulhof ein Spiel mit Buchstabenkarten, ab 2013 mussten in der Vorrunde Aufgaben, die über das Internet und den Radiosender kommuniziert wurden, gelöst werden.

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