Welvers BG stellt für die Rathaus-Wahl einmal mehr ihre Unabhängigkeit heraus

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Um pragmatische Lösungen bemüht, auch wenn sie auf den ersten Blick populistisch wirken: Tim-Fabian Römer und Regina Holota von der Bürgergemeinschaft.

Welver – Rein altersmäßig könnten sie Mutter und Sohn sein: Regina Holota, die Vorsitzende der Bürgergemeinschaft in Welver, und Tim-Fabian Römer, der Fraktionsvorsitzende. Sie ist 65, er 25. Die beiden und ihre 20 Mitstreite bereiten sich ein halbes Jahr vor der Rathaus-Wahl intensiv vor.

Man wollen in den kommenden Monaten ohne Vorgaben irgendwelcher Parteilinien und „lediglich dem Bürger verpflichtet“ eine Politik anstreben, die Welver „endlich“ nach vorn bringe. Bei Römer klingelt der legendäre Spruch seines Vorgängers Jürgen Dahlhoff noch in den Ohren: „Wenn sich nichts ändert, muss Welver ausgelöst werden.“

Damals, 2013, als Römer gerade sein Abi am Alde in Soest gemacht und seine Ausbildung im Hammer Rathaus begonnen hatte, „quatschte“ ihn Dahlhoff auf der Straße wegen einer Mitarbeit bei der Bürgergemeinschaft an. Römer, der angehende Verwaltungs-Mann, hatte sich da in Hamm ohnehin schon gefragt, wie das so läuft in den Stadt- und Gemeinderäten. Er sah sich noch rasch bei den anderen Fraktionen um und stieg bei der BG ein. 

2017 löste er Dahlhoff an der Spitze der Fraktion ab. In den vergangenen Monaten war Römer sogar als Bürgermeister-Kandidat gehandelt worden – wir berichteten. Doch im Gespräch mit dem Anzeiger stellt er klar: Er traue sich das durchaus zu, doch es komme zu früh, zumal er im Herbst erst noch ein Master-Studium beginnen wolle. Für den Fraktionsvorsitz in der neuen Legislaturperiode stehe er aber bereit. 

Welvers Zukunft, so sagt er, liege nicht zuletzt in den sage und schreibe 21 Dörfern. Die müssten mit Leben gefüllt werden: Vereine, Infrastruktur, Feuerwehr, Spielplätze. Und vielleicht noch was obendrauf. Römer, der heute bei der Gemeinde in Bad Sassendorf beschäftigt ist, hat dort das „öffentliche Wohnzimmer“ in Beusingsen mit auf den Weg gebracht: Eine Anlaufstelle für die 148 Beusingser, die ansonsten kaum einen Treff im Dorf haben. 

Wie so ein Dorf tickt und wo ihm der Schuh drückt, hat der 25-Jährige früh erfahren: In Schwefe, wo er aufgewachsen ist. Schützen, Sportverein, Avantgarde – all die kennt er von innen. Hier an der Basis bekomme man am ehesten mit, „was nicht funktioniert in Welver“. Sein Fazit: Gerne meckern, aber vor allem danach auch machen.

Von der BG, so sagt er, stamme die Idee, den Zustand sämtlicher Feldwege mal gründlich unter die Lupe zu nehmen. Er sei auf alle anderen im Rat zugegangen. „Finden wir super“, habe er zur Antwort bekommen. Doch dann habe der Gemeinderat „aus formalen Gründen“ abgelehnt und andere Parteien hätten danach selber einen Antrag eingereicht., also seine Initiative gewissermaßen umetikettiert. So wie auch sein Vorschlag, mal auf die Sitzungsgelder zu verzichten und die der Feuerwehr gleichsam als „Wertschätzung“ in Form von Aufwands-Entschädigungen zukommen zu lassen, in die Tonne gekloppt worden sei. 

War es zu populistisch? Römer und Holota finden: „War es nicht.“ Sie haben sich vorgenommen, ihre Trumpfkarte mit der Unabhängigkeit als freie Wählergemeinschaft weiter zu ziehen und mit allen Parteien im Rat pragmatische Lösungen auszuloten. Womöglich klappe das 2020 besser als 2014, weil sich nicht nur in der BG, sondern auch in anderen Welveraner Parteien ein Generationswechsel anbahne und mit ihm – so die Hoffnung – eine veränderte Gesprächskultur.

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