Grüne sehen bei Mast „rot“ - Signal gegen Massentierhaltung

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Die grünen Stallgebäude sind schon fertig. Die Futtersilos stehen auch bereits.

Scheidingen/Illingen - Die Bauarbeiten für den umstrittenen Hähnchenmaststall zwischen Scheidingen und Illingen gehen gut voran. Mittlerweile ist auch klar, dass das Vorhaben rechtlich in trockenen Tüchern ist.

Wie Bau-Fachbereichsleiter Markus Hückelheim erläutert, hat es einen Vergleich der Gemeinde mit dem Betreiber gegeben. Im Wesentlichen geht es darin um eine bessere Verträglichkeit für das Landschaftsbild. Den Grünen reicht das nicht. Sie wollen solche Bauvorhaben künftig kategorisch verhindern. „Ablehnung der Errichtung weiterer industrieller Betriebe für die Intensivtierhaltung in der Gemeinde Welver“ lautet daher der etwas sperrig klingende Antrag, den die Fraktion heute im Gemeinde-Entwicklungsausschuss (17 Uhr, Ratssaal) zur Diskussion stellt.

Zur Begründung heißt es: „In der Ablehnung seines gemeindlichen Einvernehmens zur Errichtung eines industriellen Intensivtierhaltungsbetriebes zur Hühnermast hat der Rat deutlich bekundet, dass er derartige Betriebe in Welver begründet ablehnt.“

Weit über 100 Prozent des deutschen Fleischbedarfes werde schon jetzt von in Deutschland ansässigen industriellen Intensivtierhaltungsbetrieben abgedeckt. Der Preisverfall beim Fleisch und die erschreckenden Arbeitsbedingungen in Fleisch verarbeitenden Betrieben machten deutlich, dass dieser Entwicklung Einhalt geboten werden müsse. Dennoch gebe es derzeit eine wahre Antragsflut zum Bau und der Einrichtung von Intensivtierhaltungsbetrieben.

Erschreckend sei, dass die Genehmigung „solcher tierquälerischen und nicht artgerechten Industriebetriebe“ nicht von den Haltungsbedingungen, sondern überwiegend vom Baurecht abhängig gemacht werde. Die Klima-, Wasser- und weitere Umweltschäden fänden in den von Fachanwälten gefundenen Schlupflöchern kaum noch Beachtung.

„In Sachen Fracking hat die Gemeinde Welver Flagge gezeigt, um auch den uns Nachfolgenden eine lebenswerte Umwelt zu erhalten. Gleiches sollte Welver in Sachen Tierhaltung tun, um ökologisch orientierten Landwirten die Chance zu geben, ihre Produkte zu angemessenem Preis auf den Markt zu bringen“, heißt es im Grünen-Antrag wörtlich.

Im Wissen darum, dass die Gemeinde industrielle Intensivtierhaltung rechtlich oft nicht verhindern könne, soll durch den beantragten Ratsbeschluss ein „deutliches Zeichen“ gesetzt werden, dass Welver auf das Produkt Fleisch aus der Massentierhaltung keinen Wert lege, sondern lieber die gesund produzierten Produkte der heimischen Landwirtschaft genießen wolle. „Deshalb ersuchen wir den Rat, dem obigen Antrag zuzustimmen“, so Grünen-Fraktionschefin Cornelia Plaßmann.

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