Borkenkäfer im Anmarsch

Gefahr für den Wald: Die Bäume leiden - und haben einen Feind

Die farbigen Kreuze auf den Bäumen bedeuten, dass hier demnächst gefällt wird. Durch zu wenig Wasser wurden die Bäume anfällig, viel Totholz ist zu sehen. Förster Allan Mitchell (mit Hund Carson) behält alles im Blick.
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Die farbigen Kreuze auf den Bäumen bedeuten, dass hier demnächst gefällt wird. Durch zu wenig Wasser wurden die Bäume anfällig, viel Totholz ist zu sehen. Förster Allan Mitchell (mit Hund Carson) behält alles im Blick.

Der erste Eindruck täuscht im Wald bei Nateln auf jeden Fall: Den Bäumen geht es offensichtlich nicht gut. 

Welver – Und auch wenn die Baumkronen nach dem Regen der vergangenen Tagen auf den ersten Blick ziemlich grün aussehen, erstickt Allan Mitchell von Wald und Holz NRW den Optimismus im Keim. 

Der Wald sei generell in keinem guten Zustand, meint der Revierförster. Im Naturschutzgebiet Wierlauke bei Nateln müssen nun einige Buchen am Wegesrand gefällt werden, weil sonst die Sicherheit gefährdet wäre.

Der Grund für die Instabilität ist in der derzeitigen problematischen Situation der Wälder zu suchen. Allan Mitchell erklärt zunächst, dass in diesem Bereich der Wierlauke nach dem Forstrecht die Verkehrssicherungspflicht greife, weil es sich um einen wichtigen Weg handele. Bei Kontrollen seien die Bäume direkt am Rand des Waldstücks aufgefallen und würden nun in den nächsten Wochen gefällt- gekennzeichnet sind sie schon. 

Bei näherem Hinsehen fällt auf, dass eben nicht nur Fichten mit dem Borkenkäferproblem zu kämpfen haben, sondern auch die Buchen und Eichen nicht unbeschadet durch die vergangenen Jahre gekommen sind. Viel Totholz ist zu entdecken, an vielen Stellen löst sich auch die Rinde, lichte Kronen zeugen von dem Stress, dem die Bäume ausgesetzt sind. Eine Folge davon ist der Sonnenbrand, den die Bäume bekommen können. 

Viel zu trocken sei es gewesen, meint Allan Mitchell, das sei auch immer noch so. In den vergangenen zwei Jahren sei dies so gewesen und auch im Frühjahr sei im März und April nicht genug Regen gefallen. Für die Buchen mit flachen Wurzeln ein großes Problem, was man nun sehe in den Wäldern auch in Welver. Der Grundwasserspiegel müsse dringend steigen, so Mitchell.

Wenn erst die Baumkrone absterbe, sei es auch um die Wurzeln schlecht bestellt, weil der Baum das Wasser schlecht aufnehme - oder eben durch den gesunkenen Grundwasserspiegel viel weniger zur Verfügung stehe. Der Klimawandel zeigt hier bereits Folgen.

Revierförster wie Allan Mitchell haben den Wald im Blick und können den Waldbesitzern beratend zur Seite stehen. Für bestehende Wälder gebe es bei den Schäden wie etwa den Fichten kaum eine Lösung, bei der Wiederaufforstung nach dem Fällen der erkrankten Bäume werde aber darauf geachtet, dass man möglichst eine Baumart passend zum Boden pflanze.

Neben den Buchen sehe man in den Wäldern der Region auch die Entwicklung bei den Eichen nicht ohne Probleme. Zwar habe die Stieleiche mit ihren langen Pfahlwurzeln gute Voraussetzungen in der Gegend, doch schlage hier der Eichenprachtkäfer zu – wie der Borkenkäfer ein Schädling, so Mitchell. 

Erkennbar wird das an einem doch stattlichen Exemplar, wenn man genauer hinsieht. Die Rinde erscheint bröckelig, kahle Äste gibt es auch, ein Anzeichen, dass der Eichenprachtkäfer bereits „zugeschlagen“ hat. Im Winter müsse dieser Baum gefällt werden, betont Mitchell. Dann werde ein „Sanitärhieb“ durchgeführt, damit nicht noch der restliche Bestand in Mitleidenschaft gezogen werde. 

Und um die besorgniserregende Bilanz noch zu erweitern, hat auch die Esche zu leiden. Hier sei das Eschentriebsterben ein Problem, verursacht durch einen Pilz aus Asien.

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