Welver: Wahlkampf ohne Publikum

Familienmensch: Karl-Heinz Ricken mit Ehefrau Dagmar und den Enkeltöchtern.

Im September steht die Kommunalwahl an, doch wegen Corona fiel der Wahlkampf dafür bisher völlig flach. Karl-Heinz Ricken geht jetzt aber trotzdem auf Stimmenfang - auf neue Art und Weise. 

Welver – In hundert Tagen ist Rathauswahl. Davon ist derzeit wegen Corona wenig zu spüren: Keine öffentlichen Termine, kein Kandidaten-Rennen, kein Wahlkampf. Karl-Heinz Ricken ist einer der vier Anwärter, die am 13. September gern Bürgermeister in Welver werden wollen. Doch im Gegensatz zu seinen drei Konkurrenten ist er neu hier und versucht, sich trotz der vielen Ein- und Beschränkungen durch die Pandemie bekannt zu machen.

Vergangene Woche war wieder so ein Pflichttermin. Ratssitzung in Scheidingen, die Tische und Stühle meterweit auseinandergestellt. Mundschutz. Und Ricken nur als Zuhörer zwischen den anderen. Immerhin: Nach der Debatte ergibt sich draußen auf dem Schützenhof doch noch die Gelegenheit, mit ein paar Welveranern kurz zu sprechen. 

Andere Vorzeichen als geplant

Als er sich im Januar bei der CDU und Bürgergemeinschaft bereit erklärte zu kandidieren, ist er von etwas völlig anderem ausgegangen: Termine, Gespräche, Treffen, Leute und ihre Wünsche und Nöte kennenlernen, herausfinden, was „gut und was schlecht in Welver läuft. „So aber kann ich nicht meine Stärken ausspielen“, sagt der 61-Jährige.

Er wolle mit den Menschen reden, ihnen nicht etwas vorsetzen. Sein Credo, das er nun schriftlich über soziale Netzwerke in der Gemeinde verbreitet: „Ein guter Bürgermeister muss in der Lage sein, die vorhandenen Probleme zu lösen. Nicht im Gegeneinander, sondern im Miteinander.“ Fürs Erste muss er solche Botschaften über Facebook und die Seite „Warum Welver?" verbreiten und dort per Video oder in Textform erläutern, was ihn als Sassendorfer nach Welver geführt hat. In ein paar Tagen soll noch Instagram als weitere Plattform hinzukommen. 

Untypischer Wahlkampf

Mit Hilfe des Internets hat er immerhin schon 25 Aktive aus Welvers Junger Union kennengelernt. Mit dem CDU-Nachwuchs chattete Ricken per Video-Schalte. Mit seinem Rennrad hat er schon ein paar hundert Kilometer kreuz und quer durch Welver und die 20 Ortsteile abgestrampelt. Wobei dieser Begriff es ganz gut trifft: Auf so einen untypischen Wahlkampf war niemand vorbereitet. Ricken hat extra seine Urlaubspläne für den Sommer hintenangestellt, um seine freie Zeit möglichst viel in Welver einzusetzen. Doch Präsenz gab es bislang nur einmal beim Treffen mit den Ortslandwirten, Ende Februar in Recklingen.

Da hielten die meisten Corona noch füreine fernöstliche Spezialität, die uns hier in Europa nicht sonderlich interessieren müsse. „Im Juli“, so hofft der Bürgermeister-Kandidat, „gehe ich fest davon aus“, dass es wieder erlaubt sein werde, Menschen in großer Zahl zu treffen und somit Wahlkampf machen zu können. Bis dahin gilt die Devise: Demnächst bei der Schützenmesse in Scheidingen werde er dabei sein, „einfach nur da sein“; vielleicht ergibt sich ja auch hier nach dem Gottesdienst der ein oder andere Smalltalk.

 „Neutralität als Vorteil“ 

Doch egal, wie viel Gelegenheit sich findet, womöglich sogar für einen intensiveren Austausch: Über seine drei Mitbewerber werde er „garantiert nichts sagen“. Er wolle sich auf seine Person und seine Fähigkeiten konzentrieren. Zu denen zählt er die 40 Jahre Verwaltungsarbeit „von der Pieke auf“, derzeit in Bürgermeister-Stellvertreter-Position in Sassendorf, wo er als Kämmerer die Finanzen beackert und sich obendrein um Personal und Organisation kümmert.

Mit diesem Pfund wolle er ab Mitte September auch in Welver wuchern. Sein Ziel: Das Team im Rathaus müsse wieder das Gefühl bekommen, stolz auf seine Arbeit für die Bürger zu sein. Dass seine drei Gegenspieler weitaus mehr mit dem Rathaus und den Leuten und Wählern verbunden sind, nimmt er gelassen: „Ich sehe meine Neutralität als Vorteil.“

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