Kandidaten-Check in Welver

Vier verschiedene Pläne: Was passiert mit der Bördehalle?

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Die Zukunft der Bördehalle am Sportplatz ist ungewiss. Die Politik hat sich bei diesem Thema bisher zurückgehalten.

Welver – Wie wichtig ist die Bördehalle für Welver? Nachdem die vier Bürgermeister-Kandidaten sich in der vergangenen Woche bezüglich der Gestaltung der Ortsmitte weitgehend einig waren, haben sie jetzt sehr verschiedene Meinungen.

Die Bördehalle war bislang ein Tabu-Thema im Wahlkampf. Umso wichtiger, dass nun Klartext gesprochen wird. Die 50 Jahre alte Mehrzweckhalle ist marode, Dach und Heizung müssen früher oder später erneuert werden, manche Bürger sprechen schon von einer „Schrott-Immobilie“. Die realistischen Möglichkeiten: Sanieren, Ersetzen oder Abreißen – ohne Neubau. Im Haushalt für 2020 war kein Cent für das Gebäude am Sportplatz eingeplant. So blieb das Problem auch in diesem Jahr wieder ungelöst. Vor allem die Horrido-Schützen, die die Halle gepachtet haben und untervermieten, hängen nach wie vor in der Luft. 

Vier konkrete Optionen hatte Wirtschaftsförderer Detlev Westphal bereits im Dezember vorgelegt. Ein Gutachter hat dazu die Kosten errechnet. Der Erhalt und die Renovierung der Bördehalle lägen bei 5,4 Millionen Euro, ein Abriss und Neubau in gleicher Größe würde 5,2 Millionen Euro in Anspruch nehmen. Bei einer deutlich kleineren Halle für höchstens 600 Besucher (heute passen mehr als doppelt so viele hinein) wären wohl 2,7 Millionen Euro fällig. Und die Halle ersatzlos abzubrechen, was für viele kaum in Frage kommt, kostet 2,5 Millionen Euro. 

Unsere Frage

Wir hatten die vier Anwärter auf den Chefsessel im Rathaus gefragt, was aus der Bördehalle werden soll und wie sie sich diesbezüglich auch die Zukunft des Jugendtreffs vorstellen. Beim wichtigsten Punkt – ob Welver die Halle braucht, auch wenn sie nur noch selten für größere Veranstaltungen wie den Karneval genutzt wird – sind sich fast alle einig. 

Lediglich Uwe Schumacher möchte weder eine Modernisierung noch einen Neubau, sondern stattdessen das Schulquartier, also beispielsweise eine neue Aula in der Grundschule, als Alternative für die Bördehalle nutzen. Die drei anderen Bewerber setzen sich dafür ein, dass Welver weiterhin eine separate Halle hat. Dass die Gemeinde in den nächsten Jahren schon an anderen Stellen (unter anderem Isek-Projekte einschließlich Marktstraße) viel investieren möchte, sehen sie dabei offensichtlich nicht als Hindernis. 

Auf die Frage, wie die Halle denn fortbestehen soll oder kann, äußern sich die drei aber unterschiedlich: Karl-Heinz Ricken hält grundsätzlich einen Neubau mit Fördermitteln für sinnvoll – auf die Größe geht er nicht ein. Camillo Garzen wünscht sich eine Verkleinerung, Thorsten Teimann will hingegen die Bördehalle in ihrer jetzigen Form behalten und setzt auf das Investment eines Untermieters.

Karl-Heinz Ricken (CDU/BG)

"Der Investitionsstau der Halle mit den angrenzenden Gebäuden ist ganzheitlich zu betrachten. Es müssen alle Alternativen mit Kostenrechnungen aufgezeigt werden und es muss eine klare Aussage getätigt werden, ob und wenn ja, in welcher Form, die Bördehalle weiter bestehen soll. Vielleicht ist ein Neubau mit Fördermitteln die sinnvollste Alternative. Hier stelle ich mir die Unterstützung der Gemeinde durch Bereitstellung einer entsprechenden Fläche, Vermittlung von Fördermitteln und gegebenenfalls eines Baukostenzuschusses vor. Das Wichtigste ist Planungssicherheit und, dass man miteinander spricht."

Camillo Garzen (SPD/Grüne/FDP)

"Bereits 2017 habe ich mich intensiv mit der Bördehalle beschäftigt und ein Konzept entwickelt, das eine neue, deutlich verkleinerte, aber funktionelle Halle an gleicher Stelle vorsieht. Ein externer Gutachter bestätigte diese Sichtweise 2019 im Rat. Wer die Halle letztendlich betreiben soll, muss noch entschieden werden. Im Konzept habe ich dazu verschiedene Möglichkeiten erarbeitet. Der Jugendtreff muss nicht nur erhalten, sondern auch im Sinne der Nutzer weiterentwickelt werden. Ob er unbedingt an der Veranstaltungshalle platziert sein muss, ist zu hinterfragen. Beide Projekte sind möglich."

Thorsten Teimann

"Die Halle ist in die Jahre gekommen, ein Investitionsstau ist unverkennbar. Abriss und Neubau – auch in kleinerem Format – sind laut Gutachten teuer. Im engen Dialog mit Politik, Bürgern, Vereinen und Schützen müssen also endlich einmal neue Wege beschritten werden. Eine Übergangslösung kann dabei die Kooperation mit dem „privaten Untermieter“ sein, der – wie er mir versicherte – langfristig in den aktuellen Bau investieren möchte. Gesellschaftliche Veranstaltungen wären im üblichen Umfang gesichert, der Jugendtreff behält seinen Platz und die Schützen könnten auch weiter die Empore nutzen."

Uwe Schumacher

"Die Sanierung der Bördehalle sprengt den finanziellen Rahmen. Für fünf Veranstaltungen im Jahr, bei denen die Halle tatsächlich gefüllt ist, ist ein Neubau in gleicher Größe oder eine Modernisierung im Bestand nicht gerechtfertigt und wirtschaftlich. Grundsätzlich möchte ich – wie bereits geschehen – die Horrido-Schützen bei den weiteren Überlegungen beteiligen. Einen größeren Veranstaltungsraum mit bis zu 400 Plätzen kann ich mir durchaus in dem neu zu planenden Schulquartier an der Grundschule Welver vorstellen. Für den Jugendtreff – für Welver eine feste Bank – findet man immer eine Lösung."

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