Viele Dörfer: In Welver stößt das Schulbus-System an seine Grenzen

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Gefährlicher Schulweg.

Welver – Egal ob in Dinker, Berwicke oder einem anderen der vielen Dörfer Welvers: Wer hier weitab vom Schuss lebt, kriegt die Abgeschiedenheit spätestens dann zu spüren, wenn die Kinder in die Schule gehen.

Bei Facebook läuft gerade eine große Redeschlacht, was Mütter und Väter bisweilen durchmachen, damit ihr Steppke sicher ans Ziel und zurück kommt. 

Ramona Keim hat den Stein ins Rollen gebracht. Sie wollte mit ihrem Netzeintrag eigentlich nur „schauen, ob ich mit meinem Problem allein ist“. Und löste prompt eine kleine Lawine aus. Denn vielen anderen Eltern und Kindern auf dem Land geht es nichts anders als den Keims aus einer Bauernschaft bei Dinker. 

Ihre Tochter soll aufs Ursulinen-Gymnasium in Werl. Tatsächlich fährt ein Bus von Welver dorthin. Abfahrt ist um 6.48 Uhr. Um den Bus zu kriegen, müsste das Mädchen aber erst einmal viereinhalb Kilometer über eine viel und schnell befahrene Landstraße ohne Fuß- und Radweg laufen oder radeln – oder sich von seinen Eltern bringen lassen, berichtet die Mutter. 

Als die Tochter noch zur Grundschule in Welver ging, so Keim, hätten die Eltern aus dem Rathaus erfahren, so ein Weg sei doch auch ohne Bus zumutbar. 

Andere Eltern schildern auf Facebook die gleichen oder ähnlichen Erfahrungen. Eine Mutter rät: „Kämpfen und die Probleme immer wieder ins Bewusstsein der politisch Agierenden rufen.“ Eine andere Welveranerin befürchtet: „Etliche Eltern nehmen das Jahr für Jahr stillschweigend hin.“ 

Manche, die da gerade mitdiskutieren, kommen mit ganz praktischen Vorschlägen (Taxibus, gemeinsamer Mietwagen, Fahrgemeinschaften). Andere reagieren aber auch frustriert und kommen den Betroffenen mit Häme: Die Eltern sollte die nächste Schule ansteuern, und „nicht jede Regenbogen-Einhorn-Schule in Hintertupfing“, nur weil es dem Kind da so gut gefällt. 

Auf die Gesetzeslage verweist Detlev Westphal, Fachbereichsleiter in der Gemeinde Welver. Bustickets gebe es stets nur für die Tour zur „nächstgelegenen Schule“. Wer etwas anderes wünsche, müsse den Rest-Weg selber zahlen. „Die Eltern sind sich durchaus bewusst, einen Eigenanteil zu tragen“, so Westphal. Schon bei der Anmeldung der Kinder würde auf diese Praxis hingewiesen. 

Die nächstgelegenen Schulen für die Sekundarstufe I liegen nach Auskunft der Verwaltung in Soest; Busverbindungen dorthin existierten. Grundsätzlich aber sei es Aufgabe der Eltern, für den Transport ihrer Kinder zu sorgen, sagt der Fachbereichsleiter. Und es sei „auch zumutbar, hierfür gewisse Einschränkungen in der privaten Lebensführung hinzunehmen oder den Alltag umzustrukturieren“. 

Der gesetzlichen Rahmenbedingungen sind sich die Eltern durchaus bewusst, sagt Ramona Keim, und auch Zuzahlungen zum Schülerticket gehörten dazu. Doch es gehe einfach um mehr Unterstützung für die Familien, die „mitten in der Pampa“ wohnen.

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