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Versetzte Ortstafel als Tempobremse

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Von: Dirk Wilms

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Die Ortstafel von Dinker befindet sich neuerdings vor der Einfahrt des Feuerwehrgerätehauses.
Die Ortstafel von Dinker befindet sich neuerdings vor der Einfahrt des Feuerwehrgerätehauses. © Dirk Wilms

Gut Ding will Weile haben! Unzählige Male trafen die Beteiligten wie Straßen NRW als Baulastträger, der Kreis Soest als Straßenverkehrsbehörde, die Polizei und die Vertreter der Gemeinde Welver zusammen, begutachteten die Lage vor Ort, berieten über mögliche Maßnahmen. Denn die Bürger von Dinker spüren tagtäglich, dass der Hellweg seit dem Ausbau vor gut vier Jahrzehnten zu einer Rennstrecke mutiert ist. Jetzt wurde eine Maßnahme umgesetzt, um die Geschwindigkeit der in den Ort einfahrenden Autos und Lkw zu bremsen. Denn das Ortseingangsschild am östlichen Dorfrand wurde versetzt.

Dinker - Jetzt steht es vor der Einfahrt zum neuen Feuerwehrgerätehaus. „Ich bin froh, dass die Umsetzung in so kurzer Zeit erfolgt ist“, zeigte sich Dinkers Ortsvorsteher zufrieden über den Erfolg seiner Bemühungen. „Nach dem Bau des Feuerwehrgerätehauses waren drei neue Laternen gesetzt worden, da war das Ortsschild nur noch schlecht erkennbar“, schildert Schütze die bisherige Lage. Jetzt ist das Schild viel besser zu erkennen und steht eben auch gut 50 Meter weiter in Richtung Nateln.

Schon in den vergangenen Jahren hatte es immer wieder Diskussionen um die Temporeduzierung auf dem Hellweg gegeben. Denn schnurgerade führt die L670 als Hauptverbindungsstrecke zwischen Hamm und Soest durch den Welveraner Ortsteil, entsprechend hoch frequentiert ist die Straße. „Gerade morgens zwischen sieben und neun sowie nachmittags zwischen 15 und 18 Uhr ist es übel“, skizziert Schütz die Situation in seinem Dorf.

„Und nachts wird geballert“, weiß er um die Disziplinlosigkeit vieler Verkehrsteilnehmer. Besonders heftig empfinden die Dinkeraner den Lkw-Verkehr. „Viele 30-Tonner nutzen den Hellweg als Verbindung zwischen der A2 in Uentrop und der A44 in Soest“, sieht Schütz immer häufiger dicke Brummer durch Dinker brettern. „Zur Hochzeit von Corona war es ruhiger, jetzt ist es aber wieder schlimmer geworden.“

Gefahr bei Beerdigungen

Auch Pfarrer Werner Vedder berichtet von kritischen Situationen in seiner Gemeinde. „Es wird in der Tat sehr schnell gefahren. In der Woche ist es der Berufsverkehr, am Wochenende sind es die Motorradfahrer, die von Hamm ins Sauerland fahren“, halten sich seinen Beobachtungen nach nur wenige Verkehrsteilnehmer an die vorgeschrieben 50 km/h. Richtig gefährlich sei es bisweilen an der Einmündung der Lippestraße. „Ich habe erlebt, dass sich Autofahrer rücksichtslos einen Weg durch einen Trauerzug gebahnt haben, der zum neuen Teil des Friedhofs unterwegs war“, hat Vedder kein Verständnis für ein solches Verhalten.

Ähnlich kritisch betrachtet Ange Pier-Ribbert, Wirtin vom Gasthof Witteborg, die Situation. „Das sind die Sünden der 70er-Jahre. Der Ausbau der Ortsdurchfahrt wurde damals als Errungenschaft gesehen, heute ist es eine Einflugschneise“, erzählt sie, dass eine Unterhaltung in der Gaststätte bei geöffneten Fenstern bisweilen kaum noch möglich ist angesichts der Lautstärke der vorbeirauschenden Fahrzeuge.

Ortsvorsteher Schütz ist heilfroh, dass die knapp einen Kilometer lange Ortsdurchfahrt durch einen Zebrastreifen gequert wird, von Hamm aus gesehen kurz vor Anges Gasthof Witteborg. „Heute würde der wahrscheinlich nicht mehr genehmigt“, weiß er um die aus seiner Sicht skurrilen Werte in Sachen Verkehrszählung, die eher nach Hamm oder Dortmund passen würden.

Als Tempobremse wirkt sich auch das alte Haus aus, das gegenüber Witteborg direkt bis an die Kante der Fahrbahn ragt. Ange Pier-Ribbert hat dieses Gebäude erworben, in dem einst Kurzwaren erworben werden konnten. „Ich habe hier meinen ersten Kittel gekauft“, erinnert sich die Wirtin, die es nun in ein schmuckes Wohngebäude umbauen will. Ein Abriss kommt nicht in Frage. „Es schützt ja auch den Kirchplatz vor dem Lärm der Straße.“

Seitenradarmessung

Hier sind Baken aufgestellt und signalisieren den Autofahrern die Engstelle. Maßnahme zur weiteren Markierung des Bereichs sind in der Planung. Denn ein Gehweg existiert an dieser Stelle nicht, sehr wohl aber Parkbuchten auf der südlichen Seite des Hellwegs.

Gespannt blickt Ortsvorsteher Sebastian Schütz der angekündigten Seitenradarmessung entgegen. Wie Christoph Sprenger vom Bau- und Straßendezernat des Kreises Soest erläuterte, geht es dabei darum, mit einem an einem Messgerät die Anzahl der Fahrzeuge und deren Tempo zu erfassen. Es dient nicht zum Verhängen eines Bußgeldes.

Aus der Auswertung ergeben sich Schlussfolgerungen, inwieweit Maßnahmen zur Eindämmung und Kontrolle des Verkehrs vorzunehmen sind. Sprenger verweist auf die Kennzahl V85. Wenn diese nicht überschritten wird, bedeutet es, dass sich 85 Prozent in etwa an das Tempolimit halten. Dabei gelten Geschwindigkeiten von bis zu 55 km/h innerorts noch als hinnehmbar. Bei 60 km/h hingegen wird Handlungsbedarf erkannt.

Für die Dinkeraner keine Frage, dass dieser besteht. Sie hätten gern viel einschneidendere Maßnahmen, um der Raserei auf dem Hellweg ein Ende zu setzen, sie zumindest einzudämmen. Auch Kreisverkehre an der Lippestraße und an Feldstraße wurden schon mal in die Diskussion eingebracht. Und Tempo 30 innerorts ist schließlich auch in der Debatte.

Mit einer regelmäßigen Geschwindigkeitskontrolle wäre den Bewohnern des Welveraner Ortsteils aber auch schon geholfen. Hier ist laut Christoph Sprenger die Polizei am Zug, während der Kreis an Gefahrenstellen blitzt. Eine stationäre Säule wie an der B 475 in Hultrop gibt es an 16 Stellen im Kreisgebiet. Der Hellweg in Dinker ist aber eben bislang noch nicht als besonders gefährlicher Abschnitt eingestuft worden.

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