Dicke Luft in der Eurobahn

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So wenig Leute steigen morgens zur Stoßzeit nicht in die Eurobahn in Welver ein.

WELVER ▪ Wenig Platz, wenig Information, wenig Pünktlichkeit: Dieses Problem ärgert die Nutzer der Bahn im Winter fast jeden Morgen. Die Eurobahn versucht sich zu erklären, findet aber so recht keine Lösung.

Schüler und Arbeitnehmer drängen sich auf engstem Raum in der Eurobahn, warten im Borgeler Bahnhof auf die Weiterfahrt in den versprochenen „wenigen Minuten“. Keiner traut sich auszusteigen, die Luft wird immer dünner. Einer dieser Fahrgäste störte vor allem eins: „Warum hat uns die ganze Zeit keiner informiert, wann es weitergeht?“

„Ich habe einfach kein Verständnis für diese Nicht-Information“, sagt dieser Fahrgast, der namentlich nicht genannt werden möchte. Er fährt jeden Morgen von Welver nach Soest mit dem Zug zur Arbeit. Laut Plan eine Sache von sechs Minuten. Am Donnerstagmorgen um 7 Uhr brauchte er vierzig Minuten. Durch eine Weichenstörung waren zwei Gleise im Soester Bahnhof gesperrt, so dass der Kurzzug, den die Eurobahn eingesetzt hatte, in Borgeln nicht mehr weiterfahren konnte. Der Zugführer gab zu Beginn die Information, dass sich die „Weiterfahrt um wenige Minuten verzögert.“ Danach folgte nichts. Aus diesen wenigen Minuten wurden über zwanzig Minuten und die Fahrgäste waren ratlos, wann es weiter geht. „Es waren auch Schüler im Zug, die zu wichtigen Klausuren mussten und die Anschlussbusse waren dann natürlich schon weg“, war er bedient. „Hätte man gewusst, wann es weitergeht, hätte man sich ja auch in einem Taxi zusammentun können“, ärgert er sich. Doch ohne Durchsage hätte die Fahrt auch jede Minute weitergehen können.

Mathias Wieland, Pressesprecher der Keolis GmbH, versucht zu erklären. „Die Zugführer kriegen, sobald eine Ampel auf Rot steht, auch nur die Information, dass sie nicht weiterfahren dürfen. Sie wissen häufig auch nur so viel wie die Fahrgäste selbst.“ Der Fahrdienstleiter, der die Strecken überblickt und die Züge koordiniert, müsse sich meistens um so viel kümmern, dass es für genauere Informationen nicht reiche. Zeitangaben seien meistens unmöglich, weil keiner wisse, wie lange es dauert, wenn das Problem nicht bekannt sei. „Wir schweigen nicht aus Bösartigkeit“, beteuert Wieland.

Am Donnerstagmorgen habe sogar der Fernverkehr über Bockum-Hövel umgeleitet werden müssen – viel Arbeit für die Fahrdienstleiter. Hinzu kommt, dass der Fernverkehr der Bahn, der zur Zeit auch massive Verspätung hat, Vorrang hat und die Eurobahn auf verspätete Fernzüge in den Bahnhöfen beim Abbau der Verspätung warten muss. Solange ein Zugführer keine genauen Informationen über den Zeitpunkt der Weiterfahrt besitzt, „ist es meistens besser, erst etwas zu sagen, wenn man definitiv weiß, was los ist“, meint Wieland, dass weitere ratlose Durchsagen mehr Verwirrung stiften würden.

Doch nicht nur die schlechte Informationslage im Zug, auch die Enge war dem Fahrgast ein Dorn im Auge. Ein Kurzzug, sprich nur ein Abteil, zur Stoßzeit, wenn alle Schüler und Arbeitnehmer von Welver nach Soest wollen – Gedränge ist programmiert. „Manchmal stellen wir lieber nur ein Abteil, als den Zug ganz ausfallen zu lassen“, lautet Wielands deutliche Antwort.

Aktuell befinden sich zwei Züge der Eurobahn für längere Zeit in der Werkstatt. Hinzu kommt, dass aktuell witterungsbedingt Schnee, Split und Eis die Elektronik an den Zügen beschädigen und so auch weitere Abteile kurzfristig ausfallen. „Da muss man im Winter aber einfach mit rechnen“, wirbt Wieland um Verständnis. „Wir sind bemüht, in der Stoßzeit zwei Abteile anzubieten, können aber bei der Witterung keine Garantien übernehmen.“

Der Fahrgast hat schon seit längerem Konsequenzen gezogen, er fährt nun morgens schon um 6.13 Uhr mit dem Regionalzug der Deutschen Bahn. Ausnahmsweise fuhr er Donnerstagmorgen mit der Eurobahn um 6.54 Uhr – und war gleich mittendrin im Verspätungschaos.

Das Fazit wohl für alle, die den Zugverkehr nutzen: Verspätungen muss man vor allem im Winter immer einplanen. ▪ lel

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