Leitungskontrollen in Welver abgeschlossen

ABC-Alarm in Seniorenheim: Westnetz nennt wahrscheinliche Ursache für Gasaustritt

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ABC-Einsatz der Feuerwehr

[Update, 13 Uhr] Nach dem ABC-Alarm im Seniorenheim am Klostergarten in Welver muss nun geklärt werden, wie es zum gefährlichen Gasaustritt kommen konnte. 

  • In Welver gab es einen ABC-Alarm.
  • In einem Seniorenheim strömte Gas aus.
  • Warn-App NINA alarmierte die Bevölkerung.

Welver - Der Zentralort in Welver war bis in den Freitagabend hinein ohne Strom und Gas. Grund war ein Gasaustritt an einer Keller-Leitung im Seniorenheim Klostergarten, der am Mittag auffiel und weitreichende Konsequenzen hatte. 

ABC-Alarm in Welver: Einleitung eines Strafverfahrens möglich

Update, 13 Uhr: Drei Trupps der Firma Westnetz waren am Samstag seit 8 Uhr mit so genannten Gasmesssonden auf den Straßen in Welver unterwegs. "Die Mitarbeiter sind die 30 Kilometer langen Leitungen abgelaufen. Die Messsonden erschnüffeln kleinste Mengen von Gas", erklärt Christoph Brombach, Pressesprecher von Westnetz. "Es ist kein weiterer Gasaustritt aufgefallen."

Auch die Feuerwehr Welver sieht den Einsatz "als abgeschlossen" an. Ein Mitarbeiter der Polizeileitstelle sagt, dass er nicht weiß, ob oder wann ein Strafverfahren eingeleitet wird.

"Ein Strafverfahren wird dann eingeleitet, wenn die Leitungen manipuliert worden sind oder Fahrlässigkeit vorliegt", sagt Brombach. Ob das beim Gasaustritt im Seniorenheim in Welver der Fall ist, müsse nun aufgearbeitet und analysiert werden. 

Anders als zuerst angenommen, stehe der Gasaustritt im Seniorenheim wohl nicht mit den Westnetz-Arbeiten an umliegenden Gasleitungen in Verbindung. In Welver werde derzeit eine Gasregelstation aufgebaut, so Brombach. "Unser Netzbetriebsmeister geht nicht von menschlichem Versagen, sondern von einem technischen Defekt eines Bauteils aus."

In die Niedrigdruckleitungen des Seniorenheims war kurzzeitig zu hoher Druck geleitet worden, so Brombach. Im Kellergeschoss des Altenheims kam es deshalb zum Gasaustritt. "Das kommt sehr selten vor." Der Druck im Netz werde ständig überwacht, Unregelmäßigkeiten sofort lokalisiert und behoben. "Deshalb waren die Mitarbeiter von Westnetz 20 Minuten nach der Warnung interner Überwachungssysteme vor Ort, um den Schieber zu schließen und den Druck raus zu nehmen." 

Damit war der Gasaustritt gestoppt und die Gefahr für die Bewohner des Seniorenheims gebannt. "Ein Luft-Gas-Gemisch kann schnell zur Explosionsgefahr werden. Schon das Betätigen eines Lichtschalters oder der Betrieb eines elektrischen Gerätes können dabei als Zündfunke wirken", schreibt die Feuerwehr auf Facebook.

Auch die Anwohner scheinen, beruhigt aufatmen zu können. "Wir haben das gesamte Netz zwei Mal kontrolliert", sagt Brombach. "Die Gasnetzkontrolle in Welver konnte ohne Auffälligkeiten beendet werden."

Die meisten der rund 12.000 Bewohner in Welver hätten verständnisvoll reagiert, sagte ein Feuerwehrsprecher am Samstag.

ABC-Alarm in Welver: So sieht die Lage vor Ort aus

Update, 22.45 Uhr: Welver ist komplett wieder mit Gas und Strom versorgt beziehungsweise am Netz und damit herrscht Normalzustand. Am Samstag werden die Gasnetze nochmals von Westnetz kontrolliert und auch die Haushalte, bei denen niemand angetroffen werden konnte, noch einmal benachrichtigt.

Update, 22.32 Uhr: Entwarnung auch von NINA: Die App gibt bekannt, dass das der Stromausfall in Welver behoben wurde. Auch unsere Mitarbeiter bestätigen: Ganz Welver ist wieder am Netz.

Update, 21.54 Uhr: Großer Jubel in der "Smiths Aue": Auch im Süden von Welver ist der Strom wieder da.

Update, 20.59 Uhr: Die Warn-App NINA hat die Warnung zum Gasalarm in Welver soeben aufgehoben.

Gasalarm im Wohnpark Klostergarten

Update, 20.46 Uhr: Die Mitarbeiter von Westnetz müssen in jedes einzelne Haus oder zumindest in die Gärten, um die Haushalte zu kontrollieren. Wenn sie Bewohner nicht antreffen, notieren sie die jeweiligen Adressen und kontaktieren diese später. Erst wenn der jeweilige Haushalt durchgecheckt wurde, kann er wieder ans Netz genommen werden. 

Mitarbeiter von Westnetz gehen durch die Straßen: Sie müssen bei allen Haushalten überprüfen, ob diese wieder ans Stromnetz genommen werden können.

Update, 20.27 Uhr: Es gibt noch immer keinen Strom in allen Teilen von Welver. Laut Informationen des Westnetz-Pressesprechers, müssen noch 250 Haushalte kontrolliert werden. In zehn Kolonnen sind die Mitarbeiter von Westnetz unterwegs, sie kontrollieren erst alle einzelnen Haushalte, bevor überall wieder Strom und Gas verfügbar sein werden.

Christoph Brombach von Westnetz sagte, man hoffe in ein bis zwei Stunden mit den nötigen Arbeiten fertig zu sein. Einer der Mitarbeiter sagte beim Kontrollgang der Grundstücke, dass es durchaus auch noch drei Stunden dauern könnte.

Teile von Welver werden nach und nach wieder ans Netz gelegt. Im Osten ist dies bereits der Fall.

Update, 19.58 Uhr: Überall im Ort verteilt sind  Westnetz-Wagen zu sehen. Die meisten Fahrzeuge stehen gerade bei der Avia-Tankstelle an der Bahnhofstraße.

Am Nachmittag wurde in der Bördehalle zwischenzeitlich eine Sammelstelle für 16 Patienten aus dem Klostergarten eingerichtet. Einkaufen ist nicht möglich, es könnte am Samstag also ziemlich voll werden in Edeka, Aldi, Penny und Co. Ventilatoren und Klimaanlagen funktionieren gerade natürlich auch nicht - und das ausgerechnet am bislang heißesten Tag des Jahres.

Kein Gas, kein Strom: Fußball geht trotzdem.  

Eine Mutter vor der Bördehalle sucht bereits vergeblich nach einer Möglichkeit, Wasser zu erhitzen, um ihr Baby zu füttern.

Was allerdings noch geht: Fußball. Das Spiel auf dem Kunstrasen des Buchenwald-Sportplatzes wurde um 19:30 Uhr wie geplant angepfiffen. Der Spielbericht wurde am Tablet ausgefüllt, Flutlicht ist noch nicht notwendig. Und nach dem Spiel ist das Wasser in den Duschen hoffentlich wieder warm.

Update, 19.20 Uhr: Der Zentralort wirkt wie ausgestorben. Alle Supermärkte sind geschlossen, selbst die Tankstelle und der Kiosk sind zu. Aktuellen Informationen zufolge soll der Strom ab 20 Uhr wieder fließen.

ABC-Alarm in Welver: Selbst der Kiosk ist dicht.

Wohnpark-Hausmeister Dimitrius Tsakiris war es, der den Gasgeruch wahrnahm. Er rannte in den Keller des Wohn- und Pflegeheims und drehte den Schieber zu. „Ich wusste erst nicht, woher der Geruch kam“, berichtete er anschließend. „Doch die Schieber und Riegel kenne ich natürlich.“ Sein Kollege Rainer Hesse folgte ihm kurz darauf und schob einen weiteren, entscheidenden Riegel zu, beide haben sicher Schlimmeres verhindert. Verletzt wurde niemand.

Gas-Alarm in Welver: Alle Informationen zum ABC-Einsatz

Das Problem war damit aber nicht behoben. Zu dem Zeitpunkt – die Feuerwehr wurde um 12.36 Uhr alarmiert – war völlig unklar, wie viel Gas ausgetreten war und warum. Der Keller wurde leer gezogen, lange sah es nach einer Evakuierung des ganzen Hauses aus.

Die meisten Senioren saßen zu dem Zeitpunkt im großen Garten, währen der Energieversorger Westnetz den Strom im gesamten Ort kappte: Zu groß die Gefahr einer Entzündung, weil niemand sicher war, ob der Überdruck auf der Leitung, der zu dem Störfall geführt hatte, nicht anderswo auch auftreten würde.

Die Bahnhofstraße musste bis kurz vor 17 Uhr ab der Tankstelle „Avia“ in Richtung Kirchwelver gesperrt werden, die Bewohner wurden über Lautsprecher von der Polizei und über die Warn-App „Nina“ informiert und gewarnt: Wer Gasgeruch bei sich im Haus wahrnimmt, meldet sich sofort bei der Feuerwehr, die Keller sollten vorsorglich nicht betreten werden.

Gas-Alarm in Welver: Die Gemeinde hält den Atem an

Jetzt hielt Welver den Atem an. Wie gefährlich war die Lage wirklich? „Tatsächlich haben sich einige Bürger bei uns gemeldet“, so ein Feuerwehr-Sprecher. „Sie berichteten von Gasgeruch bei sich zu Hause.“ Die Meldungen seien sofort an Westnetz weitergeleitet worden, das Unternehmen spricht von einigen wenigen Fällen, denen man nachgegangen sei.

Gasalarm im Seniorenheim: Das Zentrum "Am Klostergarten" in Welver musste geräumt werden.

„Wir mussten die gesamte Gas- und Stromzufuhr vorsorglich kappen“, sagte Christoph Brombach, Sprecher von Westnetz,  am Freitagabend. „Wie lange das dauert, ist unklar – auch wenn das für den Handel im Ort natürlich unangenehme Einschränkungen bedeutet.“

Seit dem Nachmittag werden die Gas-Hausanschlüsse stichprobenartig auf Funktionsfähigkeit überprüft. Nach dieser Überprüfung des Gasnetzes und einzelner Anschlüsse soll auch hier die Versorgung mit Gas und Strom wieder hergestellt werden.

Konnten Schlimmeres verhindern: Hausmeister Rainer Hesse links und Dimitrius Tsakiris.

Brombach: „Wir gehen davon aus, dass der Überdruck sich nur in der Leitung am Klostergarten ausgewirkt hat.“ Ursache für die Störung waren offenbar Bauarbeiten in der Nähe. Währenddessen stieg die Unruhe im Wohnpark. Einer der Bewohner wird dort derzeit über ein Gerät beatmet. Das Gerät braucht Strom, der Notstrom reicht in dem Fall für vier Stunden.

Dennoch galt die Lage am Nachmittag als „entspannt“: Der Notstrom würde reichen, hieß es. Die Feuerwehr lüftete indes den Keller des Heims, eine komplette Evakuierung hatte sich später als nicht notwendig erwiesen. Bis zum Abend waren 120 Einsatzkräfte und Betreuer im Einsatz.

Bereits vor zehn Tagen kam es in Welver zu Problemen - da legte ein Stromausfall die halbe Gemeinde lahm.

Parallel läuft gerade ein Feuerwehr-Einsatz zwischen Welver und Werl: Bei einem Brand in Sönnern ist eine Person ums Leben gekommen. 

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