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Luft und Licht für die evangelische Kirche in Welver

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Von: Dirk Wilms

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Die Renovierung der evangelischen  Kirche Welver ist für 2022 geplant.
Die Renovierung der evangelischen Kirche Welver ist für 2022 geplant. © Dirk Wilms

„Jede Generation erlebt einmal eine umfangreiche Renovierung ihrer Kirche!“ Dirk Pieper vom evangelischen Kreiskirchenamt Sauerland-Hellweg weiß aus zwei Jahrzehnten Erfahrung, wie bedeutsam die anstehenden Arbeiten an der St. Albanus- und Cyriacus-Kirche in Welver sind. Letztmals war das aus dem zwölften Jahrhundert stammende Gebäude 1982 grundlegend saniert worden, jetzt muss wieder intensiv Hand angelegt werden.

Welver - Wie beim Ortstermin in dem altehrwürdigen Gemäuer deutlich wurde, müssen dabei auch diejenigen Fehler korrigiert werden, die den Verantwortlichen vor vier Jahrzehnten unterlaufen sind. Damals war das Kirchenschiff nahezu komplett entkernt worden, die Grünsandsteinfassade wurde verputzt, die Orgel aus dem Altarraum auf die Empore versetzt. Dabei wurde dieser balkonartige Überbau verlängert, darunter entstand ein tiefer und niedriger Raum im westlichen Teil des mit Bänken bestückten Innenraums.

Gunther Rohrberg, Dombaumeister des Westfälischen Dombauvereins, benennt die Schwachstellen: „Die Empore wurde von Holger Engelhardt gecheckt“, erläuterte er im Beisein des Staatlich geprüften Technikers der Baudenkmalpflege aus Werl. „Dabei stellte sich heraus, dass Bewegung in der gesamten Konstruktion ist“, bestätigten sich ihm zufolge die Befürchtungen des Orgelbauers. Der hatte bei der Restaurierung der Orgel vor zwei Jahren das Gefühl, dass der Unterbau schwankte, als er auf einer Leiter stand.

Ein weiterer Problemfall ist die mangelhafte Belüftung des rückwärtigen Teils, zudem mangelt es an Licht. „Man hat ja das Gefühl, in einen Keller zu gehen“, veranschaulicht Friedrich Schulze zur Wiesch vom Presbyterium das Problem. Vor 40 Jahren sollte die Orgel eigentlich an die westliche Wand unter dem Turm. Doch da waren zwei Streben im Weg, sodass entschieden wurde, die Orgel weiter vorn zu platzieren, dafür die Empore zu verlängern.

Diese Maßnahmen müssen nun teilweise zurückgebaut werden, denn die schlechte Belüftung hat zu Schimmelbildung in diesem Gebäudeteil geführt. So wird die Zwischendecke unterhalb des Turms zwischen den Treppen, die an den Seiten auf die Empore und weiter in den Turm führen, geöffnet. So kann Licht aus dem westlichen Fenster hinter der Orgel in den Bereich unter der Empore fallen. Zudem wird der Raum dadurch besser durchlüftet. Dazu soll auch eine Kürzung des Balkons um rund zwei Meter führen. Dass dadurch künftig kein Platz mehr vor dem Organisten für einen Chor vorhanden sein wird, muss in Kauf genommen werden.

Dafür aber dürfte der Blick von unten auf die aus dem Jahre 1733 stammende Orgel von Johannes Patroclus Möller verbessert werden. Notwendig wird dadurch, Lösungsansätze für die Statik zu finden. Eventuell soll die Umsetzung mittels Stahlträgern erfolgen. Erhalten werden soll die außergewöhnliche Brüstung, die aus einem durchgehenden Balken besteht und mit einer Höhe von über 90 Zentimetern ausreichend ist.

Zu klären ist noch die Verwendung der Bänke, die auf der Empore stehen. Sie stammen ursprünglich aus der Marienkirche in Lippstadt. „Sie kommen auf keinen Fall in den Kamin“, ist sich Friedrich Schulze zur Wiesch sicher, dass es in der evangelischen Kirchengemeinde Niederbörde eine Möglichkeit gibt, sie Bänke weiterhin zu nutzen.

Das Presbyterium der fusionierten Kirchengemeinde, zu der auch Borgeln, Schwefe und Dinker gehören, und auch Pfarrer Karl-Heinz Klapetz waren sich in allen Punkten mit Denkmalschützer Bruno Kretzschmar vom Landschaftsverband Westfalen-Lippe und Michael Fries von der Landeskirche einig, dass die von Architekt Rohrberg und Dirk Pieper vom Kreiskirchenamt ausgearbeiteten Vorschläge umgesetzt werden sollen.

Dazu gehört auch ein neuer Innenanstrich des Kirchenschiffs. Die Eingangstür soll ertüchtigt werden; dabei könnte oberhalb der Tür das derzeit mit Holz verdeckte Oberlicht verglast werden, um einen weiteren Beitrag zur besseren Sicht im Innenraum beizutragen. Schließlich geht es darum, die gesamte Elektrik auf den Prüfstand zu stellen.

Für die gesamten Maßnahmen fließen fast 50000 Euro aus dem Denkmalförderprogramm des Landes Nordrhein-Westfalen in die Niederbörde. Wie hoch die Gesamtkosten am Ende sein werden, lässt sich schwer beziffern. „Das zu prognostizieren, wäre Kaffeesatzleserei“, verweist Dirk Pieper auf die derzeit im gesamten Baubereich explodierenden Preise. Mit einer Viertelmillion ist aber allemal zu rechnen.

Bis Jahresende sollen die Ausschreibungen beginnen, damit im Laufe des Jahres 2022 die Arbeiten starten können. Die Außenfassade steht aktuell nicht auf der Agenda, wenngleich der fast 40 Jahre alte Putz an einigen Stellen bröckelt. Vor zwei Jahren war noch der Turm renoviert worden.

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