Problemfall TSF: Rote Karte für rote Fahrzeuge?

WELVER - Tragkraftspritzenfahrzeuge (TSF) sind bei der Feuerwehr seit langem im Einsatz, auch in Welver. Nun stehen sie wegen eines Gefährdungsrisikos in der Kritik, müssten im ärgsten Fall ausgewechselt werden, was arme Gemeinden vor Probleme stellt. Welvers Wehr hat zunächst mit verschärften Vorschriften reagiert.

Schon seit den 60er Jahren gibt es die Grundversion der TSF: Ein Transporter mit Platz für sechs Feuerwehrmännern, aber ohne eigenen Wassertank. Die Besatzung muss vor Ort also erst einmal eine Wasserversorgung herstellen. Die Fahrzeuge sind jedoch keine reinen Mannschaftswagen, an Bord befindet sich eine komplette Ausrüstung für die Brandbekämpfung, inklusive der namensgebenden Tragkraftspritze.

Genau hier liegt nun das Problem: Weil die Pumpe sowie sonstiges schweres Gerät nicht in einem separaten Raum aufbewahrt wird, droht bei einer Vollbremsung die Gefahr, dass die Ausrüstung durch den Mannschaftsraum fliegt und Feuerwehrleute verletzt. Bekannt ist das schon lange: „Schon seit 1992 gibt es entsprechende Gutachten“, bestätigt Kreis-Feuerwehrsprecher Michael Görge. Diese seien von der Industrie jedoch immer wieder einkassiert worden.

Erst jetzt kam wieder Schwung in die Angelegenheit, als das Technische Kompetenzzentrum der Feuerwehr aus Münster bei Überprüfungen in Erwitte das Problem erneut beanstandete. Die sechs Tragkraftspritzenfahrzeuge dort wurden daraufhin lahmgelegt, dürfen vorerst nur als Mannschaftstransportfahrzeuge weiter genutzt werden. Über den Tausch von passenden Fahrzeugen zwischen den Gruppen stellte die Erwitter Wehr sicher, dass die Einsatzstärken und Hilfsfristen weiterhin eingehalten werden. Eine andere Lösung fand man vorübergehend in Bad Sassendorf: Hier muss die Ausrüstung auf einem Anhänger mitgeführt werden.

Auch in Welver wurde die Thematik in Feuerwehrkreisen bereits besprochen, schließlich gibt es auch hier TSFe: In Stocklarn, Eineckerholsen, Flerke und Recklingsen stehen die Oldtimer im Feuerwehrgerätehaus. Hier entschloss man sich zunächst für strengere Vorschriften: „Das schwere Gerät muss gesichert werden und die Feuerwehrleute sind angehalten, vorsichtiger zum Einsatz zu fahren. Außerdem dürfen keine Mitglieder der Jugendfeuerwehr mehr mitfahren“, erläutert Gemeinde-Wehrführer Rüdiger Pannock. Ausrücken dürfen die Welveraner Tragkraftspritzenfahrzeuge im Einsatzfall aber nach wie vor.

Diese Interimslösung will man so lange beibehalten, bis das ausführliche Gutachten der Münsteraner Techniker vorliegt und verbindliche Anweisungen für alle Gemeinden vorliegen. Wenn dann die Fahrzeuge ersetzt werden müssten, wäre das ein Problem, denn um alle Fahrzeuge auf einmal auszuwechseln, dürfte das Geld fehlen: „Da müsste man dann über Alternativ-Lösungen nachdenken, ob die Ladung mit zusätzlichen Gurten gesichert werden kann, und so weiter“, so Pannock. Erstmal soll jedoch abgewartet werden.

Langfristig könnte die TSF-Problematik durch die Neustrukturierung der Feuerwehr gelöst werden. Im Rahmen dieser Langzeit-Reform werden einige Standorte zusammengelegt und die Tragkraftspritzen-Fahrzeuge, die aufgrund ihres Alters sowieso auf der Abschussliste stehen, nach und nach gegen andere Modelle ausgetauscht. - tob

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