Video: So viel Arbeit brachte die enorme Trockenheit im Kreis Soest

+

Welver - Die sommerlichen Temperaturen lockten in den vergangenen Tagen zahlreiche Bürger zu heimischen Erholungsorten. Für Landwirte und Feuerwehrleute bedeutet die derzeitige Wetterlage dagegen viel Arbeit. Daran ändern auch die aktuellen Regenfälle nichts.

Während Landwirte durch die Hitze der letzten Tage hohe wirtschaftliche Verluste zu beklagen haben, sieht sich die Feuerwehr in Welver für alle vorstellbaren Szenarien bestens gewappnet und gibt hilfreiche Tipps, um im Ernstfall richtig zu reagieren. 

Auch wenn sich Carsten Habicht, Pressesprecher der Feuerwehr Welver, über die sommerliche Wärme freut, rückte er vor wenigen Tagen mit seinen Kameraden zu einem Flächenbrand auf einem Stoppelfeld bei Dinker aus. „Wenn das Feld frisch abgeerntet ist sind häufig Stoppeln zu sehen, von denen eine große Brandgefahr ausgeht“, so Habicht. 

Im Ernstfall auch selbst löschen

Über die Warn-App NINA wird derzeit mit der zweithöchsten Warnstufe kreisweit vor einer hohen Brandgefahr für Wald, Feld und Flur gewarnt. Deshalb mahnt Habicht: „In Waldgebieten sollte nicht geraucht oder gegrillt werden. Außerdem sollte kein Altglas liegen gelassen werden, da eine einzige Glasscherbe bereits ausreichen kann, um wie bei einem Brennglas ein Feuer zu entzünden. Brennende Zigaretten dürfen bei diesem Wetter keinesfalls aus dem Auto geworfen werden.“ Im Ernstfall sollte man laut Habicht nach Möglichkeit auch eigene Löschversuche unternehmen, nachdem man den Notruf gewählt hat. „Niemand muss sich scheuen, uns selbst bei einem kleinen Brand zu alarmieren“, betont der 31-Jährige.

Ein Gefahrenbereich sollte außerdem immer gegen den Wind verlassen werden, damit man den Rauchgasen so wenig wie möglich ausgesetzt ist. Trotzdem sei es wichtig, keine unbegründete Panik zu verbreiten: „Außer diesem Feldbrand, der auch bei normalen Temperaturen passieren kann, gab es bislang keine besonderen Vorkommnisse im Gemeindegebiet. Bei den zeitweise tropischen Temperaturen müssen wir keine außergewöhnlichen Maßnahmen treffen. Wir sind auf alle möglichen Szenarien gut vorbereitet.“ 

Weniger entspannt wird die aktuelle Wetterlage von einigen heimischen Landwirten bewertet. Frank Berns-Müller, der seinen Bauernhof in Welver-Meyerich von den Eltern übernommen hat und 70 Hektar Land besitzt, erkennt einen Negativ-Trend und muss im laufenden Erntejahr mit wirtschaftlichen Einbußen rechnen. „Wir kennen nun bereits seit sieben Jahren eine immer wiederkehrende Frühjahrstrockenheit, die normalerweise im Juni ihr Ende findet, sich aber diesmal fortsetzt. Unser Boden ist nun so hart wie Beton, staubt extrem und weist überhaupt keine Bearbeitungseffektivität auf. Wenn wir die Felder beackern müssen, benötigen wir mehr Diesel sowie höheren Maschineneinsatz, was uns zusätzliche Kosten beschert“, schildert Berns-Müller im Anzeiger-Gespräch. 

Zwar sei man als Landwirt dank des fruchtbaren Bodens der Soester Börde privilegiert und fahre weniger Verluste als an anderen Standorten ein, jedoch sei nun ein gefährlicher Punkt erreicht: „Normalerweise speichert der Börde-Boden das Wasser sehr gut, jetzt geht der Vorrat allerdings zur Neige.“ 

Zuckerrüben fehlt Wasser

Die Auswirkungen hiervon sind bei den Kulturen unterschiedlich spürbar: Der 45-Jährige geht bei Gerste und Weizen von rund 20 Prozent weniger Ertrag aus. Bei Mais, Kartoffeln und Zuckerrüben seien insbesondere die kommenden drei Wochen entscheidend. „Meine Zuckerrüben haben nun ihr volles Blattwerk entwickelt und ihre volle Größe angenommen. Jetzt muss sich die Rübe allerdings in der Erde entwickeln und dafür fehlt momentan einfach das Wasser“, weiß Börde-Bauer Berns-Müller. 

Ernte deutlich entspannter

Ein positiver Aspekt des strahlenden Sonnenscheins von früh morgens bis in den späten Abend sei hingegen der entspannte Ernteablauf. „Wir hatten keine Eile und konnten uns die Tage frei aussuchen“, meint der Landwirt aus Meyerich. 

Trotzdem warnt er dringend vor den Folgen der Trockenheit: „Wenn die Ernte zusammenbricht, wird der Dünger nicht genutzt. Gerade im Ostteil des Kreises wäscht dann der Dünger und ganz speziell der Stickstoff aus und landet schließlich als Nitrat im Grundwasser, aus dem Trinkwasser gewonnen wird. Über diese Zusammenhänge muss gesprochen werden.“ Die hohen Temperaturen und Wind der Stärke vier bis fünf bei voller Sonneneinstrahlung sind für Berns-Müller Grund zur Sorge: „Ein paar solcher Tage bringen ungefähr einen Reifefortschritt von zwei Wochen. Das hat eine vorzeitige Abreife sowie die Vertrocknung der Pflanzen zur Folge.“

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare

Unsere Kommentarfunktion wird über den Anbieter DISQUS gesteuert.

Hinweise zum Kommentieren: Auf soester-anzeiger.de können Sie Ihre Meinung zu einem Artikel äußern. Im Interesse aller Nutzer behält sich die Redaktion vor, Beiträge zu prüfen und gegebenenfalls abzulehnen. Halten Sie sich beim Kommentieren bitte an unsere Richtlinien: Bleiben Sie fair und sachlich - keine Beleidigungen, keine rassistischen, rufschädigenden und gegen die guten Sitten verstoßenden Beiträge. Kommentare, die gegen diese Regeln verstoßen, werden von der Redaktion kommentarlos gelöscht. Bitte halten Sie sich bei Ihren Beiträgen an das Thema des Artikels. Lesen Sie hier unsere kompletten Nutzungsbedingungen.


Bitte beachten Sie: Die Kommentarfunktion unter einem Artikel wird automatisch nach drei Tagen geschlossen.

Netiquette
Hinweis: Kommentieren Sie fair und sachlich! Rassistische, pornografische, menschenverachtende, beleidigende oder gegen die guten Sitten verstoßende Äußerungen sind verboten und werden gelöscht.

Kommentare