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Schwere Kolosse faszinieren Tim Gerwin

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Von: Dirk Wilms

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Tim Gerwin ist mit Kamera und Drohne großen Landmaschinen auf der Spur.
Tim Gerwin ist mit Kamera und Drohne großen Landmaschinen auf der Spur. © Dirk Wilms

Eilmsen – Ein 17 Tonnen schwerer Koloss mit rund zehn Metern Länge und vier Metern Höhe wühlt sich durch das Feld im Lippetal, über 1000 PS aus 24 Litern Hubraum treiben das riesige Gefährt an, mehrere Dutzend Messer durchschneiden mit bis zu 30 000 Schnitten pro Minute die Maispflanzen, die gehäckselten Kolben fliegen in hohem Bogen in den Anhänger hinter dem bulligen Traktor.

Szenen dieser Art faszinieren Tim Gerwin. Der 20-Jährige hat sie festgehalten, ist in der Erntezeit mit seinen Kameras unterwegs. Der Eilmser hat sich mit Haut und Haar dem Hobby verschrieben, mit Kamera und Drohne Landmaschinen zu fotografieren und zu filmen. Sein Werk ist inzwischen bei Youtube unter „tiger_agrar“ zu bewundern.

Dem angehenden Mechatroniker, der im Berufsleben mit Förderbändern aller Art in der Firma Beumer in Beckum zu tun hat, ist das Hobby in die Wiege gelegt. Zum einen ist er groß geworden auf dem elterlichen Hof, den Vater Friedhelm mit seiner Unterstützung an der Koppelstraße in Eilmsen im Nebenerwerb betreibt. Zum anderen hat auch der Papa schon fleißig fotografiert.

„Als meine Schwester eine Spiegelreflex-Kamera geschenkt bekommen hat, habe ich sie mir ständig ausgeliehen. Im vergangenen Frühjahr aber hatte ich genug gespart, mir eine eigene Ausrüstung zu kaufen“, erzählt Tim Gerwin von den Anfängen. Im Nu hatte er auch sechs verschiedenen Objektive zusammen. Mit einem Telezoom mit Brennweiten von 70 bis 200 mm ist er ebenso unterwegs wie mit den handelsüblichen 17 bis 70 mm. Ganz spannend aber ist es, mit dem Extremweitwinkel (10 bis 17 mm) ganz nah am Boden zu fotografieren. „Dann wirken die Objekte noch viel größer“, hat er in den vergangenen Monaten erfahren.

Groß genug sind die Geräte, die er vor der Linse hat, ohnehin schon. Der Maishäcksler, von dem eingangs die Rede war, ist nur eins von den Ungetümen, die er auf den Feldern im Kreis Soest und weit darüber hinaus abgelichtet hat. So hat er auch den größten Traktor mit über 500 PS aufs Korn genommen. Sein Onkel Dieter Gerwin aus Flerke weiß um das ausgefallene Hobby seines Neffen, alarmierte ihn gleich, als er davon erfuhr, dass ein Landwirt in der Nähe vom Haus Lohe in Werl einen neuartigen Raupentraktor beim Pflügen einsetzt. Also ist Tim Gerwin hin, nutzt er doch ohnehin jede freie Minute, um die ihn so faszinierenden Maschinen in Aktion zu erleben. Er kann selber gut mit landwirtschaftlichen Fahrzeugen aller Art umgehen.

Auf dem heimischen Hof hat er als 16-Jähriger quasi die Grundausbildung auf drei Traktoren der Marke John Deere erfahren, stieg beim Lohnunternehmer Hellmich in Vellinghausen nebenberuflich ein, um gerade in der Erntezeit und an Wochenenden sich ein Zubrot zu verdienen. Das erweckte die ungewöhnliche Leidenschaft in ihm.

Im August erweiterte er seine Ausrüstung um eine Drohne, sodass er schon im Herbst mit Spiegelreflex und Drohnenkamera im Einsatz war. Neben Maishäcksler und Raupentraktor filmte und fotografierte er Rübenroder, Rübenlademaus und auch historische Gefährte aus der Landwirtschaft. Eine ganz besondere Freude machte das Filmen der Lichtertour der Landwirte aus Welver und Umgebung in der Vorweihnachtszeit.

Rund eine Stunde Filmmaterial kommt in der Regel bei einem Einsatz zusammen. „Dann brauche ich sechs bis acht Stunden am Computer, um die Aufnahmen zusammenzuschneiden“, erläutert Tim Gerwin seinen zeitlichen Aufwand für die Nachbearbeitung. Am Ende bleiben Filmchen von vielleicht dreieinhalb Minuten, von denen nun sieben schon bei Youtube hochgeladen sind. Ein weiteres Dutzend Filme wartet noch auf die Vollendung.

Tim Gerwin arbeitet vor Ort parallel mit Spiegelreflex und Drohne – hat der Eilmser in der jüngsten Ausgabe einer Fachzeitschrift veröffentlicht. „Ein Foto war sogar auf dem Titelblatt der Schlepperpost, das hat mich sehr glücklich gemacht“, geht er voll und ganz in dem Hobby auf. Geldverdienen damit ist nicht sein Antrieb. Auch mit den beiden Kalendern, die er für 2021 erstellt hat, will er keinen Gewinn machen, gibt sie zum Selbstkostenpreis weiter: „Ein Dankeschön ist mir viel mehr wert.“

Schon im Februar geht er wieder auf die Pirsch. „Dann wird Gülle gefahren und Mist gestreut“, kennt er die Abläufe in der Landwirtschaft. Sein Traum ist es, in diesem Jahr nach Mecklenburg-Vorpommern und Schleswig-Holstein zu fahren. „Da will ich die richtig großen Landmaschinen ablichten“, weiß er, dass es noch beeindruckendere Gefährte gibt als in der Soester Börde.

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