An Politik und Bürger vorbei geplant?

Streit um "Filetstück" in Welver: Vorwürfe gegen Bürgermeister

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Filetstück am Eingang zum Markt Ecke Reiherstraße. Hier soll das dreigeschossige Wohnhaus samt Parkdeck im Parterre und den zehn Wohnungen hin. Der Investor hat das Grundstück bereits erworben, der Gemeinderat hat jetzt eher zufällig davon erfahren.

Welver – Andere Stadt- und Gemeinderäte genießen die Ferien, in Welver aber steht eine Sonderratssitzung an. Dort dürfte es alles andere als entspannt zugehen. Die Fraktion von Welver 21 ist dahintergekommen, dass in der Marktstraße ein Zehn-Familien-Haus samt Parkgarage im Erdgeschoss gebaut werden soll.

Dabei wollte die Politik mit der Bürgerschaft erst einmal gemeinsam für das anstehende Stadtentwicklungs-Konzept überlegen, wie Welvers neue Mitte aussehen soll. „Es wäre die Pflicht von Bürgermeister Schumacher gewesen, die Bürger und die Politik darauf hinzuweisen, dass das bestehende Baurecht mit möglichen ISEK-Planungen kollidiert“, beklagt Welver-21-Chef Kay Philipper. ISEK steht für die sperrige Bezeichnung „Integriertes Stadt-Entwicklungskonzept“, also jenen millionenschweren Fördertopf, aus dem viel Geld für gelungene Ideen für den Umbau von Orten fließt.

 „Reiner Zufall“, sagt Philipper, wenn man ihn fragt, wie ausgerechnet seine Wählergemeinschaft auf das bislang unveröffentlichte Bauvorhaben gestoßen ist, mit dem das „Filetstück“ neben dem Postshop am Ende der Einkaufsstraße (Am Markt) Ecke Reiherstraße gefüllt werden soll. Ein neuer Mitstreiter von Welver 21 suche gerade nach einer Wohnung im Ort und sei im Internet auf das Objekt aufmerksam geworden. 

"Hochwertiges Penthouse" im Herzen von Welver

Tatsächlich wirbt dort ein Hammer Immobilienbüro mit „neuen, hochwertigen Penthouse-Wohnungen im Herzen von Welver“. Im Gespräch mit dem Anzeiger ist man dort erstaunt über den Gegenwind: „Wir haben gerade mit der Vermarktung begonnen und müssen nur noch die Baugenehmigung einreichen.“ Der Investor sei schon vor Monaten beim Bürgermeister gewesen, alles schien klar, schließlich verstoße das Vorhaben nicht gegen das Baurecht. „Das stimmt“, bestätigt Philipper. Deshalb will er in der Rat-Sondersitzung kommende Woche eine Veränderungssperre beantragen, damit erst gar nicht eine Baugenehmigung erteilt werde. 

Welver 21, so sein Fraktionschef, gehe es gar nicht gegen den Bau als solchen, wobei man sich schon die Frage stellen könne: Warum soll ausgerechnet hier in der Einkaufsstraße das Parterre-Geschoss als Parkebene errichtet werden und nicht als Ladenzeile? Verärgert ist Philipper, weil Bürgerschaft und Politik überhaupt nicht informiert worden seien, obwohl gerade intensiv um Welvers Ortsmitte gerungen werde. 

„Wir wollen die Chance haben, mit Bürgern zu entscheiden, was im Zentrum passieren soll“, sagt Philipper. Die Angelegenheit sei „deshalb so brisant, weil ein alter Bebauungsplan auf eine mögliche moderne, städtebauliche Entwicklung stößt“. Die Frage sei: „Wollen wir das im Zentrum von Welver sehen?“ So aber führe der Bürgermeister den Prozess um das städtebauliche Entwicklungskonzept ad absurdum. 

Philipper zieht die Parallele zum Raiffeisen-Grundstück. Auch dort habe die Verwaltung ihre Pläne viel zu lange in der Schublade belassen. 

Antwort des Bürgermeisters

 Auf die Frage, warum er das Projekt dem Gemeinderat vorenthalten habe, antwortet Bürgermeister Schumacher in einer schriftlichen Erklärung an die Anzeiger-Redaktion: „Aufgrund seiner zentralörtlichen Lage und im Sinne einer dem Grundzentrum Welver entsprechenden städtebaulichen Entwicklung, ist eine Bebauung grundsätzlich nicht abzulehnen. Bisher war wohl eine Bebauung nicht wirtschaftlich umzusetzen, so dass sich die Freifläche in seiner jetzigen Nutzung durchaus bei einem Teil der Bevölkerung etabliert hat.“ 

Auf den Vorhalt, Politik und Öffentlichkeit nicht informiert zu haben, geht der Rathaus-Chef nur indirekt ein: „Im Zuge des zuletzt aufgestellten Integrierten Städtebaulichen Entwicklungskonzeptes ist diese Freifläche mit betrachtet worden.“ Seinerzeit sei bereits die mögliche Bebauung mit einem dreigeschossigen Gebäude als Alternative thematisiert worden. Schumacher jedenfalls begrüßt das Vorhaben mit Blick auf die bauliche Entwicklung Welvers und stellt fest: „Aus Sicht der Verwaltung ist eine reine Verhinderungsplanung unzulässig.“ 

Welver 21 kontert: „Wenn der Bürgermeister den ISEK-Prozess ernst nehmen würde, so wie er in seinem Wahlkampfprospekt behauptet, hätte so eine Situation nie entstehen dürfen.“

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