Lino Elmerhaus

Starker Rückgang vieler Arten: 12-Jähriger aus Welver setzt sich für Vögel ein

Lino Elmerhaus fotografiert sie nicht nur, sondern hat sich auch zur Aufgabe gemacht, Vögeln zu helfen.
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Lino Elmerhaus fotografiert sie nicht nur, sondern hat sich auch zur Aufgabe gemacht, Vögeln zu helfen.

Er ist erst zwölf Jahre alt, hat aber schon den Blick für das große Ganze: Lino Elmerhaus sorgt sich um die Zukunft der Vögel. 

Welver - Der junge Hobby-Ornithologe verwendet viel Zeit darauf, die fliegenden Tiere zu beobachten, zu füttern oder ihnen auf andere Weise etwas Gutes zu tun.

Angefangen hat alles mit seinem Großvater. „Opa saß immer auf der Terrasse und hat die Vögel gefüttert. Dabei haben wir schon gemerkt, dass es immer weniger werden“, sagt Lino. Vor etwa einem Jahr hat er dann selbst begonnen, sich intensiver mit den Tieren zu beschäftigen – Corona spielte dieser neuen Leidenschaft wohl auch in die Karten..

Sorge um Vögel: Nistkästen und mehr

Zunächst schaute sich der Zwölfjährige Dokumentationsfilme an und las Texte von erfahrenen Vogelkundlern. Später baute er erste Nistkästen, die mittlerweile an verschiedenen Stellen hängen: eine Handvoll davon in Welver, zwei in der Hermann-Löns- und drei in der Bahnhofstraße. Viele weitere befinden sich in der Gemeinde Sehlen (Hessen), wo Linos Vater Marcus Elmerhaus ein Jagdrevier gepachtet hat.

Inzwischen kommt der Schüler an neue Nistkästen hauptsächlich, indem er sie fertig im Internet bestellt, weil einfach die Zeit fehle, um sie zu bauen. „Denn es muss so schnell wie möglich gehen“, betont Lino. Seine Sorge: „Wenn es so weitergeht, sterben immer mehr Vögel. Und wenn die Vögel sterben, sterben irgendwann auch wir Menschen.“

Der Hausrotschwanz sitzt auf der Wiese und ist kurz davor, sein Nest anzufliegen. Diesen Piepmatz hat Lino in Welver fotografiert.

Der junge Welveraner macht einige Gründe für den starken Rückgang des Vogelbestands vor Ort aus: unter anderem fehlende Blühflächen, auch für Insekten, und den Klimawandel. Seine Bitte an jeden Einzelnen: auf Steingärten verzichten und im ersten Schritt ein Vogelfutterhaus platzieren – egal ob im Garten, auf dem Balkon oder der Terrasse, am besten drei Meter von Hecken entfernt.

Die Nisthilfen gibt es teilweise für unter 10 Euro zu kaufen. Der Naturkunde-Fan empfiehlt als Futter Dinkel und Haferflocken, aber auch Sonnenblumenkerne. Diese Nahrung fehle den Vögeln im ganzen Jahr, nicht nur im Winter.

Sorge um Vögel: Appell an Politiker und die Gemeinde

Auch die Gemeinde könne noch viel mehr für Vögel tun. „Nistkästen anschaffen, Blühstreifen anlegen.“ Und die Politik? „Von der würde ich mir mehr Begeisterung und Engagement für die Vögel wünschen. Man sollte vor allem mal vor die eigene Haustür gucken, anstatt immer nur auf Probleme am anderen Ende der Welt zu schauen. Sonst können wir unsere Obstbäume bald selbst bestäuben.“ Das Biotop am Buchenwald sei beispielsweise „viel zu nah am Menschen“.

Lino Elmerhaus bietet dabei auch seine Unterstützung an: „Ich kann der Gemeinde gern beim Aufhängen von Nistkästen helfen und Tipps geben.“ Der Zwölfjährige träumt davon, irgendwann wieder mehr Vögel und verschiedene Arten beobachten zu können: „Den Kiebitz gab es hier früher ganz viel, jetzt sieht man ihn kaum noch. Das ist schon traurig. In den vergangenen 30 Jahren haben wir rund 440 Millionen Vögel verloren.“ Es sei jedes Mal „großes Glück“, so Lino, wenn er seltene und stark gefährdete Arten zu Gesicht bekommt.

Sorge um Vögel: „Jede freie Minute“

Mit dem Beobachten und Füttern von Vögeln verbringt er „jede freie Minute“ – und das neben Hobbys wie Tennis, Tanzen, Klavierspielen und Fahrradfahren sowie Singen in einer Band. Lino ist außerdem Messdiener und Teil des Filmteams bei St. Maria.

Mithilfe eines Buchs kann er zahlreiche Vogelarten identifizieren. Ein solches Buch habe er auch schon einer 85-jährigen Frau aus Eilmsen geschenkt, die sich für Vögel interessiert. Am liebsten fotografiert er Vögel mit Papas Kamera in den Ahsewiesen, im Urlaub auf Fehmarn und in Sehlen vom Küchenfenster aus.

12-Jähriger aus Welver fotografiert Tiere

Vögel, Eichhörnchen und mehr fotografiert der junge Welveraner in der Natur.
Vögel, Eichhörnchen und mehr fotografiert der junge Welveraner in der Natur.
Vögel, Eichhörnchen und mehr fotografiert der junge Welveraner in der Natur.
Vögel, Eichhörnchen und mehr fotografiert der junge Welveraner in der Natur.
12-Jähriger aus Welver fotografiert Tiere

Finanziert wird der Einsatz für die Vögel durch eine kleine Spendensammlung innerhalb der Familie. Und alle, die etwas dazugeben, werden regelmäßig darüber informiert, was mit dem Geld geschieht, erklärt Lino.

In seinem Freundeskreis steht Lino mit dem Hobby ziemlich allein da. Im Schulunterricht werde das Vogelsterben kaum bis gar nicht thematisiert, das findet er schade. Er fordert zum Umdenken auf: „Die Leute meinen, dass Vögel immer nur Lärm und Dreck machen. Dabei sind sie so wichtig für das Ökosystem. Das muss in die Köpfe, damit es nicht zur Katastrophe kommt.“

Kontakt

Wer Fragen zu Vögeln hat, kann sich gern bei Lino Elmerhaus unter Telefon 02384/3344 oder per Mail an linomelvin.elmerhaus@icloud.com melden.

Noch ist er optimistisch: „Ich habe Hoffnung. Aber auch nur, wenn wir jetzt sofort etwas machen – und zwar für alle Vögel. Aktuell nutzen wir die Natur aus, das geht nicht.“ Besonders die jüngeren Generationen sollen die Vögel schützen. Dafür wirbt er auch auf dem Instagram-Kanal „voegel_in_deutschland“.

Lino wird nicht müde zu betonen, wie wichtig die Vögel sind. „Reinhard Mey hat einst gesungen: Es gibt keine Maikäfer mehr. Wenn wir so weitermachen, kann man dieses Lied in zehn Jahren auch von Vögeln singen.“

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