Zuckerfabrik vor der Schließung

Arno Schulze-Kettermann aus Klotingen kämpft für die Zuckerrübe

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Ernte und Abfuhr der Zückerrüben ist mit viel Aufwand verbunden – und etlichen Arbeitsplätzen.

Welver – Die Rübenkampagne ist jedes Jahr im Herbst eine logistische Herausforderung. 20 Sattelzüge transportieren in vier Monaten tausende von Tonnen Feldfrüchte in die Zuckerfabrik nach Warburg. Damit soll im nächsten Jahr Schluss sein. Die Fabrik soll nach dem Willen der Eigentümerin Südzucker schließen.

Für Arno Schulze-Kettermann, der die Kampagnen mit organisiert, unverständlich. „Wir sind stinksauer“, sagt der Landwirt aus Klotingen, der gleichzeitig einer der Geschäftsführer bei der eigens für den Rübentransport gegründeten Lade- und Abfuhrgemeinschaft (LMZ) ist. 

Noch vor zwei Jahren habe Südzucker die heimischen Landwirte vor dem Hintergrund eines beinharten Verdrängungswettbewerbs dazu aufgefordert, noch mehr Rüben anzubauen. Dafür seien sogar Prämien ausgelobt worden. 

Jetzt stehen die betroffenen Landwirte und immerhin 200 Fahrer, die in den vier Kampagnen-Monaten für die LMZ in einem Gebiet zwischen Dortmund-Brechtken und Lichtenau tätig sind, vor der bangen Frage, wie es 2020 weitergeht. „Die Familien rechnen mit dem Einkommen aus der Zuckerrübe“, betont Schulze-Kettermann. 

Arno Schulze-Kettermann will den Rübenanbau retten.

Geplante Investitionen von mehreren hunderttausend Euro für Fahrzeuge und Erntemaschinen liegen bei der LMZ zudem auf Eis. Die strategische Entscheidung der Südzucker sei auch deshalb „nicht nachvollziehbar“, weil in keiner anderen Region Deutschlands so gute Rübenerträge erzielt würden wie hier. Nicht zuletzt sei die Rübe ein fester Bestandteil für die Fruchtfolge auf den Feldern. 

Was tun? Eine Alternative bietet sich in Lage. Dort betreibt die Firma Pfeifer und Langen ein modernes Werk mit doppelter Kapazität gegenüber Warburg. Auch die heimischen Rüben könnten dort verarbeitet werden. Für die Bauern aus dem Kreis Soest, von denen einige bereits dorthin liefern, wäre sogar die Streckenlänge fast identisch. Allerdings gibt es zuvor einen Haufen bürokratischer Hürden zu nehmen. Bliebe noch eine andere Südzucker-Fabrik im 130 Kilometer entfernten Wabern in Hessen. Die ist eigentlich zu weit weg.

Viele Lkw-Fahrer schon seit Jahrzehnten im Einsatz 

Abseits der wirtschaftlichen Bedeutung hat die Rübenkampagne durchaus auch eine menschliche Komponente. Viele Lkw-Fahrer sind schon seit Jahrzehnten bei der Ernte im Einsatz. Junge Leute, aber auch Rentner. „Die Mischung passt“, sagt Schulze-Kettermann, „und der Zusammenhalt ist riesig.“ Alle seien mit „viel Herzblut“ dabei. 

Deshalb bleibt der Landwirt, der selbst ebenfalls auf acht Hektar Rüben anbaut, trotz allem optimistisch: „Die Zuckerrübe wird nicht aus der Börde verschwinden.“ 

Dafür kämpft auch der Vorsitzende des Landwirtschaftlichen Kreisverbandes Soest, Josef Lehmenkühler, in einer Resolution an den Aufsichtsrat der Südzucker AG. „Lassen Sie den Rübenanbau in den westfälischen Börden nicht sterben!“, heißt es darin. Der Rübenanbau habe eine wichtige Funktion und lange Tradition in der Hellwegbörde. Die vom Vorstand der Südzucker AG geplante Schließung der Zuckerfabrik Warburg würde den Rübenanbau in der Region massiv gefährden. 

Demonstration für Montag geplant

Der heimische Bundestagsabgeordnete Hans-Jürgen Thies (CDU) erachtet die mögliche Schließung der Zuckerfabrik in Warburg ebenfalls als gravierenden Einschnitt für die Landwirtschaft im Kreis Soest. Der Anbau sei dann womöglich nicht mehr rentabel zu gestalten, betont Thies, der zudem Mitglied im Bundestagsausschuss für Ernährung und Landwirtschaft ist. Die Zuckerrübe habe „über Jahrhunderte unsere Kulturlandschaft geprägt und stand sinnbildlich für den Erfolg der Landwirte der Soester Börde“. 

Das wollen Landwirte und Fahrer auch am kommenden Montag noch einmal untermauern. Dann soll vor der Mannheimer Südzucker-Zentrale demonstriert werden, während drinnen der Aufsichtsrat endgültig über die Schließungspläne des Vorstands abstimmt.

Die Südzucker AG

Die Südzucker AG mit Sitz in Mannheim ist der größte Zuckerproduzent der Welt und einer der größten Nahrungsmittelkonzerne Deutschlands. Sie beschäftigt weltweit rund 18 500 Mitarbeiter und ist im SDAX notiert. Die Südzucker AG erzielte im Geschäftsjahr 2017/18 (1. März 2017 bis 28. Februar 2018) einen Konzernumsatz von rund 6,98 Milliarden Euro (Vorjahr: 6,48). 

Die Zuckerfabrik Warburg ist eine seit 1882 gewachsene und fest etablierte Betriebsstätte. Das Einzugsgebiet umfasst neben der Soester Börde den Raum Ostwestfalen sowie Teile von Süd-Niedersachen und Nordhessen. Rund 800 Landwirte liefern 500 000 bis 600 000 Tonnen Zuckerrüben an das Werk Warburg. Insgesamt werden damit jährlich 80 000 bis 100 000 Tonnen Zucker erzeugt.

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