Raser nerven und gefährden Welveraner an vielen Ausfallstraßen 

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Am liebsten hier bei Meyerich schon Tempo 50. Das wünschen sich die betroffenen Anwohner. Bislang allerdings vergeblich.

Welver – Die Anwohner der Beckumer Straße und die hier sonst noch entlangkommenden Fußgänger und Radfahrer müssen offenbar damit leben, dass an dieser Aus- und Einfallstraße von und nach Recklingsen viel zu schnell gefahren wird.

Das geht aus einer Antwort des Kreises Soest auf eine Anzeiger-Anfrage hervor. Derweil haben sich nach unserem Bericht vom vergangenen Samstag weitere Welveraner gemeldet, die von viel zu flotter Fahrweise auch an anderen Ausfallstraßen des Orts berichten. An der Beckumer Straße hatte Anwohnerin Kathrin Schnieder den Stein ins Rollen gebracht. 

Die Mutter dreier kleiner Kinder beklagt sich, wegen der Raserei vor ihrer Haustür die Straße nicht sicher überqueren zu können – erst recht, wenn sie und ihre Kinder mit dem Rad unterwegs sind. Genau das bestreitet der Kreis Soest. „Eine Überquerung der Beckumer Straße ist (an der Stelle, wo die Mutter wohnt) gewährleistet, da der Straßenverlauf dort sehr gradlinig ist und eine ausreichende Sichtweite von mehr als 60 Metern in beide Richtungen vorliegt.“ 

Bei einem Ortstermin erst vor wenigen Wochen seien der Kreis, die Polizei, Straßen-NRW und die Bezirksregierung einer Meinung gewesen, die Straße benötige keine baulichen Veränderungen für mehr Sicherheit. Und was die Raser an dieser Stelle anlangt, wolle man weiter kontrollieren. Die Beckumer Straße sei von den Behörden „als Gefahrenstelle erkannt“. Deshalb sei hier eine mobile Geschwindigkeits-Messstelle eingerichtet worden. Sprich: Regelmäßig parkt steht der Radarwagen am Straßenrand und blitzt die Eiligen. 

Zudem habe der Kreis mit der Gemeinde Welver vereinbart, hier ab und zu Geschwindigkeitstafeln aufzustellen. Sie zeigen dem Autofahrer exakt seine Geschwindigkeit an: Ist er zu flott unterwegs, blinken die Ziffern in Rot. Dabei sind es keineswegs einzelne Autofahrer, die zu schnell fahren, sondern viele. Wie berichtet, beträgt die Durchschnittsgeschwindigkeit der Masse der Autofahrer (85 Prozent) bereits knapp 62 Sachen. In diesem Wert sind die 15 Prozent schnellsten Autofahrer noch nicht einmal erfasst. Nicht wenige rauschen hier also regelmäßig mit 70 Sachen oder noch mehr durch. 

Die Mühlen der Verwaltung hat auch Stephan Sauermann kennengelernt. Er wohnt am anderen Ende Welvers am Fasanenweg, dicht an der Ausfallstraße Richtung Flerke. Seine Briefe und die seiner Nachbarn füllen einen ganzen Ordner. „Hier wird regelrecht gebrettert, aber das interessiert keinen“, sagt Sauermann. Er berichtet vom Tod seines Freundes, der hier mit seinem Wagen vorsichtig aus der Einfahrt kam und von einem Raser erfasst wurde. Weil das 37 Jahre her ist, so sagt der Welveraner, will auch niemand bei den Aufsichtsbehörden die alte Geschichte mehr hören. 

Da sich aber an den Gefahren auf der Strecke nichts geändert hat, kämpfen die Anwohner weiter. Auf der gefährlichen Kuppe nahe der Windräder am Landwehrkamp, dort wo sogar ein Radweg die Schnellstraße kreuzt, ist sogar Tempo 100. Damit zumindest im Ort moderat gefahren wird, wollen die Anrainer die Tempo-50-Zonen vor ihrer Haustür verschoben haben, damit die Schnellfahrer schon vor Erreichen der Siedlung den Fuß vom Gas nehmen. Die Antwort des Kreises dazu liest sich reichlich stereotyp: „Die von Ihnen vorgetragenen Aspekte und die von mir durchgeführten Prüfungen lassen keine besondere Gefahrenlage auf diesem Streckenabschnitt erkennen“, bekam eine besorgte Anwohnerin bereits 2017 zur Antwort.

 Sauermann selber hat sich noch im vergangenen Spätsommer einen Briefwechsel mit dem Kreis geliefert. Ohne Resultat. Der Welveraner hätte sich eine Bodenschwelle („Berliner Kissen“) vor dem Ortseingang gewünscht, um Schnellfahrer zu bremsen. Doch dort dürften solche Hindernisse nicht aufgebaut werden, schrieb der Kreis. Immerhin, so erläutert die Verwaltung, habe die Einengung der Ortseinfahrt etwas gebracht. Messungen ergaben, die Durchschnitts-Geschwindigkeit der 85 Prozent langsameren Fahrer sank von 76 auf 61 Stundenkilometer. Besser, aber noch nicht gut.

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