1. Soester Anzeiger
  2. Lokales
  3. Welver

Radwegekonzept für Welver auf dem Weg

Erstellt:

Von: Dirk Wilms

Kommentare

Im Rahmen der Bürgerbeteiligung zum Radwegekonzept ging es auch um eine Verlängerung des Alleenradweges.
Im Rahmen der Bürgerbeteiligung zum Radwegekonzept ging es auch um eine Verlängerung des Alleenradweges, der an der Aulflucht bei Scheidingen endet. © Dirk Wilms

Dem Trend zum Drahtesel folgend ist die Gemeinde Welver dabei, ein Radwegekonzept auf den Weg zu bringen. Im Ausschuss für Gemeindeentwicklung stellte die Gesellschaft für kommunale Infrastruktur (Ge-Komm) das von ihr in mehreren Monaten erarbeitete Konzept vor. Einstimmig verabschiedete die Politik das 80-seitige Werk, das ihnen in Buchform ausgehändigt wurde, als Grundlage für ihre weiteren Beratungen. So soll eine Prioritätenliste aus dem Konzept entwickelt werden; in einer Sondersitzung des Entwicklungsausschusses im Januar soll dies als einziger Tagesordnungspunkt auf der Agenda stehen.

Welver - Wie Eduard Schwarz und Inessa Peters von der Ge-Komm erläuterten, startete das Projekt im Frühsommer. Sie bereisten das Gemeindegebiet, fotografierten etliche neuralgische Punkte, erstellten eine Karte mit den vorhandenen Wegen, ob als Kreis- oder Landstraße, als Gemeindestraße, als Wirtschaftsweg oder als selbstständiger Radweg. Bürgerbeteiligung wurde ermöglicht durch eine öffentlich zugängliche Online-Veranstaltung, einen Info-Tag auf dem Wochenmarkt und eine Internet-Seite, auf der Eingaben gemacht werden konnten.

So sammelten die Experten aus Melle 180 Eingaben und verarbeiteten sie zusammen mit ihren eigenen Erkenntnissen um Radwegekonzept, das nun der Politik in Welver vorliegt. Die Ge-Komm unterbreitet in ihrem Werk zugleich Lösungsvorschläge für einige Punkte.

Radweg am Dorftreff

An erster Stelle wird die Einmündung des Gehweges in Verlängerung der Schulstraße nahe des neuen Dorftreffs auf die Vellinghauser Straße in Vellinghausen genannt. Hier standen zwei alte Betonpoller, von denen einer vor einem Jahr vom Bauhof entfernt worden ist, auf bzw. neben dem aktuellen Weg, der in einen Radweg umgewandelt werden könnte. Um einen gemeinsamen Rad- und Fußweg zu erstellen, schlagen die Experten neue, rot-weiße Poller an geeigneter Stelle vor und eine farbliche Hervorhebung des Weges neben der Fahrbahn der L736. Auch Hinweisschilder für die Autofahrer („Achtung Radweg“) werden empfohlen.

Im Zentralort schlägt die Ge-Komm vor, entlang den Analysten zufolge stark frequentierten Bahnhofstraße – hier werden neben dem lokalen Verkehr 1 400 bis 1 600 Pendler zu Stoßzeiten täglich gezählt – Fuß- und Radweg visuell zu markieren. Als Beispiel wird die Einmündung der Straße Am Hundeteich auf die Bahnhofstraße genannt. Das Sicherheitsempfinden der kreuzenden Radfahrer würde gesteigert, da Pkw-Fahrer Haltelinien bewusster wahrnähmen.

Wichtig erscheint den Planern als dritter Punkt eine Ergänzung der Beschilderung im gesamten Gemeindegebiet. Auf den Wirtschaftswegen sei die Beschilderung „Radverkehr frei“ oft nicht eindeutig. Es solle daher überprüft werden, welche Wirtschaftswege für Radler freigegeben werden könnten. „Insbesondere Wege mit ausgewiesenen Radrouten sollten hier vorrangig überprüft werden“, verweist die Ge-Komm beispielhaft auf die Flerker Landwehr.

Verlegung auf Heideweg

Um eine sichere Verbindung zwischen Welver und Flerke zu gewährleisten, spricht sich die Ge-Komm für eine Verlegung des Radwegenetzes von der K2 (Landwehrkamp) auf den Heideweg aus. Diese Verbindung zwischen Meyerich und der Klotinger Heide sollte für den Landwirtschaftlichen Verkehr und den Radverkehr freigegeben werden. Zugleich wird der Bau eines Radweges entlang der L669 (Uferstraße) in Flerke empfohlen, um einen sicheren Weg von Welver zur Turnhalle Flerke zu ermöglichen.

An den Bahnhöfen in Welver und Borgeln werden alternativ zu konventionellen Fahrradständern bzw. Bügelvorrichtungen auch Fahrradboxen empfohlen. Auch von Ladesäulen für E-Bikes und Pedelecs ist im Radwegekonzept aus Melle die Rede.

Gleich an zwei Stellen des Werks taucht der Alleenradweg auf, der derzeit an der Aulflucht in Scheidingen endet. Dieser von Unna aus über den alten Bahndamm der Dortmund-Süder Trasse führende Weg wurde nur bis zur Verbindungsstraße zwischen Scheidingen und Illingen gebaut, um dem Anliegen von Naturschützern Rechnung zu tragen, die die entstandenen Biotope auf dem letzten Stück der alten Bahntrasse bis zur Liethe erhalten wissen wollten.

Verlängerung des Alleen-Radweges

Nun schlägt die Ge-Komm als erste Maßnahme eine verbesserte Ausschilderung an der Aulflucht vor. Bislang gibt es hier nur Schilder für die Marathon-Route, den über 42 Kilometer langen Rundweg durch das gesamte Gemeindegebiet. Hier sollten an der K14 (Aulflucht) Schilder aufgestellt werden, die den Weg in den Zentralort weisen. Auch sei die Nutzungspflicht des Radweges bis in die Scheidinger Ortslage unklar. Im weiteren Verlauf nach Scheidingen hinein wird empfohlen, Markierungen für den Radverkehr auf der Fahrbahn aufzubringen.

Weitergehend ist der Vorschlag im Bereich der langfristigen Maßnahmen, die alte Bahntrasse als Radweg zu ertüchtigen, und zwar bis zur Brücke über den Salzbach. Von dort könnte der Weg über die Liethe bis in die Ortsmitte führen.

Die Ge-Komm trägt mit dieser Idee den Wünschen einiger Bürger Rechnung, die diese im Rahmen der Bürgerbeteiligung geäußert hatten. Das Radwegekonzept beinhaltet den Vorschlag, das touristische Radwegenetz an dieser Stelle zu erweitern und mit entsprechender Beschilderung auf gastronomische Angebote hinzuweisen. Auch das Angebot von Rastmöglichkeiten für Radfahrer wird erwähnt.

Zu den mittelfristig anzupackenden Bereichen zählt die Ge-Komm den Schwarzen Weg, der in Welver entlang der Bahntrasse die Verbindung zwischen Pferdekamp und Ostbusch darstellt. Hier wird vorgeschlagen, den im mittleren Bereich nur als Grünweg existierenden Weg zu sanieren, da Unebenheiten und Grasbewuchs eine Gefährdung für Radfahrer darstellen.

Breitere Brücken über Ahse und Lake

Des Weiteren wird eine Verbesserung der Verbindung in Richtung Hamm vorgeschlagen, indem Wirtschaftswege als Alternative zur viel befahrenen L670 (Hellweg) ertüchtigt werden. Hier führt ein asphaltierter Weg nördlich der Schwannemühle zur Stadtgrenze zu Hamm. Der Vorschlag lautet, den Grünweg auch auf Hammer Gebiet zu ertüchtigen, um gefahrloser nach Süddinker gelangen zu können.

Schließlich richteten die Experten den Blick auf die viel diskutierte Verbindung zwischen Welver und Dinker. Von der Nutzung der L747 (Buchenstraße, Rübenkamp, Haus Galen) durch Dorfwelver wird abgeraten. Die viel befahrene Straße sei zu schmal und sanierungsbedürftig, einen begleitenden Radweg gibt es nicht.

Die Alternative für Radfahrer ist der Ahseweg, der mithilfe zweier schmaler Brücken Ahse und Lake überquert. Hier wird eine Verbreiterung der Brücken auf 2,50 Meter empfohlen. Im Bereich von Haus Matena, wo der Weg als schützenswerte Allee besteht, sei eine Verlegung denkbar. Durch den Staatsforst sei eine Sanierung der Oberfläche ratsam. Eine Beleuchtung sei wegen der Lage im Naturschutzgebiet nicht vorhanden.

Schließlich schlägt die Ge-Komm als längerfristige Maßnahme in Welver die Schaffung einer Radverbindung zwischen Meyerich und dem neuen Bahnhaltepunkt vor. Der aktuelle Radweg, der am Mühlenweg in Scheidingen beginnt, endet in Höhe von Smiths Aue. Von da an geht es nur über die viel befahrene L795 (Werler Straße) ins Ortszentrum. Die Empfehlung lautet, vom Ostbusch aus die Brandenburger Straße bis zur Wolter-von-Plettenberg-Straße zu verlängern. Von dort könnte es über das Kreggenfeld bis zur Werler Straße gehen.

Insgesamt sieht die Ge-Komm eine solide Grundlage, um in Welver ein Radwegeverkehrsnetz aufzubauen. Es bestehe akuter Handlungsbedarf in Sachen Sicherheit und zur Steigerung der Attraktivität des Alltagsverkehrs. Um einer Flächenversiegelung entgegenzuwirken, sollten eher vorhandene Wirtschaftswege ertüchtigt werden als neue Radwege zu bauen. Als Vision beschreiben die Experten einen Bahntrassenradweg von Hamm über Welver nach Soest.

Westphal: Welver Vorzeigekommune

Im Ausschuss für Gemeindeentwicklung wies Bauamtsleiter Detlev Westphal darauf hin, dass keine andere Kommune weit und breit ein solches Konzept habe: „Alle schauen auf Welver, wir sind eine Vorzeige-Kommune.“ Gleichwohl waren kritische Töne zu vernehmen. So bemängelte Professor Klaus Wollhöver von der SPD die fehlende Anbindung an die Nachbarkommunen, Peter Holuscha von der BG die fehlende Verbindung zur vorhandenen Wirtschaftswege-Prioritätenliste.

Auch wurden einzelne Punkte in der Vorschlagsliste der Ge-Komm kritisch betrachtet, wie Peter Holuscha beim Blick auf die Bahntrasse zwischen Scheidingen und Welver bemerkte, käme es doch hier zu einem Konflikt mit dem Naturschutz.

Unterm Strich stimmten alle Ausschussmitglieder zu. Ob Heiko Kosche von der FDP, Michael Schulte von der CDU, Cornelia Plassmann von den Grünen, Kay Phillipper von Welver 21 oder Helmut Peters von der SPD – alle betonten die Notwendigkeit, das Konzept als Grundlage zu verabschieden, um auf dieser Basis eine Prioritätenliste zu erarbeiten. Schließlich gehe es auch darum, mit einer zeitnahen Planung Fördermittel generieren zu können.

Auch interessant

Kommentare