Politik einstimmig gegen Hähnchenmast-Stall bei Scheidingen

So soll es aussehen: An der Kumper Vöhde bei Unterallen (Hamm) steht ebenfalls ein Hähnchen-Maststall.
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So soll es aussehen: An der Kumper Vöhde bei Unterallen (Hamm) steht ebenfalls ein Hähnchen-Maststall.

WELVER ▪ Einstimmig hat sich der Bauausschuss der Gemeinde Welver gegen den geplanten Hähnchenmast-Stall zwischen Scheidingen und Illingen ausgesprochen. Kritik gab es an der Vorlage der Verwaltung. Die betonte derweil, dass die Prüfung nicht in ihren Händen liege.

Schnell zeigte sich, dass sich die meisten Fraktionen intensiv und mit viel Arbeitsaufwand auf diesen Tagesordnungspunkt vorbereitet hatten. Grüne und FDP trugen ausführliche Erklärungen mit zahlreichen Gegenargumenten zur Intensivmast vor.

„Werden Hähnchen hier überhaupt noch als Lebewesen betrachtet oder nur noch als Ding?“, fragte Grünen-Chef Bernhard Weber, der zudem mit „zahlreichen weiteren gesundheitlichen, ökologischen, wirtschaftlichen und sozialen Schäden“ rund um die Anlagen rechnet, so zum Beispiel die Minderung der Lebensqualität durch Gestank und Ammoniakemissionen sowie Beeinträchtigungen für das Gewerbegebiet in Scheidingen. Außerdem leide das Radtourismus-Potential erheblich: „Man stelle sich vor, dass ein Radfahrer auf dem Alleenradweg Unna-Welver erst an einem Gewerbegebiet vorbei und dann gleich danach auf eine stinkende Hähnchenmastanlage zuführe. Was für ein erster Eindruck von Welver.“

FDP-Ausschussmitglied Uwe Heuwinkel zitierte eine gesundheitliche Untersuchung aus dem niedersächsischen Aurich, bei der verschiedene gesundheitsgefährdende Effekte durch die massive Konzentration von Keimen und Biotoxinen festgestellt wurden. „Wir sind der Meinung, dass diesem Vorhaben öffentliche Belange entgegen stehen“, so Heuwinkel.

Kritik an der Verwaltung übte Helmut Peters von der SPD. Er monierte, dass die Vorlage die planungsrechtliche Situation nicht ausreichend ausgeleuchtet habe. „Wir sind nicht alle Fachmänner, sind angewiesen auf eine Fachverwaltung.“ SPD-Fraktionschef Klaus-Theo Rohe befand es als „ungeheuerlich“, dass die Verwaltung die Erteilung des „gemeindlichen Einvernehmens“ vorgeschlagen habe, ohne dass entsprechende Gutachten vorlägen – oder es überhaupt einen Antrag gebe. Der liege nämlich beim Kreis noch gar nicht vor. Die Verwaltungs-Vorlage hatte hier einen anderen Eindruck vermittelt.

Forderung nach „rechtlichem Beistand“

Bauamtsleiter Markus Hückelheim betonte derweil, dass die Gemeinde nicht die Genehmigungsbehörde für diesen Fall sei: „Die Kreisverwaltung hat den Prüfauftrag.“ Auch könne er den Bauinteressenten verstehen, dass er vorab Klarheit über die Position der Gemeinde haben wolle. Letztendlich beschloss der Ausschuss, sich bei seiner Ablehnung nicht auf das „gemeindliche Einvernehmen“ zu beziehen. Auf diese Weise kommt das Thema erneut auf den Tisch, wenn der Antrag vom Kreis Soest an die Gemeinde weitergereicht wird.

„Da haben wir übrigens mehr Rechte, als wir glauben“, wies Grünen-Chef Bernhard Weber daraufhin, dass laut eines OVG-Urteils die Gemeinde durchaus selbstständig prüfen könne und gegenüber dem Kreis Soest ein Mitentscheidungsrecht besitze. Gleichwohl werde es nicht einfach, den Mastbetrieb zu verhindern: „Deshalb sollten wir uns auch rechtlichen Beistand holen.“ ▪ tob

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