Teurer Tritt gegen den Kopf

Es war nicht das erste Mal: Gericht verurteilt Kirmes-Schläger aus Welver

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Welver/Soest – Ein Täter, ein Opfer; ein Schlag und ein Tritt – mit teuren Folgen für einen 32-jährigen Mann aus Welver. Dieser hatte auf der Allerheiligen-Kirmes einen anderen Mann zunächst durch einen Schlag zu Boden gebracht und ihm anschließend gegen den Kopf getreten.

Der Angeklagte musste sich jetzt wegen gefährlicher Körperverletzung vor dem Soester Amtsgericht verantworten.

Es war Kirmes-Donnerstag, Pferdemarkt, im vergangenen Jahr als der Dachdecker aus Welver am Abend gegen 23 Uhr in der Nötten-Brüder-Wallstraße erneut auf sein späteres Opfer traf, das er nicht persönlich, sondern nur „vom Sehen her“ kennt. Schon ein paar Stunden zuvor gab es eine Auseinandersetzung zwischen den beiden Personen vor der Kajüte – es blieb zunächst allerdings beim Wortgefecht. Schließlich wurde aus dem verbalen Streit jedoch ein physischer, wobei der Geschädigte, ein 29-jähriger Werler, von seinem Gegenüber per Faustschlag niedergestreckt wurde. Bewusstlos am Boden liegend bekam er dann noch einen Tritt gegen den Schädel. 

Es war nicht der einzige Vorfall

Im Krankenhaus stellten die Ärzte hinterher eine schwere Gehirnerschütterung fest, der Gedächtnisverlust bleibt bis heute. Der Werler musste sich einige Zeit später nochmals in stationäre Handlung begeben, war über einen Monat krankgeschrieben. Über Kieferschmerzen und Konzentrationsprobleme klagte er sogar noch etwa sechs Wochen lang. Inzwischen seien aber keine Folgen mehr spürbar. 

Der 32-Jährige hatte gut zwei Stunden nach dem Streit einen Alkoholwert von 1,83 Promille im Blut. „Das war schon viel, ganz ehrlich“, sagt er selbst dazu. Unter Drogen habe er nicht gestanden, der Arzt bescheinigte ihm klares Bewusstsein. Keiner der Zeugen wusste noch, worum es bei dem Streit überhaupt so wirklich ging. Fest steht: Der Täter trug beim Tritt leichtes Schuhwerk, also „weder Stiefel noch Sandalen“. Der Angeklagte versprach: „Ich sollte demnächst darauf achten, weniger zu trinken.“ Es sei eher die Ausnahme als die Regel, und „kommt nicht wieder vor.“ 

Unruhiger Kirmes-Auftakt für die Polizei 2017

Das machte den Staatsanwalt angesichts des Vorstrafenregisters skeptisch. 2009 hatte der Mann jemanden im betrunkenen Zustand – mit dem gleichen Promille-Wert – zusammengeschlagen, bereits damals bekam er neun Monate auf Bewährung. „Das ist schon so lange her“, sagte er dazu. Auch auf der Kirmes im Jahr 2015 gab es bereits einen Zwischenfall – der Welveraner soll eine Person geschlagen haben, mit 2,2 Promille intus. Das Verfahren wurde gegen eine Geldauflage eingestellt. Seine Reaktion: „Außerhalb der Kirmes gibt es aber keine Probleme.“ Doch 2010 hatte der 32-Jährige eine Anklage wegen gefährlicher Körperverletzung im Red-Bowl am Hals, auch dieses Verfahren wurde gegen 500 Euro eingestellt. „Ich trinke einmal im Monat, ab einem gewissen Pegel tut es mir wohl nicht gut. Voll besoffen bin ich sehr selten.“

 Als „körperliche Misshandlung mittels gefährlichen Werkzeugs“ stuft die Staatsanwaltschaft den jüngsten Angriff ein. Und der Angeklagte zeigt sich bezüglich der Tat einsichtig, gesteht alles trotz Erinnerungslücken: „Es ist passiert, das streite ich nicht ab. Mir tut das natürlich sehr leid.“ Doch: „Der Tritt war nicht gezielt, ich wollte ihn nicht verletzen.“ Richter Marc Gährken hatte einen Einwand: „Wie kann man jemanden denn unabsichtlich gegen den Kopf treten?“ Auf diese Frage bekam er keine konkrete Antwort. 

Durch eine außergerichtliche Vereinbarung hatten sich Opfer und Täter bereits im Februar auf eine Schmerzensgeldzahlung in Höhe von rund 3000 Euro zuzüglich Anwaltskosten geeinigt. Das Schöffengericht packte noch einmal 3000 Euro an die Soester Tafel oben drauf. Zudem erhielt der Welveraner eine Haftstrafe von einem Jahr und drei Monaten, die für vier Jahre zur Bewährung ausgesetzt wird. 

Zwei-jährige Kirmes-Sperre

Das Gericht wolle mit dem Urteil den Angeklagten und andere Menschen vor weiteren derartigen Vorfällen schützen, denn: „Bald ist ja wieder Kirmes.“ Dann aber ohne den 32-Jährigen, der sich nämlich im November dieses und nächsten Jahres von der Veranstaltung fernhalten muss.

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