Parteien fühlen sich vorgeführt

Neuer Streit gefährdet Fußgängertunnel am Bahnhof in Welver

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Von vorgestern: Die steile Treppe, die von den Bahnsteigen hinab zur Bahnhofstraße führt.

Welver – In Welver bahnt sich gerade ein mittleres Desaster an: Jeder will einen ordentlichen, vier Meter breiten Fußgängertunnel unter der Bahn. Da sind sich Verwaltung und sämtliche Parteien völlig einig. Doch nach dem Patt in dieser Woche im Planungsausschuss droht das Projekt zu scheitern.

Die Beteiligten schieben sich gerade gegenseitig den Schwarzen Peter dafür zu. Auf die Frage, wie es nach dem Patt und somit dem Nein zur Vergabe eines Planungsauftrags weitergeht, sagt Bauamtsleiter Detlev Westphal gegenüber dem Anzeiger: „Ich weiß es nicht; dazu bräuchte ich den Telefon-Joker.“ 

Westphal und Bürgermeister Uwe Schumacher hatten in den vergangenen Wochen und Monaten in Gesprächen mit der Bahn, den Planern und zuletzt mit dem NRW-Bauministerium die Tunnelfrage erörtert und sich umgebaute Bahnhöfe in Altena und Lippstadt angesehen. Dabei kamen neue Ideen und neue Marschrichtungen heraus. 

Welver soll nicht mehr 460 000 Euro an die Bahn überweisen, damit die im Zuge des Bahnhofs-Umbaus den Tunnel von drei auf vier Meter verbreitert. Vor allem aber: Welver will nun selber das Heft in die Hand nehmen und sich um den Tunnel, die neuen zu den Bahngleisen führenden Rampen auf der Nord- und Südseite kümmern und das mit dem ohnehin geplanten Umbau des Bahnhofs-Vorplatzes verschmelzen. 

Dieses Paket beziffert Westphal auf rund 2,4 Millionen Euro, 70 Prozent würde vom Land zugebuttert, habe man im Ministerium zugesagt bekommen. „Das wäre ein Superding“, meint auch sein Chef, Bürgermeister Schumacher. 

Doch jetzt gerät das Projekt in Schieflage: Die eine Hälfte der Politik aus CDU, BG und Welver 21 war Mittwochabend bereits umfassend im Bild, weil sie sich zwei Tage vorab auf einer gemeinsamen Fraktionssitzung von den Rathaus-Chefs hatte briefen lassen. SPD, Grüne und FDP fühlten sich dagegen ins kalte Wasser gestoßen und „vorgeführt“. 

Immer wieder, so FDP-Fraktionschefin Monika Korn, habe man im Rathaus nachgefragt und stets nur gehört, es gebe „nichts Neues“. Ergo sei niemand auf die Idee gekommen, die Rathaus-Spitze in die Fraktion einzuladen. Es sei völlig unklar, welche Kosten genau entstehen und wer sie trägt. Am Bahndamm, der für den Tunnel aufgerissen werden müsste, hätten bereits Probebohrungen gezeigt, wie schwierig der Baugrund ist. Deswegen sei der Antrag von Klaus-Theo Rohe (SPD) nur konsequent gewesen, all die Ungereimtheiten bis zur Sitzung des Hauptausschusses aufzuklären und die Tunnel-Causa bis dahin zu vertagen. 

Abgestimmt wurde über den Vertagungs-Antrag nicht, das ging wohl in der aufgeheizten Gemengelage den Beteiligten durch. 

CDU-Chef Matthias Droste greift hingegen SPD, FDP und Grüne an: „Sie haben mit ihrer Mehrheit zum wiederholten Male mit dem Ausbau des Bahnhofs eine wichtige und nachhaltige Entwicklung in Welver aufgehalten.“ Sie hätten sich doch auch vorab informieren können. 

Um noch zu retten, was zu retten ist, verlangen SPD, Grüne und FDP, Schumacher und Westphal sollen nun schleunigst die Informationen liefern. „Es muss vorangehen“, so Korn. Passiert das nicht, werde die Bahn ihr Ding machen, den Bahnhof nach dem Null-Acht-Fünfzehn Plan und mit Drei-Meter-Tunnel bauen.

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