Datenautobahn für den ländlichen Raum

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Vetreter der Betreiberfirma sowie der Verwaltung und Politik kamen bei der offiziellen Eröffnung des Funkmastens (im Hintergrund) zusammen, um das weitere Vorgehen abzusprechen. Das Plakat zeigt die „Versorgungs-Wolke“, die den nördlichen Teil des Kreises Soest umfasst – nicht zu verwechseln übrigens mit einer „Cloud“, bei der Daten auf Servern im Internet gespeichert werden.

WELVER ▪ Er ragt zwar nicht in die Wolken, aber er sorgt für eine: Der Internet-Funkmast der Telekommunikations-Gesellschaft Südwestfalen (TKG) bei Nateln stellt eine flächendeckende Versorgung mit schnellerem Internet im ländlichen Bereich sicher. Er verspricht eine rasende Datenübertragung.

Am Dienstag wurde der Mast offiziell eingeweiht, in rund zwei Wochen soll das Netz online gehen.

Vor dem großen Masten war am Dienstagvormittag noch ein kleiner nötig: Bei der offiziellen Eröffnung des Internet-Funkturms in Berksen sorgte ein Heizpilz dafür, dass die Teilnehmer bei klirrender Kälte nicht selbst zu Säulen erstarrten.

TKG-Projektleiter Christoph Hellmann, Mitarbeiter der Betreiberfirma „Innofactory“, Ortsvorsteher sowie Vetreter aus der Welveraner und Lippetaler Verwaltung waren zusammengekommen, um Fragen zu klären und das weitere Vorgehen zu besprechen.

Wie kürzlich berichtet, bietet die TKG künftig ein System an, das schnelles Internet über Richtfunk bereitstellt: Durch ein Netz von insgesamt vier Großantennen – neben Welver stehen diese noch in Ense, Lippstadt und Rüthen – wird über die sogenannte „450-MHz-Technologie“ eine Versorgung mit 3 Mbit pro Sekunde Download- und 1 Mbit/s Upload-Geschwindigkeit gewährleistet. Für unterversorgte Haushalte im ländlichen Bereich, die in absehbarer Zeit keine Kabelversorgung bekommen werden, eine deutliche Verbesserung.

Wer in der Nähe der Funkmasten wohnt und eine Sichtverbindung hat, kann mit bis zu 6 MBit/s im Download arbeiten – Firmen zu teureren Tarifen sogar über 100 Mbit beantragen. Jeder Endverbraucher muss eine etwa DIN-A4-große Empfangsantenne an seinem Haus installieren.

„Durch diese Netze wird die Wettbewerbsfähigkeit der Region erhöht“, sagt Nils Hambloch von der Betreiber-Firma Innofactory, die bereits mehrere Richtfunk-Netze betreibt. „Für viele Firmen ist eine schnelle Anbindung zur Daten-Autobahn mittlerweile wichtiger als zur richtigen Autobahn.“

Angesichts des dichten Schnee-Gestöbers kam gleichzeitig natürlich die Frage nach der Zuverlässigkeit von Funknetzen auf. „Das System hat seinen Ursprung im Militär, ist für extreme Bedingungen geeignet“, gab Hambloch Entwarnung. Die Stationen unterhielten sich über Regelkreise, würden bei schlechten Bedingungen die Modulation anpassen.

Ebenfalls auf der Bedenken-Liste der heimischen Vertreter: mögliche gesundheitliche Risiken. Hier stellte Hambloch den Vergleich zum Mobiltelefon her: „Unsere Antennen arbeiten mit weniger als einem Watt und sind außen am Haus angebracht. Ein Handy hat zwei Watt und jeder trägt es am Körper.“ Die Gefahrlosigkeit sei zudem durch mehrere Studien bewiesen, ergänzte Innofactory-Chef Stefan Glusa.

Dass der Masten genau da steht, wo er steht, ist laut TKG-Projektleiter Christoph Hellmann „das Ergebnis komplizierter Berechnungen.“ Die Topografie sei dabei ein Problem gewesen: „Das ist alles sehr flach hier. Der jetzige Standort ist eine der wenigen Kuppen.“

Der Turm in Welver ist der dritte des oben erwähnten, vierteiligen Masten-Netzes. In Ense und Lippstadt wurden die Masten bereits im vergangenen Jahr eingeweiht, eine Anlage in Rüthen soll den Verbundring demnächst komplettieren.

Durch diesen Ring wird zusätzliche Sicherheit geschaffen: Falls aufgrund eines starken Gewitters doch einmal die Versorgung durch einen Masten leidet, wird diese von einem anderen aufrecht erhalten. Nur ein Heizpilz, der wird in solchen Notfällen wohl nicht zur Verfügung gestellt. ▪ tob

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